Außenbordmotoren

Gas geben mit Propan-Außenbordern

Auf der Bootshow in Miami feiert der Lehr-Außenborder Welt-Premiere. Die Idee: saubere Antriebstechnologie zu erschwinglichen Preisen.

Dieter Loibner am 13.02.2012
Propan-Außenborder

Der Propan-Außenborder mit 2,5 PS und eingeschraubter Gaspatrone

Studien belegen es: Im Vergleich zu modernen Autos sind kleine Außenbordmotoren wahre Schmutzschleudern. Man schätzt, dass die Menge des unverbrannten Öls, das alljährlich beim Betrieb dieser Zweitakt-Maschinen in die Umwelt gelangt, allein in den USA mehrfach größer ist als das bei der Exxon-Valdez-Katastrophe ausgelaufene Rohöl von etwa 40 Millionen Litern. Deswegen sind diese kleinen Zweitakt-Außenborder in der EU nicht mehr im Handel. Eine weitere Alternative zu den bekannten Benzin-Viertaktern bietet nun die kalifornische Firma Lehr Incorporated: Statt Benzin verbrennen die Motoren Propangas. Bei der Bootsmesse in Miami wird Lehr zwei Modelle mit 2,5 und 5 PS vorstellen, die sich als Flautenschieber für kleine Jollen und Kielboote bzw. als Hilfsmotoren für ein Dingi eignen könnten. Später wolle man die Angebotspalette mit Motoren von 10 bzw. 25 PS ausbauen. 

Propan-Außenborder

Die neuen Propan-Außenborder

Propan ist ein Abfallprodukt bei der Erdölgewinnung und hat gegenüber Benzin mehrere Vorteile, so Firmenpräsident Bernardo Herzer. Laut Angaben von Lehr produziert Propan bei der Verbrennung 25 Prozent weniger CO2, bis zu 60 Prozent weniger CO und reduziert den Ausstoß von ultrafeinen Partikeln um 97 Prozent.

Propan-Außenborder

Das 5-PS-Modell mit Propangasflasche

„Diese Motoren sind speziell für die Verbrennung von Propan konzipiert und arbeiten daher sehr effizient”, sagt Herzer. Hinzu kommt die deutlich höhere Oktanzahl des Gases, die bei 110 liegt und damit höhere Kompression und effizientere Verbrennung zulässt. Zum Vergleich: Eurosuper wird mit 95 Oktan gehandelt. Ein anderer, nicht zu unterschätzender Vorteil ist das Vermeiden von verschmutzten Vergasern. Ein Verharzen wie bei herkömmlichen Kraftstoffen ist bei Gas nicht zu erwarten. Ebenso vermieden werden Treibstoffprobleme, die vielen Bootsmotoren zu schaffen machen, weil sie nicht für die Verbrennung eines Benzin-Ethanol-Gemischs konstruiert wurden, Stichwort E10. Ethanol zieht Wasser an, das sich im Tank ablagert und der Maschine sowie dem gesamten Treibstoffsystem schadet. Um dem vorzubeugen, müssen Additive zugegeben und die Tanks regelmäßig inspiziert bzw. gereinigt werden. Nicht so mit Propan. „Kein Ethanol, kein Wasser, keine Additive, keine Probleme”, sagt Herzer. 

Propan-Außenborder

Treibstoffversorgung mittels kleiner Patrone (l. o.) oder großer, externer Gasflasche

Anders als komprimiertes Erdgas muss Propan als Motorentreibstoff nicht sehr stark unter Druck gesetzt werden, womit die Tanks weniger aufwendig und vor allem leichter gebaut werden können. Der 2,5-PS-Motor kann wahlweise mit einer kleinen Gaskartusche betrieben werden, die im Motorkopf eingeschraubt wird. Solche Kartuschen kennt man von Campinglaternen und kleinen Gasbrennern. Alternativ können auch Propangasflaschen verwendet werden, wie sie z. B. für Gartengrills gebräuchlich sind. Lehr hat diese Technologie zuvor schon für Gartengeräte (Fiskars) lizensiert bzw. erfolgreich bei Generatoren, motorisierten Rollern und Go-Karts eingesetzt. Dafür wurde die Firma mit dem EPA Clean Air Excellence Award und dem Popular Mechanics Breakthrough Product Award ausgezeichnet.

Die Außenborder sind in den USA unter anderem über West Marine zu beziehen und kosten zwischen 999 (2,5 PS) und 1.956 US-Dollar (5 PS, Langschaft). Die Website bietet eine Lieferung ins Ausland an. Einen deutschen Händler gibt es noch nicht. Der Brennstoff ist in jedem Baumarkt erhältlich.

Mehr unter www.golehr.com

Vertrieb über www.westmarine.com

Dieter Loibner am 13.02.2012

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