Revier-Info

Yachtcharter Kroatien: Istrien und Kvarner

Kroatiens Norden von Umag bis Olib ist ideal für die Anreise mit dem Auto. Der Mix aus Küstensegeln und Inselhopping ab Pula wird oft unterschätzt

Andreas Fritsch am 25.10.2019
Kroatien Istrien 2019_AdobeStock_278344626
Lucky Photo/stock.adobe.com

Für solche Stadthäfen, wie hier Rovinj, ist Istrien bekannt

Direkt zur Reviercharakteristik

Kroatien Nord

ANREISE

Istrien ist für die Autoanreise aus Deutschlands Südhälfte gut geeignet. Von München sind es beispielsweise 600 Kilometer bis nach Pula oder Veruda, wo es diverse Charteranbieter gibt. Zur Anreise muss man noch die Maut in Österreich, Slowenien und Kroatien einrechnen, je nach Strecke (Infos z.B. auf der Seite des ADAC). Die Autos können meist gegen eine Wochengebühr von 60 bis 100 Euro irgendwo in Hafennähe auf bewachten Parkplätzen  abgestellt werden. Alternativ kann man auch mit Flixbus beispielsweise ab München über Nacht direkt nach Pula fahren, was rund 10 Stunden dauert, aber auch mit teils unter 40 Euro pro Strecke sehr günstig ist. 
Alternativ gibt es Flüge vor allem nach Pula, seltener auf die Insel Krk. Man kann man auch über Triest fliegen und dann in Slowenien starten. Der etwa einstündige Transfer ist allerdings relativ teuer und sollte vorab über die Agentur oder den Flottenbetreiber organisiert werden.

Fotostrecke: Istrien

CHARTER

Das Flottenangebot im Revier ist riesig, und diverse Starthäfen-Varianten sind möglich: Wer mit dem Auto bis Istrien fährt, kann in Funtana, Pula, Veruda oder Pomer starten. Weiter südlich bietet sich Opatija, die Insel Krk (Punat) oder Mali Losinj an. Die beiden letztgenannten Inselziele bringen aber teils Fährfahrten mit sich, die zu einem zeitlichen Nadelöhr werden können, zumindest in der Hochsaison. Dann können Warteschlangen oder Staus für Verzögerungen sorgen.


Wer sich entschließt, auch den reizvollen Norden Istriens anzuschauen und nicht gleich mit dem Gros der Chartercrews zu segeln, die in der Regel schnell nach Süden streben, kann auch in Slowenien starten (Portoroz und Izola) und dann gemächlich die schönen Städte Istriens absegeln. Die Autoanreise ist dann etwa 100 Kilometer kürzer als nach Pula. Einziger Nachteil ist, dass man beim Grenzübertritt in Kroatien ein- und ausklarieren muss. Wer das aber über Piran und Umag abwickelt, ist mit der ganzen Prozedur jeweils in etwa 30 Minuten durch.

CHARTERANBIETER

  

Wetter

Wetterstatistik Istrien

WIND & WETTER

Im Sommerhalbjahr weht an der Küste Istriens sehr häufig der Maistral, ein leichterer Wind aus Nordwest. Er entwickelt sich vormittags allmählich und erreicht am Nachmittag meist 3 bis 4 Beaufort, gegen Abend schläft er relativ rasch wieder ein. In Istrien gibt es aber auch durchaus längere Flautentage oder eine klassische Seebrise.

Kräftigen Wind und Sturm kann die Bora aus Nordost bringen, die vor allem in Vor- und Nachsaison heftig werden kann, aber auch im Sommer immer mal wieder für Überraschungen gut ist. Besonders gilt dies für den Kvarner, der bei Rijeka und Senji zwei berüchtigte Bora-Schneisen hat. Dort kann es extrem stark wehen, Crews sollten dort bei vorhergesagter Bora rechtzeitig Schutz suchen. Die Bora weht oft bei sehr klarem, gutem Wetter.
Aus Süd weht der sogenannte Jugo, der fast immer eine Verschlechterung des Wetters mit Bewölkung und Regen mit sich bringt. Im Sommer ist er selten, in Vor- und Nachsaison wechselt er sich oft mit der Bora ab. Längerer Jugo bringt hohen Seegang, da er viel Anlaufweg über die Adria hat.


Der kroatische Wetterdienst sagt Bora und Jugo recht zuverlässig voraus. Ansonsten werden oft die üblichen Online- oder App-Wetter-Infoseiten wie WindyWindfinder (Pro-Version!) u.a. benutzt. Ist die Vorhersage schlecht, sollte man auf jeden Fall die kroatischen Vorhersagen hinzuziehen.

NAVIGATION & SEEMANNSCHAFT

Die Küste Istriens stellt navigatorisch kein allzu großes Problem da, es gibt im Vergleich zum Süden etwas weniger Flachs und gefährliche Passagen, die wichtigsten sind betonnt. Zu beachten ist der Brijuni-Nationalpark  nördlich von Pula, der einige Sperrgebiete umfasst. Zwischen einigen Inseln, etwa Losinj und Cres, Ist und Molat gibt es schmale Durchfahrten, in denen auch stärkerer Strom und Winddüsen stehen können. Sie können bei Starkwind unpassierbar werden.

Zu beachten sind im Revier die Bojenfelder, die der Staat an Pächter vergibt und von denen es mittlerweile etwa 70 bis 80 im ganzen Land gibt. Wer die Bojen nutzt, muss zahlen, die Preise variieren von etwa 2 bis 5 Euro pro Bootsmeter, je nach Lage und Beliebtheit des Feldes. Wichtig: Wer ankern will, muss zu den Feldern mindestens 150 Meter Abstand einhalten (früher 250 Meter). Um diese Regelung gibt es manchmal Streit: Manche Betreiber versuchen auch Crews abzukassieren, die in der Nähe der Felder ankern. Man sollte in so einem Fall großzügig Abstand wahren, um von vornherein Ärger zu vermeiden.
Nicht alle Bojen-Grundgeschirre sind stark genug ausgelegt und gut gewartet. In Kroatien haften die Betreiber nicht für den Zustand der Bojen, dementsprechend sollte man bei schlechtem Wetter nicht blindlings auf diese vertrauen.
 
Wichtig in Kroatien: In der Chartercrew  muss jemand mit Funkschein (SRC oder höher ) sein, dies ist mittlerweile Vorschrift. Und: Wird ein Dingi mit Außenborder bewegt, muss eine Person mit Führerschein darin sitzen, egal wie viel PS diese hat.

HÄFEN UND ANKERPLÄTZE

Entlang der Küste gibt es ein dichtes Netz von guten Marinas, alle haben Muringleinen.
Kommunale Stadthäfen bieten oft relativ wenig Plätze, die meisten sind mit Muringleinen ausgestattet, Strom und Wasser sind relativ häufig, Sanitäreinrichtungen dafür nicht immer vorhanden. Kosten: Außerhalb der Hochsaison zwischen 40 und 50 Euro je Nacht für eine Zwölf-Meter-Yacht, städtische Anleger sind billiger.
Die Auswahl an sicheren Ankerbuchten ist in Istrien etwas eingeschränkt, nach der Südspitze auf den Inseln deutlich mehr Auswahl. Zum Teil kostenpflichtige Bojenfelder, doch hier im Norden sind sie noch seltener als im Süden.

LITERATUR & SEEKARTEN

"Küstenhandbuch Kroatien, Band 1", von Müller/Strassburger, Delius Klasing, 29,90 Euro. "Kroatien, 888 Häfen und Buchten" von K.-H. Beständig, Eigenverlag, 29,90 Euro. "Sportbootkartensatz 7, Adria 1", Delius Klasing, 59,90 Euro.
 

REVIER-CHARAKTERISTIK ISTRIEN BIS INSEL OLIB

Kroatiens Norden ist das klassische Auto-Anreise Ziel an der Adria: Wer in Pula oder Funtana startet, ist aus dem Raum München in etwa sechs bis sieben Stunden vor Ort. Dort erwartet Crews ein von vielen unterschätztes Revier. Die etwa 50 Seemeilen lange Festlandsküste Istriens ist landschaftlich sehr schön, und viele der Städte entlang der Nord-Süd-Route sind malerisch: Rovinj mit seiner Halbinsel, über der die Kirche thront, Pula mit dem alten römischen Amphitheater, und auch kleinere, schmucke Küstenstädte wie Vrsar sind unbedingt einen Besuch wert.

Allerdings gibt es entlang der Küste weniger vorgelagerte Inseln als im Süden Kroatiens, damit ist auch das Ankern nicht so oft möglich. Dazu kommt, das Istrien im Sommer von vielen Landtouristen frequentiert wird, beim Landgang wird es dann auch mal voll. So erklärt sich, dass viele Crews, die hier starten, den Bug sofort gen Süden richten und recht zügig zu den Inseln vor dem Kvarner segeln, Mali Losinj, Cres, Krk oder Silba und Premuda. Das Revier dort bietet das typische Inselhopping Kroatiens, das viele Crews so lieben: Jeden Tag eine neue Insel ansteuern, kurze Entfernungen, immer eine gute Auswahl von Buchten und Anlegern in nur zwei, drei Segelstunden Entfernung. Dazu im Sommer oft moderate Winde, die auch Einsteigercrews nicht überfordern.

Es lohnt aber durchaus, als Alternative einmal Istrien und Slowenien zu erkunden. Dabei kann man einen Abstecher in dem tief ins Festland einschneidenden Limski-Fjord machen, eine gute Adresse zum Muschelessen. Wer das sündteure Hafengeld nicht scheut, sollte sich auch den Nationalpark der Brijuni-Inseln anschauen, auf der Tito seinen Sommersitz hatte. Dort ist heute ein Museum, und zudem sind exotische Tiere zu bestaunen, die der Diktator erwarb und die seitdem dort weiter gehegt und gepflegt werden. Auch der Revierwechsel nach Slowenien lohnt, Piran ist ohne Frage eine der Perlen der Adria.

Wegen der unkomplizierten Anreise nutzen viele Crews das Revier für einen Wochentörn. Von Pula zu den Inseln wie Olib oder Molat und zurück sind es gerade mal um die 120 Seemeilen, ideal für eine Woche. Wer von Pula nach Norden segelt, kommt mit einem Besuch von Piran auf 100 Seemeilen. Will man beides sehen, sollte man zwei Wochen einplanen, der Kontrast zwischen Inseln und Küste ist sehr reizvoll. 

Downloads


(für Print-Jahresabonnenten kostenlos)
Andreas Fritsch am 25.10.2019

Das könnte Sie auch interessieren


Charter Videotipps


Charter-Wissen


Reportagen-Download