275-Newton-Klasse

15 Automatikwesten im Vergleich

Für Hochseetörns sind Rettungswesten der 275-Newton-Klasse unabdingbar. Doch nicht alle Modelle sind wirklich ohnmachtssicher

Hauke Schmidt, Karolina Meyer-Schilf am 26.10.2020
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YACHT/Jozef Kubica

Testen für den Ernstfall: Dann muss die Rettungsweste auch die vollgesogene Kleidung oben halten

Rettungswesten der verbreiteten 150-Newton-Klasse funktionieren gut, wie der Test in YACHT 18/2019 gezeigt hat. Jedoch haben sie einen Makel: Sobald ein Segler ohnmächtig ist und Ölzeug trägt, wird er nicht mehr zuverlässig in Rückenlage gedreht. Modelle der 275-Newton-Klasse besitzen etwa doppelt so viel Auftrieb und versprechen, das Problem zu lösen.

Screenshot Tabelle Weste 1

So schneiden die Westen im Detail ab.

Jeder Segler, der Ölzeug trägt, sollte über eine Weste im Maxiformat nachdenken. Denn sobald die Bekleidung dauerhaft wasserdicht ist, besteht auch die Gefahr, dass die in Jacke und Hose gefangene Luft nicht oder zumindest nicht schnell entweichen kann. Heikel daran ist der zusätzliche Auftrieb. Dieser verteilt sich zwar über den gesamten Körper; es bilden sich aber Blasen im Schulter-, Rücken- und Gesäßbereich.

Screenshot Tabelle Weste 2

So schneiden die Westen im Detail ab.

Vor allem bei weit geschnittener Bekleidung verfügen diese Schwimmringe über ähnlich viel oder sogar mehr Volumen als Rettungswesten der 150-Newton-Klasse. Der Segler trägt quasi eine zweite Weste auf dem Rücken. Ohnmachtssicherheit ist aber nur gewährleistet, wenn die Rettungsweste gegen die Luftpolster arbeiten kann und eine reglos mit dem Gesicht nach unten im Wasser treibende Person in die Rückenlage dreht, und zwar ohne Unterstützung durch den Seegang.

Screenshot Tabelle Weste 3

So schneiden die Westen im Detail ab.

Dementsprechend haben wir den Vergleich in Ölzeug und Segelschuhen durchgeführt. Und so schneiden die unterschiedlichen Modelle ab: 

Marinepool 300 N Pro 3 D ISO

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Drei Sterne für die Marinepool-Weste.

Verstellbarer Brustgurt, beidseitige Metallschnallen, breites Rückenteil, selbststauende Gurtenden. Weste sitzt gut auf den Schultern, Gurt lässt sich einfach lösen. Aber: Die Blase sitzt schief, Patronenseite nach innen verdreht. Der Kopf bleibt unter Wasser. Erst ein beherzter Griff von außen kann die Blase korrigieren. Spraycap rutscht immer wieder ab. 

Besto Automatik Pro 300 N

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Der Auftriebskörper drückt auf die Wangenknochen.

Verstellbarer Brustgurt mit Kunststoffschnalle. Leichte Weste, die gut zu tragen ist. Gurt lässt sich allerdings schlecht
verstellen. Kurzer Auftriebskörper, Kopf bleibt unter Wasser, drückt auf Wangenknochen. Liftgurt ist sehr klein. 

California Titanium 275 ISO

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Die SOSTechnic California Titanium.

Verstellbarer Brustgurt, beidseitige Metallschnallen, breites Rückenteil, selbststauende Gurtenden. Weste sitzt gut auf den Schultern. Gurt lässt sich einfach lösen. Die Blase sitzt auf der Patronenseite allerdings verdreht. Nach der Korrektur hat der Auftrieb eine gute Position. 

Spinlock Deckvest 5D

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Der Testsieger: Die Spinlock Deckvest 5D.

Verstellbarer Brustgurt mit beidseitiger kleiner, sehr griffiger Metall-Doppelschnalle und Öffnungshilfe, das Rückenteil ist verstellbar. Sehr guter Tragekomfort, der Gurt ist sehr leicht justierbar. Der Auftrieb sitzt etwas hoch, drückt mit Ecken leicht in den Mund, kann aber korrigiert werden und sitzt dann gut. Die Spinlock Deckvest 5D ist damit Testsieger! >> z.B. hier erhältlich*.

Crewsaver Ergofit 290 N Extreme

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Keine Sorge, die dreht sich noch: Die Crewsaver Ergofit.

Verstellbarer, stark gepolsterter Brustgurt. Am Rückenteil befestigte Metall-Doppelschnallen mit Öffnungshilfe. Sehr guter Tragekomfort. Gurt leicht justierbar. Der sehr lange Auftriebskörper erzeugt viel Drehmoment. Vergleichsweise bequeme Position, gute Spraycap mit Bügel.  >> z.B. hier erhältlich*.

Hurrican EVO 290

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Die Hurrican EVO 290.

Verstellbarer Brustgurt mit einseitiger Metall-Doppelschnalle ohne Öffnungshilfe. Komfortables Gurtzeug, lässt sich gut verstellen. Aber: Der Kopf bleibt im Wasser, der Auftrieb drückt stark aufs Ohr, es fühlt sich an, als ob er nach oben rutscht. Es gibt einen Wellenkanal, die Spraycap schließt den Kanal nicht. Der Status der Tablette ist durch das kleine Fenster nicht zu erkennen. 

Kadematic 275 AL-F

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Etwas nackenlastiger Schnitt bei der Kadematic-Weste.

Verstellbarer Brustgurt mit Kunststoffschnalle. Konventioneller, etwas nackenlastiger Schnitt. Der Gurt lässt sich brauchbar verstellen. Der Auftrieb rutscht weit nach oben, der Mund liegt vor der Drehung im Wasser. 

KRU Sport Pro 275 ADV

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Bei der KRU Sport versinkt der Kopf im Auftrieb, bleibt aber oben.

Verstellbarer breiter Brustgurt, beidseitige Metallschnallen mit Öffnungshilfe am Rückenteil. Komfortables Gurtzeug, Verschluss etwas kompliziert. Dafür ist es einfach zu verstellen. Der Auftrieb rutscht etwas hoch, sitzt aber gut. Leuchte ist weit unten angebracht und wird von der Spraycap überdeckt. Der Kopf versinkt im Auftrieb, bleibt aber ohnmachtssicher. Die Spraycap sitzt trotz Bügel nicht sehr hoch. 

Baltic Legend 305

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Sehr gute Schwimmlage bei der Baltic Legend.

Verstellbarer Brustgurt mit Kunststoffschnalle, breites Rückenteil. Sehr lang geschnittene Weste, die gut auf den Schultern liegt. Die Gurtverstellung ist akzeptabel. Sehr langer Auftriebskörper, sitzt gut, sehr gute Schwimmlage. 

Plastimo Pilot 290A

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Der Preis-Leistungssieger ist die Plastimo Pilot.

Verstellbarer Brustgurt, einseitige große Metalldoppelschnalle mit Öffnungshilfe. Relativ konventioneller Schnitt, das Gewicht liegt auf den Schultern. Gute Gurtverstellung.  Der Auftriebskörper sitzt gut, die Spraycap lässt sich sehr leicht anlegen und schließt gut ab. Die Plastimo Pilot 290A ist klarer Preis-Leistungs-Sieger!

Compass Profi Soft ISO 300 N

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Vier Sterne für die Compass Profi Soft.

Verstellbarer Brustgurt mit Kunststoffschnalle, schmaler Rückengurt. Relativ konventioneller Schnitt, etwas nackenlastig. Schwierige Gurtverstellung. Der Kopf ist die ganze Zeit über Wasser, die Drehung wird eingeleitet. Die Hülle öffnet nicht vollständig, bei Folgeversuchen dreht die Weste nicht. Keine Anzeige für die Patrone. 

Compass Rettungsweste 300 N

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Funktionale Spraycap bei der Compass 300 N von Seago.

Verstellbarer Brustgurt mit beidseitiger Metall-Doppelschnalle ohne Öffnungshilfe, Rückenteil fest. Komfortables Gurtzeug. Verschluss ist sehr klein, dafür gute Verstellung. Die Seiten des Auftriebskörpers greifen ineinander und schließen sehr gut, kein Wellentunnel. Sehr einfache, aber funktionale Spraycap.  >> z.B. hier erhältlich*.

Secumar Scout

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Gute Gewichtsverteilung bei der Secumar Scout.

Verstellbarer Brustgurt. Einseitige Metall-Doppelschnalle mit Öffnungshilfe, festes Rückenteil. Gute Gewichtsverteilung und guter Tragekomfort. Einfach einstellbar. Sitzt angenehm, dreht sehr schnell. Die Spraycap lässt sich gut anlegen und bietet viel Freiraum. Teuerste Weste im Test.  >> z.B. hier erhältlich*.

AWN Security L 275 N

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Rutscht zwar hoch, würgt aber wenig: Die Auftriebsblase der AWN Security.

Verstellbarer Brustgurt mit Kunststoffschnalle. Relativ konventioneller Schnitt, etwas nackenlastig. Schwierige Gurtverstellung. Die Auftriebsblase rutscht etwas hoch, würgt aber nicht sehr stark. Automat zeigt korrekten Sitz der Patrone, Füllstand wird nicht erfasst. 

SVB X-Advanced 300

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Drei Sterne für die SVB X-Advanced von Seatec.

Verstellbarer Brustgurt, beidseitige Metallschnallen, breites Rückenteil, selbststauende Gurtenden. Die Weste sitzt gut auf den Schultern, der Gurt lässt sich einfach lösen. Der Auftrieb ist auf der Patronenseite verdreht. 

Den ausführlichen Test mit allen Bewertungskriterien und Testbedingungen finden Sie im PDF-Download.


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