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Die wichtigsten Check-Punkte an Deck – Teil 2

Die Übernahme einer Charteryacht zählt zu den wichtigsten Momenten des Ferientörns. Fehler oder Unaufmerksamkeiten können den ganzen Urlaub verderben

  • Andreas Fritsch
  • Lars Bolle
 • Publiziert am 20.11.2019
Die Übernahme einer Charteryacht Die Übernahme einer Charteryacht Die Übernahme einer Charteryacht

YACHT/B. Scheurer Die Übernahme einer Charteryacht

Die wichtigsten Check-Punkte an Deck

Standard auf den meisten Stützpunkten ist es, dem Kunden die Inventarliste nach der Anmeldung mit auf den Weg zu geben und ihn zu bitten, diese selber durchzugehen. Das macht Sinn, verkürzt sich so doch die Übergabe, und die Crew weiß anschließend, wo alle Ausrüstung liegt.

Aber nicht nur das Vorhandensein der Ausrüstung prüfen, sondern auch schauen, ob alles funktioniert.

  • Großsegel Ausrollen und checken, besonders am Schothorn und Unterliek. Bewegt sich der Wagen nur mühsam über den Baum, hilft Gleitspray (Basis fragen). Bei durchgelattetem Groß Lattentaschen auf offene Scheuerstellen prüfen. Sind die Rutscher und Traveller intakt? Risse und Löcher möglichst reparieren lassen oder im Protokoll vermerken. Wenn das Ausrollen im Hafen wegen Windstärke oder -richtung nicht klappt, das gilt auch für das Vorsegel. Unbedingt direkt nach dem Auslaufen aus dem Hafen Segel setzen und prüfen – zu häufig werden Schäden übersehen und später teuer bezahlt. Schlimmer noch: Vielleicht muss man während des Törns einen Riss nähen lassen, was oft mit viel Aufwand für das Abschlagen der Tücher und der Suche eines Segelmachers verbunden ist.
  • Vorsegel Läuft die Rolltrommel noch leicht? Falls das Tauwerk in ihr extrem steif ist, mit Süßwasser spülen. Die Klemme der Liekbändsel ist oft defekt. Auch dieses Segel auf Risse und Löcher prüfen, vor allem auf Salingshöhe, am Schothorn und Unterliek. Ein Vorsegel lässt sich häufig rasch ausbessern. Genuaschlitten und Schoten auf Schäden prüfen.
  • Ankerwinsch Nach Kettenlänge fragen, falls diese nicht markiert ist. Das Ende muss befestigt, die Kurbel für die Bremse an Bord sein. Auf Schäden an Rolle oder Beschlag achten. Fernbedienung anschließen und testen. Das geht oft nur, wenn die Maschine läuft. Wo ist die Überlast-Sicherung unter Deck zu finden, falls der Anker mal festhängt?
  • Gasflasche/Badeplattform Sind die Regler der Gasflasche okay beziehungsweise hat sie einen Fernabschalter? Und ist eine volle Ersatzflasche an Bord?
  • Außenborder Der Dingi-Quirl ist technisch anfällig. Einmal am Heckkorb anziehen und einige Sekunden laufen lassen. Bekommt man ihn nicht gestartet, wird das später auf dem Wasser selten besser. Ist ein Tank und Ersatzkanister gefüllt und an Bord? Und ist ein Ersatz-Scherstift für den Propeller vorhanden? Befindet sich die Not-Aus-Leine am Motor?
  • Beiboot Hält das Dingi den Druck, zumindest einigermaßen? Ist eine Luftpumpe mit passenden Anschlüssen an Bord? Weist der Dingirumpf Schäden auf? Sind (anvulkanisierte) Schleppleinenösen ausgerissen? Wie steht es um Ruder, Dollen und Sitzbretter? Schäden am Dingi werden bei der Rückgabe oft teuer, also auch diese dokumentieren.
  • Backskiste Wichtiger Inhalt: Stromkabel plus Adapter, zweite Gasflasche, Wasserschlauch, Zweitanker, Bootshaken, Pütz.
  • Leinen Vier kürzere Leinen (etwa Schiffslänge) als Festmacher und Springs sowie zwei etwa 30 Meter lange Landleinen sind das Minimum. Weist das Tauwerk starke Scheuerstellen auf, Ersatz verlangen – reißt sich das Schiff später los, kann die Kaution rasch futsch sein!
  • Fender Auf Vollständigkeit und Luftdruck prüfen. Ein vernünftiger Heckfender wird oft vergessen, ist aber im Mittelmeer für die Anleger mit dem Heck zur Pier wichtig.
  • Instrumente Viel Ärger macht meist die Logge, die im Hafen nicht zu prüfen ist, sowie ein hängender Windex. Plotter testen, Autopilot einschalten. Ist das Rad dann blockiert, funktioniert er. Wichtig zu klären ferner: Welche Tiefe zeigt das Echolot? Ab Geber oder unter Kiel?
  • Motor Motor testweise laufen lassen. Tritt regelmäßig Kühlwasser aus? Klingt der Auspuff blechern oder kommt weißer Qualm, liegt meist ein Kühlproblem vor.
  • Sicherheit Ist der Rettungskragen mit befestigter Leine und Blitzleuchte vorhanden? Die Batterien der Blitzleuchte prüfen, sie sind oft leer. Bei automatischen Rettungswesten: Sind Patrone und Tablette intakt? Gibt es Lifelines? Rettungsinsel, falls vorhanden, und Notpinne lokalisieren. Einmal prüfen, wie die Pinne aufgesteckt wird.
  • Rumpf/Kiel/Ruder Deck und Außenhülle auf Kratzer, große Scheuerstellen und Löcher prüfen. Relingsstützen sowie Bug- und Heckkörbe müssen gerade und frei von Dellen sein sowie fest sitzen. Kann man das oder die Ruderblätter sehen, besonders die Achterkante und den Fuß anschauen, ob es gegebenenfalls zuvor Grundberührungen gegeben hat.
  • Badeplattform Falls die Badeplattform absenkbar ist: prüfen, ob die Beschläge verbogen sind. Ist die Badeleiter, falls ansteckbar, an Bord und unbeschädigt? Funktioniert die Cockpitdusche?
  • Sprayhood/Bimini Die Sprayhood und das Bimini sind ebenfalls einen Blick wert. Hier reißen gern die Spannleinen aus. Löcher, defekte Fenster-Folien oder verbogene Stangen können auch schnell kostspielig werden.

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