Check-in

Die Übernahme einer Charteryacht

Die Übernahme einer Charteryacht zählt zu den wichtigsten Momenten des Ferientörns. Fehler oder Unaufmerksamkeiten können den ganzen Urlaub verderben

Andreas Fritsch/Lars Bolle am 20.11.2019
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YACHT/B. Scheurer

Die Segel sollten unbedingt auf Schäden überprüft werden

Die Rahmenbedingungen für den Check-in sind oft denkbar ungünstig: Das Basispersonal hat gewaltigen Zeitdruck und will das Prozedere schnell, reibungslos und effektiv über die Bühne bringen, weil die nächsten Kunden schon drängeln. Trotzdem soll jede Crew möglichst viel verstehen, damit es später nicht dauernd Nachfragen gibt oder gar etwas durch Fehlbedienung beschädigt wird.

Der Kunde auf der anderen Seite möchte oft genug rasch ablegen – schließlich soll die kostbare Urlaubszeit genutzt werden. Man ist zudem noch müde von der Anreise oder schlicht überfordert von der Masse der technischen Details, die auf einen einprasseln.

Und so kommen sie dann zustande, die schnellen, hingehuschten Übergaben, die häufig der Beginn eines verkorksten Urlaubstörns sind. Erst während der Reise merkt die Crew dann, dass Ausrüstung defekt ist oder gar fehlt, Schäden nicht bemerkt wurden oder man schlicht vergessen hat, wichtige Punkte zu klären.

Ein Tipp: Jede Agentur kennt Charterfirmen, die sich durch sehr gute Wartungsqualität auszeichnen. Da kann es sich schon einmal lohnen, nicht das um 100 Euro günstigere Angebot zu nehmen, sondern Qualität bewusst zu honorieren. Bereuen wird man das mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht.

YACHT online bietet Checklisten für die Übernahme, eine Proviantliste sowie eine Mitseglervereinbarung kostenlos zum Download an.

Das Übergabeprotokoll ist extrem wichtig

Eine vernünftige Übergabe der Yacht ist noch aus einem ganz anderen Grund wichtig: Nur wer wirklich aufmerksam alle Defekte und Vorschäden reklamiert und beseitigen lässt oder aber konsequent dokumentiert, ist vor späteren Rückforderungen gefeit oder kann Regress fordern. Daher hat das Übergabeprotokoll einen extrem hohen Stellenwert.

Den unterschätzen viele Skipper. Wer vorschnell unterschreibt, macht sich haftbar für alle Schäden, die man selbst übersehen hat. Häufig sind das versteckte Mängel, die auf die Vorcrew zurückgehen. Die Folge: Im Zweifel ist ein guter Teil oder gar die gesamte Kaution verloren – und damit der Törn meist mehr als getrübt.

Ferner gibt es durchaus auch schwarze Schafe in der Vercharterungsbranche: Flottenbetreiber, die regelmäßig kleinere Defekte nicht beheben, sie jedoch einer Crew nach der nächsten in Rechnung stellen. Etwa verbogene Bugkörbe, Kratzer am Rumpf oder gar beschädigte Ruderblätter.

Deshalb gilt: alle, wirklich alle Mängel beheben lassen. Oder falls dies nicht möglich ist, entsprechende Vermerke ins Protokoll schreiben und eine vom Basisleiter unterschriebene Kopie mitnehmen. Andernfalls steht man mit leeren Händen da.

Auf keinen Fall sollte man sich mit mündlichen Zusicherungen zufriedengeben, dass ein Schaden der Basis bereits bekannt sei. Bei der Rückgabe steht nämlich häufig ein anderer Mitarbeiter am Steg, und der weiß dann von nichts. Da wird der vermeintliche Vorschaden plötzlich doch zum Problem der unschuldigen Crew.

Natürlich gilt aber auch umgekehrt: Wer etwas beschädigt, sollte fair sein und das von sich aus mitteilen. Schließlich möchte man selbst ja auch nicht für den Schaden anderer geradestehen müssen.

Mängel beseitigen oder Minderung fordern?

Kommt das Basispersonal an Bord, sollte man sich möglichst im Klaren sein, was im Mängel-Fall getan werden soll: auf Abhilfe bestehen oder zu Zugeständnissen bereit sein? Oft nehmen längere Mängellisten sehr viel Reparaturzeit in Anspruch, die man nicht richtig nutzen kann.

Was viele nicht wissen: In diversen Charterverträgen ist eine Minderung des Charterpreises bei fehlender Ausrüstung ausgeschlossen, Handeln also zwecklos. Bei größeren Ärgernissen wie fehlendem Außenborder, defektem Autopilot bei kleiner Crew und Ähnlichem kann man aber versuchen, die Nebenkosten vor Ort nachträglich zu drücken.

Nur in einem Punkt wird nicht verhandelt: Sind sicherheitsrelevante Teile defekt, muss der Skipper auf Abhilfe bestehen! Passiert später etwas, steht er voll dafür ein. Was genau sicherheitsrelevant ist, ist allerdings nicht immer einfach zu entscheiden. Bei Schäden an der Sicherheitsausrüstung, an Kompass, Motor, Ruder, Rigg oder Rumpf wird wohl niemand diskutieren. Doch es gab schon Urteile, wonach ein defektes GPS-Gerät oder ein Plotter kein Grund ist, die Übernahme der Yacht zu verweigern.

Die wichtigsten Check-Punkte an Deck – Teil 2

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Andreas Fritsch/Lars Bolle am 20.11.2019

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