Charter

Die Top 10 der Schäden auf Charteryachten

Jeder Chartersegler hasst sie, die kleinen oder großen Defekte an Bord. Welche Probleme haben Crews an Bord? Die Ergebnisse der YACHT-online-Umfrage

Andreas Fritsch am 11.12.2019
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Andreas Fritsch/YACHT

Charterflotte am Steg

Vor knapp einem Monat fragten wir auf YACHT online, welche Defekte Crews an Bord bei ihrem letzten Törn vorfanden. Das Ergebnis soll helfen, beim nächsten Check-in bei den anfälligen Systemen besonders genau hinzuschauen, damit man sich später unterwegs Ärger und verlorene Zeit für Reparaturen erspart. Zudem vermindert man so das Risiko, vielleicht einen Fehler zu übernehmen, der dem Skipper bei der Rückgabe dann angekreidet und womöglich teuer berechnet wird.

Statistik

Schäden auf Charteryachten 

Knapp 700 Leser beteiligten sich an der Umfrage und berichteten von erstaunlich vielen Vercharterern, die defekte Yachten übergeben wollten und erst vom Skipper auf die Probleme aufmerksam gemacht werden mussten. Diese uncharmante und wohl auch sehr kurzsichtige Art, das Qualitätsmanagment auf die Kunden abzuwälzen, dürfte für einige Firmen langfristig nach hinten losgehen. Solche Praktiken sprechen sich eigentlich immer unter Agenturen und Seglern herum und führen letztlich dazu, dass Agenturen diese Partner weniger buchen und dann schlicht die Kunden ausbleiben. Dann muss der Flottenbetreiber gar nicht so selten mit Preisnachlässsen seine Lücken füllen, was oft genug eine Spirale zu immer schlechterer Qualität auslöst.

Überraschend auf Platz eins als häufigst genanntes Problem waren die Toiletten und das Fäkalientank-System an Bord. Tatsächlich sind naturgemäß Crews bei Defekten in diesem Bereich genervt, auch wenn die Ursachen dafür meist technisch eher marginal sind. Sind üble Gerüche oder zurücklaufende Abwässer in der Schüssel das Problem, ist die Basis oft nur schlampig im regelmäßigen Austausch der Verschleißteile der Toilette und des Wechsels der Leitungen alle paar Jahre. Wird das beherzigt, gibt es schon mal viel, viel seltener Probleme. Diesem Bereich sollte also das größte Augenmerk der Basen und Skipper gelten. 

Probleme mit den Segeln folgt direkt auf dem zweiten Platz. Allerdings geht es häufig nicht um augenscheinliche Schäden wie Risse oder defekte Klemmen für Liekleinen, sondern der schlechte Stand der Garderobe wird bemängelt. Dieses Problem ist so alt wie die Charter-Branche: Ein Satz Rollsegel sieht in windigen Revieren oft schon in der Mitte der zweiten Saison nicht mehr gut aus: Viel zu tiefe und "gewanderte" Profile, ausgelutschte Lieken, Scheuerstellen an den Salingen. Das hat, zugegeben, auch viel mit der Misshandlung durch falsches Handling der Kunden zu tun, allerdings bestimmt genauso oft auch mit den minderwertigen Tüchern, die manche Werften als Standard mitliefern. Es wundert sehr, dass Crews nicht mehr zu durchgelatteten Großsegeln tendieren, die haben auch im zweiten oder dritten Jahr meist noch eine akzeptable Form und sind im Handling dank guter Lazyjack-Systeme nicht viel aufwändiger als Rollsegel zu bedienen. Vielleicht probieren Crews das einfach mal aus.

Überraschend auch, was Platz vier betrifft: leckende oder schlecht schließende Luken und Fenstern. Man sollte meinen, dass es im Interesse der Vercharterer ist, wenn kein Salzwasser auf Kojen-Polster tropft oder, noch schlimmer, in Salon oder Küche hinter Einbauten und Verkleidungen läuft. Das Problem ist, dass solche Defekte oft erst bemerkt werden, wenn es zu spät ist, also beim ersten Wolkenbruch oder reichlich Spray an Deck. Da hilft als Skipper nur, genau beim ersten Auftreten dieser Bedingungen einmal die Fenster und Luken auf Dichtigkeit zu prüfen – um nicht erst abends von der nassen Koje überrascht zu werden.

Ein Klassiker ist sicherlich auch der schlechte Zustand der Bordbatterien, die nach kürzester Nutzung des Kühlschranks oder Nutzung der Bordelektronik während des Segelns so weit in die Knie geht, dass es stundenlangen Motorlaufens oder einer Nacht am Landstrom bedarf. Es ist unverständlich, warum heute auf Charteryachten teils noch immer nicht akustische Batteriewächter Standard sind, die Crews vor Tiefenentladung warnen. Eine mögliche Lösung für den Skipper: vor Vertragsabschluss fragen, ob die Flotte standardmäßig Solarpaneele über dem Bimini verbaut. Das tun gute Flottenbetreiber mittlerweile recht häufig. So kann der Kühli fast nonstop laufen, zumindest machen ihm die paar Stunden beim Segeln nichts aus.

Andreas Fritsch am 11.12.2019