Schärenkreuzer

Das 22er-Fieber breitet sich aus

Bisher fanden die Aktivitäten in dieser attraktiven Regattaklasse in Schweden statt. In der kommenden Saison wird sich das ändern

Lasse Johannsen am 27.02.2014
Regattastart bei den 22ern

Regattastart der 22er vor Saltsjobaden 2008 anlässlich der Jubiläumswettfahrten 100 Jahre Schärenkreuzer

Für das Regatta-Programm 2014 stehen bereits drei Schwerpunktregatten fest, aufgeteilt in Süd-, Mittel- und Nordeuropa. Im Süden wird vom 22. bis 25. Mai anlässlich der Internationalen Bodenseewoche in Konstanz gesegelt. Die 22-qm-Schärenkreuzer starten in der 2013 neu gegründeten "offenen Schärenkreuzer-Klasse". Es sind insgesamt acht Regatten vorgesehen.

Die nördliche Schwerpunktregatta wird vor Sandhamn gestartet, in den Schären vor Stockholm. Vom 6. bis 10. August  werden dort die internationalen schwedischen Meisterschaften der 22er-Schärenkreuzer ausgetragen. Die Organisation und Durchführung dieser Regatten übernimmt  der Königlich Schwedische Yachtclub, KSSS, in Stockholm.

Die dritte Schwerpunktregatta wird als Saisonhöhepunkt angekündigt. Vom 17. bis 19. September wird erstmals ein Eurocup der 22-qm-Schärenkreuzer auf dem Wannsee in Berlin ausgesegelt. Bereits im Dezember 2013 haben sich schon 24 Schärenkreuzer-Eigner aus der Schweiz, Schweden, Deutschland und Australien auf der Interessentenliste eingeschrieben. Dieser erste Eurocup verspricht schon jetzt, ein Erfolg zu werden, da aus Schweden ein hochkarätiges Feld von acht Yachten auf der Liste steht, gespickt mit Spitzenseglern. 

Anschließend an den Eurocup, vom 20. bis 21. September, findet der Kaiserpokal statt, mit separater Startgruppe für die 22er-Schärenkreuzer. Durchführender Verein für beide Anlässe ist der Berliner Yacht Club.

Aufwind für die Außerschwedischen

Nach den großen Jubiläumsregatten "100 Jahre Sommerolympiade Stockholm" in Nynäshamn 2012 beschlossen mehrere Teilnehmer und Eigner von 22er-Schärenkreuzern vom Bodensee und aus Berlin, diese Aktivitäten außerhalb von Schweden fortzusetzen. Es bildete sich eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Schweizers Adrian Schmidlin aus Rorschach am Bodensee, des Deutschen Matthias Grothues-Spork aus Berlin, gleichzeitig auch Regattaleiter vom Berliner Yacht Club, sowie der Schwedin Zora Sorman aus Eriskirch, ebenfalls am Bodensee.

Klasse mit Geschichte

Die 22er gehören in Schweden innerhalb der neun Schärenkreuzerklassen vom 15er bis zum 150er zu den aktivsten und meistgesegelten Schärenkreuzern. Seit 1908 wurden insgesamt über 400 Yachten gebaut. Jedes Jahr werden schwedische Meisterschaften ausgetragen, und gleichzeitig wird um den ältesten Pokal in der schwedischen Segelgeschichte gekämpft.

Dieser Herausforderungspreis wurde erstmals 1910 für die 30er-Schärenkreuzer gestiftet. Im Jahr 1933 wurde dieser Pokal dann von den 22er-Schärenkreuzer übernommen und wird seitdem jedes Jahr ausgesegelt. Mit diesem Akt begann der eigentliche Aufschwung der 22-qm-Schärenkreuzer mit Neubauten und Regatten auf hohem Niveau. Die Klasse hat nationalen Meisterschaftsstatus, die Klassenvereinigung ist Mitglied des schwedischen Seglerverbandes und sorgt für die Einhaltung der Klassenvorschriften. 

Berliner Kolorit

Die 22-qm-Schärenkreuzer auf dem Wannsee in Berlin durchlebten eine ganz spezielle Geschichte. Da nach dem Ersten Weltkrieg eine internationale Regattatätigkeit nicht mehr erlaubt war, suchten die Berliner Segler Anschluss an die neutralen Ostsee-Länder. Nach damaliger Übereinkunft mit dem Schwedischen Seglerverband konnten ab 1925 wieder Regatten auf Schärenkreuzer-Klassen durchgeführt werden. Ab 1928 bis 1934 wurden alljährliche Sonderwettfahrten für 22-qm-Schärenkreuzer um den Max-Gildemeister-Erinnerungspreis, auf dem Wannsee beim Potsdamer Yacht Club, veranstaltet. Mehrmaliger Gewinner dieses Preises war Dr. jur. James Bileski auf G 36 "Pusteback" vom Berliner Segel Club (BSC).

Aber das Schicksal war ihm nicht hold – er starb 1932 an einer Lungenentzündung. Wegen seiner jüdischen Abstammung musste seine Familie aus Deutschland in die USA fliehen. Die "Pusteback" blieb auf dem Wannsee zurück. Das Boot hat die Kriegswirren überstanden und liegt heute am Bodensee. Der jetzige Eigner, Markus Mayer vom Yacht Club Langenargen, hat im Jahr 2012, die in den USA lebende Tochter von Dr. Bileski an den Bodensee eingeladen. Als sie auf das Schiff stieg, erzählte sie von vielen Erinnerungen und wie sie, als damals junges Mädchen, viele Stunden zusammen mit ihrem Vater auf dem Wannsee verbrachte.

Eine schöne und versöhnliche Geschichte, und sie geht weiter. Genau 80 Jahre später, nach der letzten Austragung des Max-Gildemeister-Erinnerungspreises im Jahr 1934, startet eine neue Ära mit der erstmaligen Austragung eines Eurocup im September 2014 auf dem Wannsee in Berlin. Adrian Schmidlin wurde im Frühjahr 2013 zum Vizepräsidenten der NSK (Nationale Schärenkreuzer), einer vom DSV anerkannten Klassenvereinigung, gewählt und ist zugleich Obmann der 22er-Schärenkreuzer.

Seit August 2013 gibt es zudem eine Kommunikationsplattform für die 22-qm-Schärenkreuzer unter www.sk22.info.

Lasse Johannsen am 27.02.2014

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