Restaurierung

Der zweite Stapellauf des Zwölfers "Jenetta"

Erst gesunken, dann gerettet: Nach aufwändiger Restaurierung bei Robbe & Berking wurde die historische Rennyacht von Alfred Mylne wieder zu Wasser gelassen

Kristina Müller am 27.05.2019
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Robbe Berking/U. Sommerwerck

80 Jahre und acht Tage nach ihrem ersten Stapellauf berührte die "Jenetta" am Samstag erneut Wasser

Ihr Dasein hätte vor zehn Jahren auf dem Grund des Pitt Lake in der Nähe von Vancouver in Kanada enden können – doch die längste je gebaute 12-mR-Yacht wurde gerettet. Nach jahrelanger Restaurierung lief die "Jenetta" nun am vergangenen Samstag, den 25. Mai, in Flensburg erneut vom Stapel. 

Rettung aus der Tiefe

Etwa 20.000 Arbeitsstunden sind bei der auf Klassiker spezialisierten Yachtwerft Robbe & Berking in das Projekt geflossen. Werftchef Oliver Berking hatte das Wrack der 1939 gebauten "Jenetta" vom Grund des Pitt Lake heben lassen und in einer aufsehenerregenden Aktion den Kiel sowie Teile der Bug- und Hecksektion in einem Container nach Flensburg verfrachtet, wo die Teile wieder zu einem segelnden Ganzen zusammengefügt werden sollten. Doch nur der Ballastkiel war zu retten.

Fotostrecke: Impressionen von Restaurierung und Stapellauf des Zwölfers "Jenetta"

Die Restaurierung der "Jenetta" war insofern vielmehr ein originalgetreuer Nachbau der historischen Yacht, die künftig weiter unter ihrem bisherigen Namen für eine nordeuropäische Eignergemeinschaft segeln soll.

Eine Yacht mit Geschichte

Das 21,78 Meter lange Schiff ist ein Entwurf des schottischen Yachtkonstrukteurs Alfred Mylne aus dem Jahre 1939. Seine Rettung kam nicht in, sondern quasi nach der letzten Minute. Denn nachdem die Yacht in den achtziger Jahren nach Kanada verkauft worden war, fristete sie dort ein trauriges Dasein. Halbherzige Restaurierungsversuche mit rostenden Eisenprofilen und Spanplatten gaben ihr den Rest, und schließlich versank "Jenetta" einsam am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages 2008 an ihrem Liegeplatz auf dem Pitt Lake. Unrettbar verloren war sie schließlich, als noch ein unsachgemäßer Bergeversuch den Rumpf vollends zerstörte.

Fotostrecke: "Jenetta"

Dabei hatte vierzig Jahre vorher alles so glanzvoll angefangen. Der britische Zuckerkönig Sir William Burton gab den Zwölfer seinerzeit bei Altmeister Alfred Mylne in Auftrag, natürlich um mit ihm auf der Regattabahn zu brillieren. Und das gelingt auf Anhieb. Der Herrensegler bringt viel Regattaerfahrung mit – "Jenetta" ist bereits seine vierte 12-mR-Yacht –, und Mylne gilt damals als Schöpfer der schnellsten Boote in der Meterklasse, deren Formel er maßgeblich mitgeprägt hat.

Mylne selbst verstarb 1951. Ihm zu Ehren haben sich die Eigner entschlossen, "Jenetta" für den ersten Sommer einen "Schottenrock" anzuziehen. Erst nach der Saison bekommt sie ihre endgültige Lackierung.

Kristina Müller am 27.05.2019

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