Umwelt

Die Balearen machen Ernst: Strafen für falsches Ankern

Die Behörden des spanischen Archipels kontrollieren 2019 rund 86.000 Crews am Ankerplatz und verhängen auch Geldbußen für Umweltsünder

Andreas Fritsch am 12.11.2019
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Fritsch, Andreas

Anker reißen tiefe Furchen in Seegraswiesen

Seit Jahren versucht die Regierung der Balearen, die Posidonia-Seegraswiesen am Grund der Ankerbuchten zu schützen. Sie sind biologisch extrem wichtigen Kinderstuben für viele Fischarten, Schalentiere, schützen die Strände vor Erosion und wandeln obendrein Kohlendioxid in Sauerstoff um. Das Problem: Ankern Yachten über solchem Grund, reißen sie mit ihren Ankern und den Ketten, die beim Schwoien über den Grund schleifen, teils 40 oder 50 Zentimeter breite Furchen in die dichten Seegrasfelder. Die Wunden am Grund schließen sich nur enorm langsam: Mit einem Wachstumstempo von nur etwa einem Millimeter pro Jahr schließen die Wurzeln solche Lücken wieder. Viele Buchten, die früher dicht mit Seegras bewachsen wahren, sind heute daher am Grund nahezu tot, da jede Saison Tausende von Ankern den Boden durchpflügen Auf dem nackten Sandboden, der zurückbleibt und dessen leuchtendes Türkis viele Segler lieben, gibt es kaum noch Leben.

Deshalb gilt schon seit Langem explizit vor den Balearen, aber auch rund um Sardinien und Korsika und rein theoretisch sogar für das ganze Mittelmeer via EU-Recht die Regel, dass Yachten nicht in solchen Seegrasfeldern ankern dürfen. Zu diesem Zweck sind schon vor vielen Jahren mithilfe von EU-Subventionen rund um die Inseln Bojenfelder eingerichtet worden, und ein generelles Ankerverbot in Seegraswiesen wurde verhängt. Skipper dürfen das Eisen nur noch über den helltürkisen Sandflächen ausbringen.

Viele Segler haben sich rund um Mallorca allerdings nicht an die Verbote gehalten. Daher hat das Umweltministerium dieses Jahr die Kontrollen massiv verstärkt. Ergebnis: Rund 86.000 Crews wurden bei Verstößen erwischt, wie Martin Muth, Revierführer-Buchautor (Portbook Balearen) und Mallorca-Experte für die Kreuzerabteilung des DSV berichtet. 8500 Yachten mussten daraufhin ihren Liegeplatz wechseln oder ganz verlassen.

Sind es Umweltbeauftragte, die eine falsch ankernde Yacht entdecken, muss die Crew lediglich die Yacht verlegen, ertappt hingegen die Guardia Civil die Segler, können die Beamten Geldstrafen verhängen, deren Höhe vom angerichteten Schaden am Grund abhängt. Skipper sollten also ihren Ankerplatz mit Umsicht wählen. Infos zur Reservierung und Bezahlung eines Bojenplatzes gibt es über die Website der Bojenfelder,  weitere Infos zu den Seegraswiesen auf einem Infoblatt des Umweltministeriums.

Andreas Fritsch am 12.11.2019