Kollisionsschutz

Sicher durch die Nacht mit Oscar

Ein System aus Tageslicht- und Wämebildkameras soll im Wasser treibende Objekte erkennen und automatisch ausweichen

Hauke Schmidt am 09.10.2019
OSCAR-Kollisionsschutz-System
Hersteller

Das optische Kollisions-Schutzsystem Oscar besteht aus einer Kameraeinheit und dem Rechenmodul für die Bildauswertung

Im Wasser treibende Objekte, so genannte UFOs (Unknown Floating Objects), stellen eine enorme Gefahr für Segelyachten dar. Allein bei der letzten Vendée Globe 2016 kollidierten fünf der elf havarierten Boote mit Treibgut. Die hohen Geschwindigkeiten der aktuellen Racer sorgen schon bei relativ kleinen Hindernissen für kapitale Schäden. Vergleichsweise langsame Fahrtenyachten sind weniger gefährdet. Aber auch hier gibt es Fälle: So sank 2012 eine an der World-ARC teilnehmende Sweden Yachts 45 im Indischen Ozean – nachdem ein unbekanntes Objekt mit dem Ruderblatt kollidiert war.

OSCAR-Kollisionsschutz-System

Die Kameraeinheit von Oscar wird am Mast montiert und wiegt etwa 800 Gramm

Das vom französischen Unternehmen BSB-Marine entwickelte Oscar-System soll solche Kollisionen verhindern. Es ist eng mit der in der Automobilindustrie eingesetzten Technik fürs autonome Fahren verwandt. Ein im Masttopp montiertes Kamerasystem überwacht den von dem Bug liegenden Seeraum mit zwei Wärmebild- und einer Tageslichtkamera, wodurch ein dreidimensionales Bild entsteht. Die Daten werden in Echtzeit von einem Rechner ausgewertet und per selbstlernender Bilderkennungssoftware auf mögliche Hindernisse untersucht. Um zu beurteilen, ob eine Kollision droht, wird auch die Bewegung der Objekte berücksichtigt. Macht die Software einen potenziellen Kollisionsgegner aus, so gibt sie Alarm. Je nach Einstellung kann der Autopilot auch automatisch ausweichen.

Oscar ist in zwei Versionen erhältlich. Die Basisvariante soll bis zu einer Bootsgeschwindigkeit von 30 Knoten funktionieren und kann einen Quadratmeter große Objekte in 75 Meter Entfernung ausmachen. Das Topmodell ist doppelt so empfindlich und soll bis 40 Knoten Boatspeed arbeiten.

Das Kollisions-Schutzsystem Oscar

Derzeit befindet sich das System in der Beta-Testphase und wird vom mehreren Imoca-60-Teams eingesetzt, beispielsweise ist der spektakuläre Foiler "Charal" von Skipper Jérémie Beyou mit Oscar bestückt. In der Praxis soll das System schon Netzbojen von Fischern ausgemacht haben.

So vielversprechend die Technik klingt – bisher ist Oscar eher für Profi-Teams als für Tourenskipper geeignet. Das Problem ist der Preis: Die verwendeten Wärmebildkameras stammen von Flir und sind sehr teuer, daher belaufen sich die Kosten auf etwa 24.000 Euro. Durch den Einsatz eines günstigeren Kamerasystems hofft der Hersteller, den Preis langfristig auf etwa 5000 Euro reduzieren zu können. Damit läge Oscar etwa auf dem Niveau eines herkömmlichen Radarsystems.

Weitere Informationen unter: www.oscar-system.com

Hauke Schmidt am 09.10.2019

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