Revier-Info

Yachtcharter Niederlande: Friesland

Die Region ist das Sahnestück des Nachbarlandes: Man kann zwischen Ijsselmeer, Seen und Wattenmeer wechseln, tolle Städte locken, die Infrastruktur ist perfekt

Andreas Fritsch am 06.03.2020
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Fritsch, Andreas

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ANREISE

Die Region ist wegen der einfachen Auto- oder Bahn-Anreise beliebt. Vor allem Segler aus Nordrhein-Westfalen sind in wenigen Stunden vor Ort. Das ist umweltschonend und hat den Vorteil, dass man auf dem Weg auch gleich den Proviant mitbringen kann. Informieren sollte man sich bei der Charterstation kurz, wo das Auto für die Törndauer abgestellt werden kann – meist geht das auf dem Marinagelände oder der Umgebung, in der Regel kostenfrei. Freies Parken ist wie in Deutschland an vielen Stellen sonst nur gegen Gebühr oder kurzzeit möglich. Verbote sollte man tunlichst befolgen, die Bußgelder sind in Holland deutlich höher als in Deutschland. Das gilt übrigens auch für das Befolgen der Höchstgeschwindigkeit. Ein Hinweis: Ab März 2020 gilt tagsüber auf Autobahnen Tempo 100. 

Karte

Die Gewässer Frieslands im Überblick

CHARTER

Das Angebot an Charterflotten ist groß und reicht von Jollen über Kleinkreuzer bis zur 50-Fuß-Charteryacht. Bei jungen Seglern sind gerade die kleinen, günstigen Boote wie Polyvalk, Fox 22 und Ähnliches beliebt. Sie werden zum Wasserwandern, mal mit Zelt, mal mit Übernachtung in der Jugendherberge genutzt, ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal Frieslands. Nirgendwo in Europa gibt es noch so viele Kleinboote wie hier. Doch natürlich gibt es auch die ganz normalen Charterstützpunkte mit Kielyachten der gängigen Anbieter, vor allem in Lemmer, aber auch in Stavoren, Sneek, Workum und anderen Orten. Hinzu kommt die Möglichkeit, einmal sehr stilvoll die typisch niederländischen historischen Bootstypen zu chartern: Leemsteraken etwa, Stahl-Plattbodenschiffe mit Gaffeltakelung und Holzmast, die einmaliges Flair und wenig Tiefgang haben. Die Handhabung ist für Segler mit Erfahrung kein größeres Problem, es gibt aber auch eine ausführliche Einweisung. 

Fotostrecke: Revier-Impressionen Friesland

Die Charterpreise in Holland sind günstig, in Europa ist es nur an der Ostsee vergleichbar niedrig. Bei den Kunden sehr, bei den Anbietern mäßig beliebt ist auch die Möglichkeit, nur ein Wochenende oder über Feiertage zu chartern, was in den Niederlanden deutlich ausgeprägter ist als anderswo. Achten sollte man nur auf den Tiefgang der Charteryacht, denn die Gewässer sind flach.  Wer wirklich in alle Teile des Reviers will, etwa das sehr hübsche, erstaunlich naturnahe Areal um den Princenhof, sollte kein Boot mit mehr als 1,2 Meter Tiefgang buchen, sonst bleiben einem viele Abschnitte verwehrt. Eine ganze Reihe der Yachten, die in Holland angeboten werden, haben standardmäßig die Werft-Versionen mit den tiefgangreduzierten Kielen. 

CHARTERANBIETER IN DEN NIEDERLANDEN

WIND & WETTER

Friesland

Wetterstatistik Friesland

Das niederländische Binnenland ist genau wie die deutsche Küste für seine unberechenbaren Sommer bekannt, auch wenn sich in den letzten Jahren die Supersommer wie 2018 häufen. Von April bis Anfang September dominieren Winde aus südwestlichen bis westlichen Richtungen das Bild. Sie wehen hier im Binnenland etwas schwächer als direkt an der Küste, das Mittel liegt bei 7 bis 10 Knoten oder um die 3 Beaufort. Tage mit Regen sollte man einplanen, mit 13 bis 20 Tagen pro Monat von April bis Oktober ist die Wahrscheinlichkeit hoch. Alllerdings kann man diese aufgrund des perfekten touristischen Infrastruktur an Land auch ideal verbringen. Fakt ist: Wer in Friesland unterwegs ist, sollte sich auch im Hochsommer auf ein paar Schlechtwetter-Tage einstellen und natürlich das volle Ölzeug samt Stiefeln dabei haben.

NAVIGATION & SEEMANNSCHAFT

Die niederländischen Gewässer sind oft flach und teils eng – Küstensegler müssen sich da etwas umstellen. Oft zeigt die Logge unter zwei Metern an, Grundberührungen sind aber oft harmlos, weil vielerorts weicher Mudd vorhanden ist. Im Sommer und an den Wochenenden wird es voll, an enge Begegnungen in Kanälen müssen sich unerfahrene Segler teils erst gewöhnen. 

Brücken: Nur noch ganz wenige sind wie früher gebührenpflichtig, manche Fans trauern noch heute dem per Angel und Holzschuh kassierten "Klompengeld" nach. Wird sie doch fällig, muss die Summe passend gezahlt werden. Vor der Brücke (oder Schleuse) Drängeln gilt als sehr unfein. Gewöhnungsbedürftig für Revierneulinge ist auch, dass zügig und in dichter Reihe beim Öffnen der Brücke passiert werden sollte; Verzögerungen schätzen die Brückenwärter, die für die Öffnung oft den gesamten Autoverkehr stoppen, nicht. Teils haben die Brückenwärter Mittagsruhe (12 bis 13 Uhr) und Kaffeepause (ca. 16.15 bis 17 Uhr), Öffnungszeiten im Sommer abends meist bis 20 oder 21 Uhr. 

HÄFEN & ANKERPLÄTZE

Viele Marinas, teils etwas veralteter Standard in Sachen Sanitäranlagen, meist Plätze mit festen oder Schwimmstegen mit Heckpfählen. Von Juni bis August sind sie ab 14 Uhr ziemlich voll. Wer später kommen will, sollte reservieren (Nummern im Revierhandbuch Almanak). Viele ruhig gelegene Anlegestellen "auf der grünen Wiese" (sogenannte Marrekrite-Plätze). Das Liegen dort ist pro Platz für drei Tage kostenlos, die Crew sollte aber den obligatorischen Marrekrite-Wimpel kaufen (und setzen), den es für 15 Euro in den Fremdenverkehrsbüros gibt. Der Erlös dient der Erhaltung und Pflege der Plätze.  

LITERATUR & SEEKARTEN

Unverzichtbares Nachschlagewerk für jeden Törn ist der "Wateralmanak" des ANWB. Das zweibändige Werk listet unter anderem alle Telefonnummern, UKW-Kanäle sowie Öffnungszeiten von Brücken und Schleusen auf; zusätzlich gibt es alle Hafeninfos. Pro Band 19,95 Euro, im Fachhandel erhältlich. Sehr sinnvoll ist auch die App des niederländischen Verbandes ANWB, sie bietet Wasserkarten, Hafen- und Revierinfos, zu finden im Appstore oder bei Google Play. Seekarten: Am häufigsten benutzt werden die Karten des ANWB, Satz 1800 (ganz neu). Gut sind auch die Binnen-Karten des NV-Verlags, Satz NL 6, 49,00 Euro.

REVIER-CHARAKTERISTIK FRIESLAND

"Sneekermeer", "Heegermeer", "Tjeukemeer" – in Friesland bewegen sich Crews von einem der rund 30 mehr oder weniger großen Seen zum nächsten. Verbunden sind sie durch ein dichtes Netz aus Kanälen und Flüssen, in denen man bei jedem Wind und Wetter gut geschützt unterwegs ist. Besonders für kleine Boote und Einsteiger ein ideales Revier. Wem das zu eng wird, der wechselt einfach für einen Abstecher aufs IJsselmeer.

In Friesland segeln Crews mitten in der Landschaft, sie werden sozusagen Teil von ihr; speziell für Seesegler und Revierneulinge ist das eine außergewöhn­liche, ungemein spannende Erfahrung. Die schilf­umsäumte Grasnarbe der topf­ebenen Wiesen scheint zum Greifen nah. Auf Augenhöhe mit wiederkäuenden Kühen und blökenden Schafen folgen die Boote gewundenen Fluss- oder Kanalläufen.

Einmal in den tollen alten Orten wie Sloten, Sneek oder Heeg angekommen, wähnt man sich beim Stadt­bummel nicht auf ei­nem Segeltörn. Völlig ungeniert kann man in die Gärten der Anwohner schauen. Im Kon­trast dazu stehen die Binnenseen wie das Snee­ker- oder Heegermeer. Dort wirkt dann al­les gleich viel großzügiger und weiter, als es tatsächlich ist. Mittendrin vielerorts winzige Eilande, künstlich geschaffen und doch Naturidylle. 

Seemännisch gibt es ebenfalls viel Neues zu lernen. Etwa, dass das Echolot oft eine Null vor dem Komma zeigt und trotzdem niemand aus der Ruhe gerät. Es ist überall so flach, aber der moorige Torf Frieslands verzeiht fast alles. Wer mit der Kielyacht ins Revier will, muss jedoch Abstriche machen: Bis etwa 1,3 Meter Tiefgang erreicht man die meisten Plätze, darüber wird es oft zu flach. Je kürzer der Kiel, desto mehr spannende Ecken gibt es zu erkunden.

Ebenso ungewohnt die vielen engen Begegnungen mit anderen Schiffen. Eine solche Nähe kennt man sonst allenfalls vom Straßenverkehr. Oder auch die Mini-Manöver und Wartekringel beim ungewohnten Stopp vor Brücken und Schleu­sen. Ganz zu schweigen vom surrealen Gefühl, mit der eigenen Yacht über einer vierspurigen Autobahn zu schweben – Aquädukte machen es möglich. Und überall Jollen und Kleinkreuzer, die an Ostsee und Mittelmeer schon fast ausgestorben scheinen.

Wer das Revier in Angriff nimmt, kann ausschließlich binnen segeln – oder aber die Er­weiterung mit einem Schlag über Harlin­gen in die Wadden­zee und danach ins IJssel­meer wagen. Je nach Windrichtung wird eine solche Runde mal besser mit, mal gegen den Uhrzeigersinn gesegelt. Auf jeden Fall ein perfekter Törn für eine abwechslungsreiche Woche.

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Andreas Fritsch am 06.03.2020

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