Revier-Info

Yachtcharter Dänemark: Dänische Südsee und Fünen

Der Süden Dänemarks ist das "Hausrevier" vieler deutscher Segler. Es bietet tolle Ziele, perfekten Schutz bei jedem Wetter und kurze Strecken

Andreas Fritsch am 02.03.2020
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YACHT/A. Fritsch

Yachten im Svendborgsund

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DK Fünen Südsee

ANREISE

Für die meisten Chartercrews, die hier unterwegs sind, findet die Anreise über See statt: Sie segeln von Flensburg, Kiel oder Heiligenhafen in einem langen Schlag herüber. Tatsächlich lohnt die längere Anfahrt das dänische Festland entlang oder gar über Beltbrücken und Co. gen Norden zu dänischen Charterstützpunkten meist nur, wenn man weit in den Norden, etwa in die Aarhus-Bucht oder nach Anholt, will. Wer das will, fährt meist mit dem Auto, alternativ gibt es Zugverbindungen nach Odense oder Kopenhagen. Letzteres kann natürlich auch mit der Autofähre oder dem Flugzeug erreicht werden.

Fotostrecke: Dänische Südsee

CHARTER

Das Flottenangebot in Dänemark direkt ist sehr überschaubar, da es so viele große und deutlich günstigere Anbieter in Deutschland gibt. Es bestehen aber recht gute Flotten in der Dyvig auf der Insel Alsen, in Kerteminde und in Ebeltoft, nahe Aarhus. Das ganze beschränkt sich im Wesentlichen auf die drei etablierten Firmen Jim Søferie, Larsen Yachtcharter und Scansail. An weiteren Standorten gibt es einzelne Eigner-Charter-Angebote, die aber in den Vergangenheit nicht immer einen guten Ruf hatten. Die Preise direkt in Skandinavien sind beträchtlich wegen der Steuern, aber auch, weil sich einige Anbieter auf sehr hochwertige Yachten spezialisiert haben, etwa wie Jim Søferie, die eine reine Hallberg-Rassy-Flotte anbieten.

Wetter

Wetterstatistik Dänische Südsee

WIND & WETTER

Die Sommer in der Dänischen Südsee sind genauso launisch wie in Deutschland. Setzt sich ein Skandinavienhoch durch, gibt es teils wochenlang viel Sonnenschein und stabile, wenn auch schwächere Ostwinde. Gewinnen die Tiefs aus dem Westen, wird es meist unbeständiger und nasser. Zur Windverteilung kann man aufgrund der Monatskarten recht klar erkennen, dass die Ost- und Westwindlagen im Frühjahr sich die Waage halten, im Sommer wird das Ganze dann auch in der Dänischen Südsee stärker auf West verschoben. Im Zentrum weht es im Mittel dann mit etwa 9 Knoten von dort. Die West-/Ost-Dominanz der Windrichtungen macht es für Törns von der deutschen Küste in die Dänische Südsee teils angenehm, oft sind Halbwindkurse oder Anlieger machbar.

Trotzdem gilt für Sommertörns auf der Ostsee, dass Crews für alles gewappnet sein müssen, ein paar Starkwindtage sind wahrscheinlich, und auch das Ölzeug gehört ins Gepäck. Viele Revierkenner schwören übrigens auf die Wettervorhersagen der dänischen Meteorologen des DMI, die speziell die kleinräumigen Bedingungen zwischen den Inseln gut vorhersagen. Eine Besonderheit derer ist allerdings, dass sie Windgeschwindigkeiten in Meter pro Sekunde angeben, für viele Segler ist das ungewohnt. Wieder andere bedienen sich der Vorhersagen des norwegischen Wetterdienstes. Der Großteil der Crews nutzt mittlerweile aber auch beim Ostseetörn einfach die gängigen und guten Wetter-Apps wie etwa Windy oder Windfinder.

NAVIGATION & SEEMANNSCHAFT

Die Gewässer rund Fünen und speziell die südlich davon liegende Dänische Südsee hat ihren Namen auch dank des teils türkisfarbenenen Wassers. Was natürlich auch an den sandigen Flachwasserbereichen und schönen Stränden liegt, die es dort gibt. Dementsprechend umsichtig muss man navigieren, diverse Passagen zwischen den kleinen Inseln sind oft nur entlang ausgetonnter Fahrwasser passierbar. Deren Kennzeichnung im Revier ist aber sehr gut und die Sportboot-Seekarten dank vielfältiger Konkurrenz der Anbieter wohl die besten in Europa.

Die Passagen zwischen den Inseln führen teils durch schmale Rinnen, die bei viel Wind auch entsprechend Strom führen können. Denn wie in einer Badewanne drückt starker Westwind das Wasser aus dem Revier, bei Ostwind presst er es hinein. Dann strömt es teils mit Macht durch die engen Sunde, im Svendborgsund können es nach Süd-Ost-Starkwindlagen schon einmal an die drei Knoten sein. Üblicher sind aber Werte um ein bis zwei Knoten. Solche Effekte gibt es immer wieder mal, etwa im Fahrwasser von Marstal nach Æroskøbing, im Kleinen Belt bei Middelfart oder auch im Großen Belt.

Der Strom ist die eine Seite des Starkwindes, der Wasserstand die andere. Kommt es zu den oben beschriebenen Effekten, steigt oder sinkt der Meeresspiegel auch mal um ein bis eineinhalb Meter. Das müssen Crews bei der Wahl von Ankerplätzen und Häfen berücksichtigen, sonst steckt der Kiel am nächsten Morgen vielleicht im Schlick – oder Sand, der im Revier häufig ist.  

Achten sollten Crews beim Segeln vor allem in Ufernähe auf Stellnetze von Fischern. Die reichen teils erstaunlich weit ins Wasser hinaus. Zudem gibt es mit Bojen gekennzeichnete Netze, die entsprechend umfahren werden müssen.

Im Revier gibt es diverse Brücken über den Kleinen und Großen Belt. Sie sind wegen hoher Durchfahrtshöhen meist kein Hindernis für Segler. Allerdings muss sich, wer die Brücke über den Großen Belt passieren will und mit einer Yacht über 15 Meter Länge oder 15 Meter Masthöhe unterwegs ist, vor der Passage bei der Revierzentrale melden. Relevante Brücken gibt es nur wenige, die wichtigste ist die Christian-X-Bro bei Sönderburg im Alsensund, da sie das Nadelöhr bei der Umrundung der Insel ist. Sie öffnet im Sommer erstmals um 06.38 Uhr und dann jede Stunde später bis 21:38. Eine Anzeigetafel zeigt die nächste Öffnung an.

HÄFEN & ANKERPLÄTZE

Das dänische Hafennetz hinkt hinter dem Niveau der deutsche Marinas seit Jahren hinterher, verwöhnte Crews müssen Abstriche in Kauf nehmen. Das Problem vieler Häfen ist, dass Vereine und Kommunen sich luxuriöse Service-Ausbauten und Erweiterungen oft nicht leisten können, aus dem Grund, dass die Saison so kurz ist. Hafenmeister sind oft nur zeitweise vor Ort, drehen morgens und abends ihre Runden, um Lieggeld zu kassieren. Für Revierneulinge ein ungewohnter Service: Mancherorts, etwa auf der Insel Lyø, können Segler beim Hafenmeister Brötchen für den nächsten Morgen bestellen. Was die Gebühren betrifft: Teils stehen auch Automaten am Hafen, an denen der Segler selbst zahlen muss.

Auch der Anschluss der Häfen an touristische Infrastruktur an Land, wie in Deutschland mittlerweile oft zu finden, ist in Dänemark eher die Ausnahme. Das führt dazu, dass beliebte Ziele wie Marstall, Svendborg oder Æroskøbing im Juli und August meist proppevoll sind. Dann ist teils Liegen längseits im Päckchen angesagt, das heißt, die Schiffe machen in mehreren Reihen parallel fest und die außen Liegenden müssen über die Decks der Innenlieger steigen.

Ansonsten liegt man besonders in den Stadthäfen aber recht zentral, oft auch an Steganlagen mit Heckpfählen. Wie auf der Ostsee üblich, muss man für Sanitäranlagen einen Code oder Schlüssel beim Hafenmeister lösen; warme Duschen kosten extra in Form von Key-Karten oder Wertmünzen. Manchmal wird auch Strom und Wasser so abgerechnet.

Für Freunde des Ankerns dagegen ist die Dänische Südsee ein Paradies. Es gibt Unmengen perfekt geschützter Spots, die in schöner Natur liegen und selbst in der Hochsaison nicht überlaufen sind. Dreht der Wind einmal ungünstig, ist es meist nur ein Katzensprung zum nächsten geschützten Platz. Wegen der geringen Wassertiefen und oft sandigen Boden hält das Eisen meist sehr gut. Allerdings sollte man die Tiefe wegen der erwähnten Wasserstandsschwankungen im Blick behalten. An manchen Plätzen liegen gelbe Ankerbojen der dänischen Tourensegler-Vereinigung aus. Die dürfen deutsche Crews nur benutzen, wenn sie Clubmitglied sind – also Chartercrews faktisch nie.

LITERATUR & SEEKARTEN

Törnführer: Jan Werner: Dänemark, Bd. 2, Delius Klasing, viele gute Luftbilder! Hafenguide Dänemark bis Südwestschweden, Edition Maritim. Tom Logisch: Charterführer Dänische Südsee, Edition Maritim.

Wer einen Satz Sportbootkarten kauft, bekommt zusätzlich damit immer auch ein Heft mit Hafenplänen, egal welcher Anbieter. Seekarten: Delius Klasing Satz 1, Kieler Bucht rund Fünen,  NV-Verlag: Serie 1, Rund Fünen, Kieler Bucht, Serie 2, Lübecker Bucht–Bornholm. Die Kartenwerft. Kieler Bucht und Kleiner Belt. Die Kartensätze unterscheiden sich in der Regel durch die Revier-Schnitte, Skipper müssen also schauen, welcher zum geplanten Ziel passt. Alle Karten gibt es auch als digitale Version und als Bundle mit einer kostenlosen App. 

REVIER-CHARAKTERISTIK DÄNISCHE SÜDSEE UND FÜNEN

Für viele deutsche Segler ist der Sprung ins nördliche Nachbarrevier der perfekte Kurzurlaub: Man ist in wenigen Stunden dort, und sofort scheinen die Uhren langsamer zu gehen. Überall bildschöne alte Fachwerkdörfer mit knallbunten Häusern und Reetdächern, einsame Ankerbuchten vor leuchtend weißen Stränden, kleine oder gar winzige Inseln mit viel Grün und ein paar Bauernhöfen. Umgehen mit einer fremden Währung wie früher, gemütliche Einheimische, die durch nichts aus der Ruhe zu bringen sind, kauzige Hafenmeister. Dazu im Hafen den obligtaorischen Pølser (Hot Dog) oder Fischfrikadelle mit Fadøl (Fassbier), am besten von Bendixens Fischhandel direkt am Yacht-Steg in Svendborg. Einheimische bieten frisch geerntetes Gemüse und Obst aus dem Garten an; für die Bezahlung ist eine Kasse aufgestellt, die häufig nicht einmal abgeschlossen ist.

Das kann so nur Dänemark – oder genauer die Bewohner der Dänischen Südsee. Ein Meer aus mittelgroßen, kleinen und winzigen Inseln, mal bewohnt, mal Einsiedelei, mal verlassen. Immer lässt sich in Lee einer Insel ein toller Ankerplatz oder ein gemütlicher kleiner Anleger finden: Troense, Marstal, Æroskøbing, Dyreborg, Thunø – die Liste der idyllischen kleinen Häfen ist lang, die besten Spots werden von den Revierkennern innig geliebt und immer wieder angelaufen. Viele Orte haben reichlich Seefahrtsgeschichte zu bieten, wie Marstal oder Svendborg; Museen und Werften sind Zeugen dieser Historie.

So hat sich das Revier über die Jahre die Herzen vieler Chartercrews erobert. Fragt man nach dem Ziel Nummer 1   an den deutschen Charterschwerpunkten, steht die Dänische Südsee ganz oben. Ein Grund dafür sind die geringen Distanzen. Ist einmal der 20-, 30-Meilen-Schlag ins Revier geschafft, liegt die nächste lohnende Insel, der nächste hübsche Ort nie weiter als zwei, drei Segelstunden entfernt. Weht es stärker, gibt es überall geschützte Ecken, und in Lee der Inseln bleibt der Seegang meist niedrig. 

Bei den vielen Vorteilen drücken die Fans des Reviers auch beide Augen zu, wenn es um die Schwächen geht. Die vielerorts überholungsbedürftige Hafen-Infrastruktur, hohe Preise in Restaurants und Supermärkten, die oft etwas abgelegenen Marinas, die außer einer Pølser-Bude wenig zu bieten haben, sind gewöhnungsbedürftig. Aber wen das nicht anficht, der findet ein naturnahes, familienfreundliches Revier vor, das auch beim fünften Törn nicht langweilig wird. Und geradezu unvergesslich wird es, wenn man ein stabiles Sommerhoch erwischt.

Die häufigsten Routen der Crews führen über Marstal oder Bagenkop ins Revier, danach wird gegen den Uhrzeigersinn durch den Svendborgsund gesegelt und über Faaborg oder Lyø weiter in den Kleinen Belt. Crews, die aus Flensburg gestartet sind, segeln über den Alsensund nach Lyø und vollziehen die Runde dann im Uhrzeigersinn. Die Fünen-Umrundung ist nur bei einem Zwei-Wochen-Törn zu schaffen, doch selbst dann verfallen viele in ein gemächliches Tempo und tingeln von Bucht zu Bucht und Hafen zu Hafen und bleiben südlich von Fünen – wie es auch am besten zum Geist des Reviers passt.

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Andreas Fritsch am 02.03.2020

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