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Charter-Vertrag: Kleingedrucktes mit fatalen Folgen

Zu einem Chartervertrag gehören unzählige Details, welche mitunter zum Nachteil der Segler ausgelegt werden können. Das sollten Chartersegler wissen...

Andreas Fritsch/Lars Bolle am 05.12.2019
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YACHT/S. Reineke

Gründlich lesen! Im Chartervertrag und den AGB können sich böse Überraschungen verbergen

Wer einen Chartervertrag unterschriftsreif vor sich liegen hat, wird in der Regel eher an die schönen bevorstehenden Segeltage denken denn an mögliche Schadensfälle und Haftungsrisiken, die er mit der Signatur eingeht. Entsprechend gering ist bei den meisten Charterern die Motivation, vor Vertragsabschluss die oft seitenlangen und eigentlich unzumutbar winzig klein gedruckten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu studieren. Obendrein schicken diverse Agenturen und Flottenbetreiber diese dem Kunden nicht schon mit dem ersten Angebot zu, sondern erst dann, wenn dessen Entscheidung zur Buchung bereits gefallen ist.

Die Folge: Die meisten Skipper setzen ihren Namen selbst dann unter den Vertrag, wenn sie ein ungutes Gefühl in der Magengegend haben. "Wird schon gut gehen", lautet die Devise. Um es fairerweise gleich vorweg zu sagen: In bestimmt 90 Prozent aller Fälle tut es das auch. Doch was, wenn man unter die anderen zehn Prozent fällt?

Denn es gibt sie durchaus, die Chartertörns, die gründlich schieflaufen. In der Redaktion und auch beim YACHT-Rechtsexperten Dr. Heyko Wychodil melden sich jedes Jahr Segler, die Streit mit ihrem Vercharterer haben. Meist dreht sich der Ärger um Defekte oder Schäden am Schiff während des Törns, oder aber es geht um die Kaution.

"Viele Kunden sind dann überrascht, wenn sie mit den Details ihres Chartervertrags konfrontiert werden. Dort steht zum Beispiel, dass fehlende oder defekte Ausrüstung, die nicht sicherheitsrelevant ist, zu keinerlei Abzügen der Chartergebühr berechtigt. Da kann dann die Ankerwinsch streiken, das Bugstrahlruder fehlen, das Segel reißen – Geld gibt es allenfalls nur aus Kulanz zurück", so Anwalt Wychodil.

Andere Kunden werden von Ausschlüssen in der Kaskoversicherung kalt erwischt. Wird etwa das Dingi samt Außenborder gestohlen, muss mitunter nicht die Versicherung, sondern der Kunde dafür zahlen. Und zwar im Zweifel über die Kautionshöhe hinaus und selbst dann, wenn er eine Kautionsversicherung abgeschlossen hat.

Manche Firmen nehmen sogar Schäden an den Segeln oder Luken aus der Kaskodeckung heraus – was bei drei, vier Jahre alten Tüchern schnell einen Totalschaden bedeuten kann, der nicht mehr zu reparieren ist. Für das neue Segel wird dann gern mal der Kunde zur Kasse gebeten.

Generell lässt sich feststellen, dass in vielen Charterverträgen der Kunde tendenziell, in manchen auch eindeutig schlechter gestellt wird als die Charterfirma. Etwa, indem diese sich vorbehält, den Übergabezeitpunkt an den Kunden um vier bis sechs Stunden überschreiten zu dürfen. Der erste Segeltag fällt damit unter Umständen komplett aus. Im Gegenzug hingegen wird der Kunde oftmals bei einer mehr als ein bis drei Stunden verspäteten Rückgabe zu drastischen Strafen verdonnert.

Was tun, wenn es zu Streit kommt? - Teil 2

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Andreas Fritsch/Lars Bolle am 05.12.2019

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