Restaurierung

Neues Leben für "Jenetta"

Auf der Flensburger Werft Robbe & Berking Classics wird einer historischen 12-Meter-Rennyacht von Alfred Mylne neues Leben eingehaucht

Lasse Johannsen am 08.01.2014
"Jenetta" in besseren Tagen

"Jenetta" in besseren Tagen

Bereits vor zwei Jahren hatte Werftchef Oliver Berking das Wrack der 1939 gebauten "Jenetta" vom Grund des Pitt Pitt bei Vancouver/Kanada heben lassen. In einer aufsehenerregenden Aktion wurden der Kiel sowie Teile der Bug- und Hecksektion in einem Container nach Flensburg verfrachtet, wo die Teile seither darauf warten, wieder zu einem segelnden Ganzen zusammengefügt zu werden. Ganz so wird es allerdings nicht kommen, denn außer dem Ballastkiel ist nichts zu retten. Immerhin ermöglicht der Kauf den originalgetreuen Nachbau der historischen Yacht, die dann auch wieder unter ihrem in der Szene gut bekannten Namen segeln darf.

Vom Regattastar zum Wrack

Die Rettung kam in diesem Fall nicht in, sondern quasi erst nach der letzten Minute. Denn nachdem die Yacht in den achtziger Jahren nach Kanada verkauft worden war, fristete sie dort ein trauriges Dasein. Halbherzige Restaurierungsversuche mit rostenden Eisenprofilen und Spanplatten gaben ihr den Rest, und schließlich versank "Jenetta" einsam am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages 2008 an ihrem Liegeplatz auf dem Pitt Lake. Unrettbar verloren war sie schließlich, als noch ein unsachgemäßer Bergeversuch den Rumpf vollends zerstörte.

Dabei hatte vierzig Jahre vorher alles so glanzvoll angefangen. Der britische Zuckerkönig Sir William Burton gibt den Zwölfer damals bei Altmeister Alfred Mylne in Auftrag, natürlich um mit ihm auf der Regattabahn zu brillieren. Und das gelingt auf Anhieb. Der Herrensegler bringt viel Regattaerfahrung mit – "Jenetta" ist bereits seine vierte 12-mR-Yacht –, und Mylne gilt seinerzeit als Schöpfer der schnellsten Boote in der Meterklasse, deren Formel er maßgeblich mitgeprägt hat.

Fotostrecke: "Jenetta"

Wiederauferstehung in Flensburg

Auf der Flensburger Werft interessierte man sich bald nach Bekanntwerden der Geschichte für das Wrack. Denn die Chancen, an Restaurierungsprojekte von Original-Zwölfern der sogenannten Third rule zu kommen, sind rar. Und "Jenetta" hat neben ihrer Geschichte noch ein interessantes Alleinstellungsmerkmal: Sie ist der längste je gebaute Zwölfer überhaupt. Im Januar 2010 erfolgte die Bergung und der Abtransport nach Norddeutschland.

Zwei Jahre Bauzeit sind für das Projekt veranschlagt, rund 1,5 Millionen Euro soll der Nachbau kosten. Ein Käufer hat sich zwar noch nicht gefunden, aber das werde er schon noch, ist sich Oliver Berking sicher.

Lasse Johannsen am 08.01.2014

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