Navigation
Kommt Galileo heute in den Orbit?

Das europäische Satellitennavigationssystem klebte jahrelang am Boden. Heute sollen die ersten beiden Satelliten in die Umlaufbahn kommen

  • Olaf Schmidt
 • Publiziert am 20.10.2011

ESA Ein Satellit des Galileo-Navigationssystems. Heute sollen die ersten beiden in den Orbit kommen

Eine russische Trägerrakete bringt europäische Weltraumtechnik ins All - auch das ist eine Premiere und sorgt zugleich für süffisante Kommentare. Doch unter Experten gilt die Sojus als eines der zuverlässigsten Transportsysteme in den Weltraum: fast 1.800 Starts ohne große Probleme. Da es aber in den letzten Monaten zu mehreren Pannen kam, schaut man heute Mittag gespannt nach Kourou. Um 12:34 MEZ soll die Rakete abheben.

An Bord sind die ersten beiden funktionierenden Galileo-Navigationssatelliten. Kommen diese heil auf ihren Umlaufbahnen an, wird zum ersten Mal ein Galileo-Signal aus dem Weltraum zu hören sein.

Für die Navigation an Bord hat das Ganze freilich noch so gut wie keine Auswirkungen: Um eine reine Galileo-Position mit der oft beworbenen Präzision von einem Meter zu bekommen, müssen mindestens vier Satelliten des Systems in günstigen Positionen stehen. Die Chance auf eine solche für Endverbraucher nutzbare Konstellation besteht frühestens 2014.

Die jetzt auf der Rakete befindlichen Satelliten haben zwei Aufgaben: Einmal sollen sie, zusammen mit den nächsten beiden, die 2012 starten sollen, die Funktionsfähigkeit und die Leistungsdaten des System nachweisen. Andererseits haben Hersteller von Navigationsgeräten damit erstmals die Möglichkeit, Galileo-Signale aus dem All zu empfangen und so ihre Geräte unter realen Bedingungen zu testen. Bisher waren dafür nur Signale von fest auf Bergen montierten Simulatoren verfügbar, und das auch nur in einem Alpental.

2020 soll das System mit 30 Satelliten dann komplett ausgebaut sein. Das wären dann nur zwölf Jahre Verspätung – ursprünglich war die Fertigstellung für 2008 vorgesehen.

Angesichts dieser Aussichten braucht also wegen Galileo noch niemand auf den Kauf eines GPS-Empfängers zu verzichten. Für die Sportschifffahrt sind die Vorzüge des europäischen Systems ohnehin von geringem Nutzen.

Countdown und Start (und hoffentlich keinen Absturz) gibt es live im Web auf der Seite der ESA:

http://www.esa.int/SPECIALS/Galileo_IOV/


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: GalileoNavigation

Anzeige