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Mit Wärme im Dunkeln sehen

Raymarine stellte in Friedrichshafen eine Handheld-Wärmebildkamera vor. Wir konnten das gute Stück bereits in der Praxis erproben

Olaf Schmidt am 30.09.2011
Wärmebildkamera

Wärmebild Schiff bei Nacht: um 1 Uhr 30 war der Hafen tatsächlich stockdunkel, die Umrisse der Yacht mit dem Auge kaum zu erahnen

Wieder ein Nachtsichtgerät? Nicht ganz: Herkömmliche Nachtsichtgeräte verstärken nur das vorhandene Restlicht, in mondloser Nacht helfen sie auch nicht weiter. Wärmebildkameras arbeiten nach einem völlig anderen Prinzip. Sie bilden nicht das sichtbare Licht, sondern die Wärmestrahlung ab. Solche gibt jeder Körper ab, dessen Temperatur oberhalb des absoluten Nullpunktes (-273 °C) liegt. Die Sicht mit einer Wärmebildkamera ist daher weitgehend unabhängig von Tageslicht oder Scheinwerfern. 

Wärmebildkamera

Tragbare Wärmebildkamera Raymarine TH32, die 340 Gramm liegen gut in der Hand

Zwei handliche Modelle mit dieser Technik stellt Raymarine vor: TH24 und TH32. Beide unterscheiden sich lediglich in der Auflösung des Bildsensors und natürlich im Preis. Die Technik liefert Flir, weltgrößter Hersteller von digitalen Thermokameras und seit kurzem Muttergesellschaft von Raymarine. Flir hat sich bisher vor allem im Militär- und Sicherheitsbereich einen Namen gemacht. Die neuen Produkte mit dem Raymarine-Label sollen der Einstieg in den Endkundenmarkt werden.

Die Wärmebildkameras bestehen aus drei Hauptkomponenten: Bildwandler, Bildschirm und Stromversorgung. Letztere erfolgt aus einem eingebauten Li-Ion-Akku, geladen wird ganz zeitgemäß per USB-Kabel. An dessen anderem Ende muss dazu nicht zwingend ein Computer hängen, ein einfaches USB-Ladegerät für Netz oder 12-V-Betrieb tut es genauso gut. Zur Betriebszeit war noch keine exakte Angabe zu bekommen, sie scheint aber großzügig bemessen. Selbst nach mehreren Testnächten bedurfte die TH32 noch keines Nachschubes.

Wärmebildkamera

Tasten für Einschalten, Darstellungsmodus, Bildhelligkeit und Digitalzoom, dazwischen die USB-Ladebuchse

Aufgrund des Arbeitsprinzips ist die Auflösung von (zivilen und bezahlbaren) digitalen Wärmebildwandlern sehr viel geringer als bei optischen Digitalkameras. Die beiden Raymarine-Modelle warten mit 240 mal 180 Pixel (TH24) beziehungsweise 320 mal 240 Pixel (TH32) auf. Das sind zwar nicht mal 0,1 Megapixel, doch genügt es zur Orientierung und um beispielsweise eine im Wasser treibende Person auszumachen. Als Fernglas-Ersatz ist die Wärmebildkamera schon vom Ansatz her nicht gedacht. Eine starke Vergrößerung würde das Gesichtsfeld zu sehr einschränken und damit die Orientierung im Nahbereich unmöglich machen.

Der Bildschirm stellt grundsätzlich ein Monochrombild dar, dabei lässt sich wählen, ob Wärme hell oder dunkel dargestellt wird. Farben im optischen Sinne gibt es bei Thermokameras nicht. Gegen Blendung im Nachtbetrieb lässt sich die Darstellung von Schwarz-Weiß auf Schwarz-Rot umschalten. Ein Dioptrienausgleich macht die Benutzung auch für Brillenträger bequem.

In der Praxis beschert die Wärmebildtechnik zunächst einen sehr ungewohnten Anblick der Umgebung. Vor allem fällt auf, wie viel Leben sich auf dem Wasser und im Uferbereich tummelt: Alles, was optisch gut getarnt ist und daher vom Mensch kaum wahrgenommen wird, stellt der kleine Bildschirm als hellen Punkt dar. Zwingend ist der Einsatz im Freien, denn Fensterscheiben oder auch nur die Folie der Sprayhood sind für Wärmestrahlung blind. Tonnen, Schiffe und Ansteuerungen ließen sich ausreichend erkennen. Man darf allerdings nicht vergessen, dass man, trotz des Okular-Designs, kein Fernrohr in der Hand hält. Die Darstellungsgröße entspricht etwa der Sicht mit bloßem Auge. Als blendfreie Alternative zum Suchscheinwerfer ist die Wärmebildkamera gut geeignet. Selbst Gegenstände mit gleicher Temperatur lassen sich unterscheiden, wenn deren Oberflächen unterschiedlich rau sind. So hebt sich beispielsweise Windkräuseln klar vom sonst glatten (und ebenso kalten) Wasser ab.

Die TH24 (240 mal 180 Pixel) kostet 1.779 Euro, für das größere Modell TH32 (320 mal 240 Pixel und zweifachem Digitalzoom) sind 2.723 Euro fällig. Beides nicht gerade billig, aber aufgrund unserer Erfahrungen in der Praxis erweist sich hier das teurere Modell als das preiswertere – wegen der besseren Auflösung.

http://www.raymarine.de

Olaf Schmidt am 30.09.2011

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