Weltumsegelung
Auf dem Fluss durch den Regenwald

Johannes Erdmann und Cati Trapp sind auf dem Weg in den Norden, mit einem letzten Stopp auf Dominica. Dort erleben sie den Indian River

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert vor 6 Jahren

Johannes Erdmann Ein Boatboy rudert die Crew der "Maverick too" mitten durch den Dschungel

Wenn im Juni die Hurrikan-Saison beginnt, gibt es in der Karibik drei Möglichkeiten: nach Süden zu segeln, um den Sommer zwischen Venezuela und den ABC-Inseln zu verbringen, bis die Saison im Oktober zu Ende geht. Nach Norden zu segeln, um über die Einflugschneise der Hurrikans zu gelangen. Oder aber ein Hurrikan Hole suchen, also einen Hafen, der von allen Seiten Schutz bietet. English Harbor auf Antigua galt lange als ein solches "sicheres Loch". Eine von Bergen geschützte Bucht, durchzogen von schweren Ketten, hinter denen schon zu Nelsons Zeiten die Schiffe sicher verankert lagen. Solche Hurrikan Holes sind in den vergangenen Jahren allerdings immer seltener geworden.

Wir haben seit Beginn der Reise einen festen Plan, wo wir den Sommer verbringen – und zwar in den USA. Ein Reiseziel, das nur selten von Yachties angelaufen wird. Denn die USA haben vor allem den Ruf, kompliziert und teuer zu sein. Im Jahr 2006 habe ich mit meiner acht Meter kurzen "Maverick" in den Yachthäfen regulär die Mindestlänge von neun Metern zahlen müssen – das waren 50 US-Dollar die Nacht. In der Realität habe ich das allerdings selten gemacht, denn die meiste Zeit konnte ich nachts in den Sümpfen des Intracoastal Waterways ankern, dem halb natürlichen, halb künstlichen Wasserweg, der sich fast die ganze Ostküste der USA hinaufzieht und eine geschützte Fahrt innerhalb der Küste ermöglicht.

Natürlich kann es auch vorkommen, dass ein Hurrikan die Ostküste trifft. Ich habe die Vorbereitungen damals für den angekündigten Hurrikan "Alberto" mitgemacht. Ein sehr spannendes, aber auch bedrückendes Erlebnis, denn wenn der Hurrikan direkt trifft, bleibt wenig Chance. Aber "Alberto" blieb eine "tropical depression". Darüber war ich auch ganz glücklich, obwohl trotzdem eine Menge Wind damit verbunden war.

Unser Visum, das für die Einreise per Yacht unbedingt nötig ist, haben Cati und ich schon vor der Abreise in Berlin bekommen. Der Grund, Kurs auf die USA abzusetzen, sind meine schönen Erinnerungen an wirklich gastfreundliche Amerikaner und eine Menge Freunde von damals. Und einige gute Artikel, die ich dort oben über interessante Leute und spannende Boote schreiben möchte. Von meinen letzten Reisen kenne ich einige Orte, wo man günstig liegen kann. Yachthäfen und Boatyards, die von "Sailboat-People" betrieben werden, für die allgegenwärtigen "Livaboards" – Menschen, die auf ihren Yachten leben. Dort ist es bezahlbar, und ansonsten werden wir ankern. 2006 ging das jedenfalls noch hervorragend. Wir freuen uns sehr auf einen spannenden Sommer dort oben. Bis dahin liegt aber noch ein weiter Weg vor uns.

Zum Glück haben wir nun etwas Druck, auch pünktlich im Juni anzukommen, denn seit vergangenem Samstag haben wir einen Gast an Bord: meinen alten Sandkasten-Freund Samuel. Ihn müssen wir am 18. Mai in der Dominikanischen Republik absetzen, damit er seinen Flug nach Hause pünktlich erreicht.

Der frischgebackene Automobil-Ingenieur hat zugleich die Rolle des Bordmechanikers übernommen. Keine 24 Stunden nach seiner Landung lag bereits der Vergaser unseres Außenborders zerlegt im Cockpit. Offenbar hatten wir in Le Marin Sprit mit Körnern getankt, und die Vergaserdüse war zugesetzt. Der Rest des Schiffes läuft zum Glück nun, nach 6500 Seemeilen, endlich problemlos. Wir hatten ja anfangs noch viele Probleme mit Kinderkrankheiten des Refits. Nun ist "Maverick" vollkommen eingefahren und funktioniert prächtig.

Von Martinique sind wir als Erstes zusammen die Ostküste der Insel hinauf nach Saint Pierre motort. Die Stadt war einst ein großes Handelszentrum und wurde von Schiffen aus der ganzen Welt angelaufen. Dann jedoch brach im Jahr 1902 der Montagne Pelée aus und vernichtete die ganze Stadt in wenigen Minuten. Ruinen und der Strand aus Vulkanasche erinnern heute noch daran. Nur drei Menschen überlebten das Unglück, darunter ein Insasse des örtlichen Gefängnisses. Er verdankt sein Leben den dicken Mauern.

Johannes Erdmann Cati Trapp im Theater von St. Pierre, das 1902 vom Vulkan zerstört wurde

35 Meilen weiter nördlicher haben wir einen kurzen Stopp in Roseau auf Dominica eingelegt, haben allerdings durch hohe Dünung am Ankerplatz eine eher rollige Nacht verbracht und sind am nächsten Morgen gleich weiter in den Norden der Insel, nach Portsmouth. Hier wollte ich unbedingt einen Stopp einlegen, da ich auf der letzten Reise vorbeigesegelt bin. Hier in der Bucht mündet der Indian River, ein sieben Kilometer langer Fluss quer durch den Regenwald, der allerdings nur die letzte Meile bis zur Mündung schiffbar ist.

Die Boatboys in Portsmouth sind gut organisiert, waren allerdings am ersten Tag ein wenig aufdringlich. Ständig lag ein Ruderboot an der Bordwand, und wir wurden mit "Hey Man!" an Deck gerufen, damit man uns Obst und Gemüse anbieten kann. Aber nur am ersten Tag, danach wurde es entspannter. Eine der Haupteinnahmequellen der Boatboys sind Trips in den Indian River. Wir hatten dabei großes Glück. Bei unserer Ankunft wurden wir von Monty begrüßt, mit dem wir einen Termin für den nächsten Tag, zehn Uhr, abgemacht haben. Damit waren die Zuständigkeiten unter den Boatboys geklärt. Monty war für uns zuständig, und die anderen hielten Abstand. Unser Monty war ein Glückstreffer. Für umgerechnet 20 Euro pro Person erlebten wir einen wirklich einmaligen, unbezahlbaren Trip den Fluss hinauf.

Samuel Fricke Johannes und Cati am Indian River, Dominica

Der Indian River erhielt seinen Namen von dem Indianervolk, das früher an der Mündung lebte. Heute ist er Naturschutzgebiet und darf nicht mit Motoren befahren werden. Der Ausflug lohnte sich wirklich, eine Reise durch die märchenhafte Szenerie, die vor allem durch den zweiten und dritten Teil des Films "Fluch der Karibik" Bekanntheit erlangte. An jeder Ecke gab es etwas zu erzählen und zu erklären – die Tiere, Pflanzen, Bäume. Während der Dreharbeiten war der Fluss für Touristentouren gesperrt, erzählte uns Monty. Aber das ganze Filmequipment durfte natürlich auch nur per Ruderboot in den Fluss geschafft werden. Eine spannende Zeit für die Boatboys.

Eine einmalige Tour, die man wohl nirgendwo anders auf der Welt so erleben kann. Aber das erzählen am besten die Bilder:

Indian River

50 Bilder

Von Martinique nach Dominica

Weitere Infos zur Reise auf www.zu-zweit-auf-see.de


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Themen: Cati TrappDominicaIndian RiverJohannes ErdmannMartiniqueMaverick tooSaint Pierre

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