Revier-Info

Yachtcharter Deutschland: Rügen bis Usedom

Der Törn rund Rügen ist wohl unbestritten das seglerische Higlight an der deutschen Küste. Er ist so abwechslungsreich, dass man ihn sogar mehrfach segeln kann

Andreas Fritsch am 25.11.2019
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YACHT / A. Fritsch

Perle an der Ostseeküste: Stralsund mit Stadthafen

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MeckPomm

ANREISE

Die Reviere vor der deutschen Küste sind natürlich ideal für die Anreise mit dem eigenen Auto oder der Bahn. Nachfragen sollten Crews nur vorab, wo der Pkw abgestellt werden kann. In manchen Ausgangshäfen sind die Plätze um den Hafen Kurzzeitparkplätze; wer länger stehenbleiben will, sollte sich also vorab bei der Charterfirma informieren, wo – falls nötig – Langzeitstellplätze verfügbar sind und was sie kosten.

Fotostrecke: Rund Rügen

CHARTER

Schwerpunkte der Flotten in diesem Teil der Gewässer Mecklenburg-Vorpommerns sind Stralsund, Breege und Lauterbach auf Rügen, Greifswald und Kröslin. Es gibt noch kleinere Flotten an einigen anderen Standorten. Eine Besonderheit der deutschen Küste ist die sogenannte Eigner-Charter, die hier etwas verbreiteter ist als am Mittelmeer. Ein weiterer Unterschied ist zudem, dass an der Ostseeküste diverse Firmen aktiv sind, die ihre Schiffe nicht über klassische Charteragenturen anbieten, sondern ausschließlich direkt selbst vermarkten. Solche findet man auf Messen, über Anzeigen oder im Internet. Generell ist das Preisniveau für Schiffe an der deutschen Küste niedrig. Wer Mittelmeer-Wochenpreise gewöhnt ist, wird angenehm überrascht sein! 

CHARTERANBIETER

 

Wetter

Wetterstatistik Rügen

WIND & WETTER

Die Ostsee rund um Rügen hat zwar auch die schwer vorhersehbaren Sommer der deutschen Küste, tendenziell scheint die Sonne hier aber etwas häufiger als weiter westlich. Von April bis Anfang September dominieren Winde aus westlichen Richtungen das Bild, bei stabilen Hochdrucklagen auch mal längere aus Osten. Gemeinsam ist ihnen, dass an der deutschen Küste vielfach gute Segelwinde herrschen – das langjährige Mittel für den Sommer liegt im Osten etwas niedriger als im westlichen Teil der Ostsee, um die 10 Knoten. Allerdings ist die Ostsee auch für Starkwind gut, Stichwort atlantische Tiefausläufer. Sie können selbst im Sommer Starkwind oder Sturmtage bringen, mit ziemlicher Regelmäßigkeit eine Handvoll pro Monat. Die haben auch stärkeren Regen im Gepäck. In den letzten Jahren gab es aber auch immer wieder erstaunlich lange, sehr trockene Phasen, eine Begleiterscheinung des Kilmawandels.

Fakt ist: Wer auf der Ostsee unterwegs ist, muss sich auch im Hochsommer auf ein paar Schlechtwetter-Tage einstellen und natürlich das volle Ölzeug samt Stiefeln dabeihaben.

NAVIGATION & SEEMANNSCHAFT

Navigatorisch sind die Gewässer rund um Rügen anspruchsvoller als die der westlichen Ostsee. Viele Boddenfahrwasser sind schmal, abseits wird es rasch sehr flach, und Skipper müssen dem Tonnenstrich in manchen Ecken peinlich genau folgen, sonst steckt man entweder im Schlick oder läuft auf Sand mit Steinen. Das gilt beispielsweise für die Fahrwasser zwischen Hiddensee und Rügen, den Strelasund oder die Einfahrt in den Greifswalder Bodden. Hinzu kommt, dass die Fahrwasser vielerorts zur Versandung neigen. Im Revier sollte man daher mit aktuellem Kartenmaterial unterwegs sein und auf Wasserstandsschwankungen durch stärkeren Wind achten. Die geringen Wassertiefen im Greifswalder Bodden sind es auch, die bei Ostwind für eine kurze, steile Welle verantwortlich sind, die sehr unangenehm werden kann.

Starkwind sorgt nicht nur für den berühmten "Badewannen-Effekt", der den Wasserstand steigen oder sinken lässt, je nach Windrichtung, sondern dann auch für entsprechenden Strom, etwa im Strelasund oder in der Durchfahrt zwischen Rügen und Hiddensee.

Da weite Teile im Revier Nationalpark beziehungsweise Biosphärenreservat sind, ist auf die bestehenden Regeln des Naturschutzes zu achten. So gibt es manchmal Einschränkungen während Brutzeiten, oder in manchen Buchten ist Ankern untersagt. Die Flächen und Zeiten sind aber deutlich in den Seekarten vermerkt. Wichtig im Greifswalder Bodden ist, dass die außen gelegene Insel Ruden derzeit nicht angelaufen werden kann, da der Hafen gesperrt ist. Die andere Insel ist die Greifswalder Oie, die nur noch als Nothafen dient.

Im Revier gibt es ein paar Brücken, wichtig ist besonders die Ziegelgrabenbrücke bei Stralsund, die das Nadelöhr bei der Einfahrt in den oder aus dem Strelasund darstellt. Sie öffnet mehrmals täglich; die Öffnungszeiten finden sich auf der Webseite des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stralsund.

HÄFEN & ANKERPLÄTZE

Das Hafennetz an diesem Teil der deutschen Ostseeküste lässt eigentlich kaum Wünsche offen, nur das berühmt- berüchtigte "Loch" zwischen Warnemünde und Hiddensee ist für manche Crews ein Problem bei der Anreise. Die Strecke von etwa 43 Seemeilen ohne sicheren Hafen, außer dem Nothafen Darßer Ort, ist für manche Crews ein Problem. Neben den beiden Top-Zielen, die Hansestädte Stralsund und Greifswald, die sich niemand entgehen lassen sollte, gibt es noch viele andere Higlights. Das können spektakuläre Häfen wie der an der Kreideküste gelegene Hafen von Lohme sein, einer der landschaftlich schönsten der Küste. Oder die perfekte Marina von Lauterbach mit den originellen Schwimm- und Pfahlhäusern. Oder der urgemütliche Dorfhafen von Kloster auf Hiddensee, eine echte Perle. 

Das Niveau in den Anlagen ist seit Jahren gut und steigend, vielerorts wurden Sanitärgebäude modernisiert und die Häfen touristisch attraktiver durch mehr Restaurants, Bars, Cafés usw. Die Küste hat für Ostsee-Revierneulinge trotzdem ihre Eigenheiten: Festgemacht wird oft vorwärts, seltener rückwärts in Boxen, es werden Heckleinen zu zwei Pfählen ausgebracht. Chartercrews verschätzen sich manchmal mit dem Abstand der Pfähle, die für verschiedene Schiffslängen gedacht sind. In die Duschen und Toiletten kommt man vielerorts nur mit Codekarten, warme Duschen kosten extra (Wertmünzen oder Geld). Das Hafengeld bezahlt man entweder im Hafenbüro, oder der Hafenmeister dreht abends und morgens früh eine Runde durch den Hafen. Das Preisniveau liegt für ein Zwölf-Meter-Schiff bei günstigen 20 bis 25 Euro.

Ein weiteres Plus des Reviers im Vergleich zur westlichen Ostsee ist die Vielzahl der sehr geschützten Ankerplätze. Fast immer findet sich am Rande der Fahrwasser oder in tieferen Buchten ein schönes Plätzchen für die Nacht, allerdings nicht immer für jeden Tiefgang.

LITERATUR & SEEKARTEN

Törnführer: Jan Werner: Ostseeküste Bd. 2, Delius Klasing, viele gute Luftbilder! Hafenguide Flensburg–Danzig, Edition Maritim. Wer einen Satz Sportbootkarten kauft, bekommt zusätzlich damit immer auch ein Heft mit Hafenplänen, egal welcher Anbieter. Seekarten: Delius Klasing Satz 2, NV-Verlag: Serie 4. Die Kartenwerft, Satz 2. Die Kartensätze unterscheiden sich in der Regel durch die Revier-Schnitte, Skipper müssen also schauen, welcher zum geplanten Ziel passt.  Alle Karten gibt es auch als digitale Version sowie als Bundle mit einer kostenlosen App. 

Reviercharakterisitk Ostseeküste Flensburg bis Fehmarn

Eins der absoluten Revier-Highlights an der deutschen Küste ist ohne Frage das Revier von Rügen mit dem Greifswalder Bodden und weiter übers Achterwasser bis zur deutsch-polnischen Grenze. Nirgendwo sonst treffen Segler auf ein so intaktes naturnahes Revier, das derart mit landschaftlicher Schönheit punktet. An Rügens Ostseite treffen Segler sogar mit etwas Glück wieder ganze Robben-Kolonien an. Die majestätischen Kreidefelsen im Norden Rügens, traumhafte Sandstrände und Dünen auf Hiddensee, dichte Wälder und dazwischen tolle Städte wie Stralsund und Greifswald. Die beiden allein sind wegen ihrer wunderschön restaurierten Altstädte und den vielen Sehenswürdigkeiten zwei Tage Stopp wert.

Dazwischen finden sich teils verschlungene Fahrwasser durch Schilflandschaft und wunderschöne kleine Anleger wie Lohme, Kloster oder Schaprode –  genau der richtige Mix für Crews, die nicht immer Remmidemmi suchen. Wer mag, hat so eine gute Abwechslung zwischen touristisch erschlossenen Zielen, an denen im Hochsommer durch viele Landtouristen auch mal der Bär los ist, und friedlicher Abgeschiedenheit.

Arrangieren muss man sich als Skipper damit, öfter Fahrwassern folgen zu müssen, viele Teile der Bodden sind flach, das Wasser oft trüb, sodass der Tonnenstrich und der Tiefenmesser im Blick behalten werden sollten. So ist das Revier navigatorisch auch etwas anspruchsvoller als die westliche Ostsee.

Der Klassiker der Chartercrews ist der Törn rund Rügen, der mit ein paar Abstechern ungefähr um die 90 Seemeilen bedeutet. Wie herum man ihn segelt, hängt maßgeblich von der Windrichtung und -stärke ab,. Besonders wenn es aus Ost kräftig und länger weht, kann es im Greifswalder Bodden ruppig werden. Es findet sich aber immer ein sicherer Hafen am Ende des Tages, das einzige etwas längere Stück ist das um die Südostspitze Rügens ab Saßnitz herum. An den berühmten Seebädern Binz und Sellin entlang müssen die Crews durchhalten, es können schon mal über 20 Meilen werden. 

Die südlicheren Gewässer des Achterwassers gen polnischer Grenze lassen viele Chartercrews dagegen aus, es wird sehr flach, viele der tiefergehenden Kielyachten sind hier nicht optimal aufgehoben. Für kleinere Schiffe und Schwertyachten ist es dagegen ein wahres Dorado.

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Andreas Fritsch am 25.11.2019

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