Innovation
Großsegel als Stromgenerator

Das vom Segelmacher UK Halsey Sails France entwickelte Solarzellen-Segel könnte die Energieversorgung an Bord revolutionieren

  • Hauke Schmidt
 • Publiziert am 21.03.2014

UK-Sails France Die Solarzellen von Solarclothsystem sind direkt in die untere Bahn des Großsegels einlaminiert

Unterwegs Strom aus Sonnenlicht zu erzeugen ist eine verlockende Idee. Um den Energiebedarf einer durchschnittlichen Yacht zu decken, ist aber eine Solarzellenfläche von mehreren Quadratmetern nötig. Ohne aufwendige Geräteträger am Heck lässt sich das kaum bewerkstelligen, zumal herkömmliche Energiewandler empfindlich auf Abschattung reagieren.

Die französische Niederlassung von UK Halsey Sails hat nun ein System entwickelt, Solarzellen direkt ins Großsegel zu integrieren. Dabei kommen Dünnschicht-Module mit einem Wirkungsgard von 14 Prozent zum Einsatz. Diese werden auf einen lediglich 65 Mikrometer dicken Film gedruckt und sollen so flexibel sein, dass sich die Segel wie üblich rollen oder falten lassen. Um die Haltbarkeit der Zellen zu verbessern, werden sie zudem nur im unteren Bereich des Großsegels installiert. Dort steht ausreichend Fläche zur Verfügung, die Belastungen beim Wenden sind aber vergleichsweise gering.

UK-Sails France Die Solarzellen von Solarclothsystem sind direkt in die untere Bahn des Großsegels einlaminiert

Die Solarzellen selbst stammen aus den USA und sollen auch bei indirektem Lichteinfall, wie er im Segel üblich ist, eine sehr hohe Stromausbeute liefern. Die Zellen können entweder direkt in die hauseigenen Titanium-Membransegel integriert oder nachträglich auf bestehende Segel aufgeklebt werden. Zudem können Biminis oder Sprayhoods mit den Solarzellen nachgerüstet werden. Bei Membransegeln erfolgt die Verkabelung direkt innerhalb des Laminats. Auf nachgerüsteten Segeln werden die Leitungen durch Dacronstreifen geschützt.

Zurzeit wird das System unter anderem auf einer Dehler 39 getestet. Nach Aussage von Alain Janet, Chef von UK Sails France, soll die Technik zum Sommer serienreif sein. Sie wird unter dem Name Solarclothsystem vermarktet und soll bei allen UK Sails Lofts erhältlich sein. Der Aufpreis für die Solarausrüstung steht noch nicht fest, dürfte aber für Nachrüstsysteme im Bereich von 4500 Euro für zwei Quadratmeter Zellenfläche, Verkabelung und Laderegler liegen. Membransegeln mit integrierten Zellen fallen vermutlich etwas günstiger aus.


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Themen: GroßsegelSolarclothsystemSolarzellenStromversorgungUK Sails

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