Revier-Info
Yachtcharter Griechenland: Saronischer und Argolischer Golf

Das Revier direkt vor den Toren Athens ist ideal für einen Wochentörn ohne viele Meilen. Wer länger bleibt, kann aber noch viel mehr entdecken

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 03.09.2019
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YACHT/A. Fritsch Yachtcharter Griechenland: Saronischer und Argolischer Golf

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YACHT

ANREISE
Athen wird von vielen deutschen Flughäfen direkt angeflogen, zur Not steigt man in Deutschland einmal um. Je nach Saison 200 bis etwa 450 Euro. Das Taxi zur Kalamaki-Marina benötigt etwa 40 Minuten und kostet etwa 30 bis 40 Euro. Es fährt auch ein Bus (Linie X96) vom Terminal bis zu einer Haltestelle direkt vor dem Marinaeingang.

Saronischer Golf

12 Bilder

Impressionen aus dem Saronischen und Argolischen Golf

CHARTER
Der logische Starthafen für das Revier ist Athen, dort gibt es eine riesige Auswahl an Flotten und Basen in diversen Marinas (Alimos/Kalamaki, Piräus, Agios Kosmas). Von dort sind es keine 16 Meilen bis zur ersten Insel Ägina. Prinzipiell kommt auch Lavrion in Frage, aber von dort verlängert sich die Anfahrt, die dann eher nach Poros oder Hydra geht, auf über 30 Meilen.

CHARTERANBIETER

YACHT Wettersatistik Saronischer Golf

WIND & WETTER
Der Saronische Golf ist nicht so eindeutig vom Meltemi geprägt wie die Kykladen. Der Bereich von Ägina wird im Sommer vom Meltemi beeinflusst, weiter in Richtung Poros wehen öfter thermische Südwinde. Zwischen Hydra und Trikeri weht es dagegen oft in östlicher Richtung. Je weiter nach Westen Crews segeln, in den Argolischen Golf nach Navplion, umso ruhiger wird es, dort sind Flauten in Vor- und Nachsaison keine Seltenheit.  Durchziehende Tiefs können zu diesem Zeiten jedoch auch für starke Nord- oder Südwinde sorgen.

Gute Wetter- und Seegangs-Vorhersagen gibt es auf der Seite des griechischen Wetterdienstes Poseidon (www.poseidon.hcmr.gr) und den üblichen Quellen wie Windy (www.windy.com) oder Windfinder (www.windfinder.de) sowie deren iOS- und Android-Apps.

NAVIGATION & SEEMANNSCHAFT
Das Revier ist unkompliziert, Untiefen sind selten, wichtige Einfahrten und Häfen betonnt, auch wegen des regen Fährverkehrs. Eine Herausforderung sind manchmal die vollen Häfen, besonders Hydra ist da chaotisch, wenn Yachten römisch-katholisch mit Buganker in mehreren Reihen hintereinander (!) liegen. Diesen Hafen, aber auch Poros trifft auch oft Schwell vom regen Verkehr der Fähren und Yachten aus Athen.

HÄFEN & ANKERPLÄTZE
Einfache Stadthäfen mit wenig Infrastruktur, angelegt wird mit Buganker und Heckleinen an der Pier. Selten Sanitäranlagen. Full-Service-Marinas gibt es nicht. Es werden kaum Liegegelder erhoben, wenn doch, nur wenige Euro, Strom und Wasser kosten extra, wenn vorhanden. Überall muss mit dem eigenen Anker römisch-katholisch festgemacht werden. Es gibt zahlreiche Ankerplätze in Badebuchten, die auch für die Nacht geeignet sind. In Hydra, Poros und Ägina wird es am Wochenende in der Saison sehr voll, da die Yachten aus Athen ausschwärmen. Hydra ist ein Sonderfall in ganz Griechenland. Wie hier festgemacht wird, nimmt vielen Crews den Atem: Schon ab Mittag laufen die Yachten im Marschtempo ein und kämpfen um die wenigen freien Plätze im Becken. Die erste Reihe ist schnell belegt, dann beginnen Skipper, ihre Boote versetzt vor die römisch-katholisch liegenden Yachten zu platzieren, die Heckleinen werden dann an den Bugklampen der ersten Reihe befestigt (ein Foto dazu ist in der Bildergalerie zu sehen). Eine grenzwertige Technik, die man nur mitmachen sollte, wenn man schon Erfahrung hat und absolut sicher ist, dass das Wetter nachts ruhig bleibt. Ankersalat am nächsten Morgen ist üblich, eine Tripp-Leine am Eisen empfehlenswert.
Gute Ankerplätze gibt es um die Inseln verteilt eine ganze Reihe, nicht immer ist der Schutz für alle Windrichtungen perfekt, aber vor den vorherrschenden Sommerwinden geht es meist. In manche steht allerdings nachts Schwell, besonders um Ägina, Poros und an Hydras Nordseite.

LITERATUR & SEEKARTEN
Rod Heikell, "Griechische Küsten", Edition Maritim. Gerd Radspieler, "Griechenland 1", Delius Klasing
Seekarten: Griechische Sportbootkarten GRPC 1 und 2. Chart G 16. Britische Sportbootkarten von Imray, "Saronic and Argolic Gulf", mit Plänen.

Das Revier quasi vor der Haustür Athens ist ideal für Crews, die nicht so weit nach Süden segeln wollen, dass der Weg zurück gegen den Meltemi mühselig wird und die trotzdem das typische Flair eines griechischen Insel-Revieres erleben wollen. Der Saronische Golf mit den Inseln Ägina, Poros, Hydra oder Spetses bietet in nur drei Stunden Segelentfernung zur griechischen Metropole ein reizvolles Revier. Das autofreie Hydra, in dessen Straßen noch immer Esel alle Lasten transportieren, hat mit seinem wunderschönen Hauptort ein ganz besonderes Flair und ist ohne Frage das beliebteste Ziel der Region.

Ungefähr ab dort ändert sich auch der Wind: Stehen Ägina und Poros noch voll unter dem Einfluss des Meltemi, ändern sich die Verhältnisse um die Ost-Ecke des Peloponnes dann oft: Der Wind dreht teils auf südliche oder nördliche Richtungen und wird nicht selten deutlich schwächer – für viele Crews in der Meltemi-Phase oft angenehm.

Zu sehen gibt es in dem Revier genug: Die Insel Methoni ist wegen ihrer heißen (allerdings übel riechenden) Heilquellen bekannt, wer Kultur mag, kann das sensationell gut erhaltene Amphitheater von Epidauros besichtigen, wer ein Faible für den alten Holz-Kaiki-Bau hat, ist in Spetses richtig aufgehoben, wo noch viele Werften die traditionellen Boote bauen und reparieren. Dazwischen liegen schöne Ankerplätze, etwa um die Insel Dokos. Aber auch die großen Inseln haben genug geschützte Ecken an den Leeküsten – allerdings nicht immer optimal vor Schwell geschützt, den der dichte Verkehr um Athen herum mit sich bringt.

Wenn die Athener mit ihren Booten am Wochenende ausschwärmen und in der Hochsaison wird es manchmal recht voll im Revier, zudem sind viele Fähren unterwegs. Doch das legt sich, je weiter westlich man kommt. Man kann ohne Probleme eine spannende Charterwoche zwischen Ägina, Poros, Hydra und Spetses verbringen, aber wer weiter um die Ecke in den Argolischen Golf und zum Beispiel bis zu dessen größtem Ort, Navplion, segelt, trifft immer weniger Yachten. Der alte, hübsche Ort mit Festung oben am Berg ist durchaus sehenswert, im Golf verstecken sich hie und da nette kleine Dörfer, vor denen man schön ankern kann.

Gibt der Wind es her, was in der Vor- und Nachsaison nicht immer der Fall ist, kann man einen 30-Meilen-Abstecher den Peloponnes herunter machen, dort liegt Monemvasias historische Altstadt am Berg. Das Ensemble mit bunten, teils liebevoll restaurierten Häusern und verwinkelten Gassen unten und verfallener Oberstadt ist ein traumhaft schönes Ziel. Wer bis hier segeln will, muss aber einen 14-Tage-Törn planen.
Was die Infrastruktur angeht, ist der Saronische Golf ein typisches griechisches Revier: kaum Service oder Sanitäranlagen, oft Buganker, dafür lächerlich niedrige Liegegelder teils unter 10 Euro für ein 42-Fuß-Schiff.


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Themen: Argolischer GolfGriechenlandHydraMethanaMonemvasiaNavplionPorosSaronischer Golf

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