Die Waddenzee
Segeln im Gleichtakt mit der Tide

Die Nordseeinseln sind eine eigene Facette des Segelns in Holland. Strom, Häfen, die trockenfallen, endlose Strände – ein Muss für Naturfans

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 13.04.2011

M. Amme

Die fünf bewohnten Inseln des niederländischen Wattenmeeres fordern Segler. Es will mit Gezeitentafeln, Wasserständen, Strom gegen Wind und anderen Phänomenen umgegangen werden. Das verlangt schon einmal Wartezeiten bis zum Ein- oder Auslaufen. Oder eine Abfahrt zu früher Morgenstunde, um sicher über das nächste trockenfallende Wattenhoch zu kommen. Passagen durch flache Prickenwege wollen richtig getimt sein. Wird das Wetter ruppig, kann man schon einmal für ein, zwei Tage eingeweht werden. Ist starker Wind zu erwarten, entsteht bei Wind gegen Strom schnell eine See, die einen Hafentag nahelegt.

Doch die scheinbare Mühe wird reich belohnt. Denn in keinem anderen Revier Hollands sind Crews der Natur näher als auf den Inseln Texel, Vlieland, Terschelling, Ameland und Schiermonnikoog. Lange, strahlend weiße Strände, Dünenlandschaften mit verstreuten Wäldchen dazwischen, alte Fischerorte, Sandbänke, auf denen sich die Robben die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Wer will, bekommt von einem der Natur-Führer vor Ort das faszinierende Ökosystem Watt erklärt. Hier bestimmt die See den Lebensrhythmus, und das tut als Kontrast zum auf dem Festland so geschäftigen Treiben gut. Und die exzellent betonnten Fahrwasser machen alles leichter, als so manche Chartercrew glaubt. Selbst Eigner von Booten mit fast zwei Metern Tiefgang können hier auf ihre Kosten kommen, auch wenn es mit weniger tiefgehenden Schiffen natürlich mehr Spaß macht. Vielleicht traut sich eine Chartercrew auch mal ein Plattbodenschiff zu, die Boote sind für etwas erfahrenere Segler meist kein großes Problem im Handling. Dann lockt das einmalige Erlebnis des Trockenfallens im Watt, das man einfach einmal "gemacht" haben muss.

Waddenzee

5 Bilder

Impressionen aus der Waddenzee

Die Inseln haben trotz vieler Gemeinsamkeiten durchaus unterschiedliche Seiten, die die Waddenzee abwechslungsreich machen. Texel etwa ist das touristische Zentrum der Inselkette, im Ort Den Burg schieben im Sommer auch schon mal die Touristen scharenweise durch die Straßen. Ähnlich in Terschelling, wo man als Crew wohl wie so oft zwischen vielen Plattbodenschiffen der "Braunen Flotte" liegt und nachmittags und abends durch die engen Gassen des Ortes geschoben wird. Kneipen und Restaurants, sogar eine Insel-Disco sorgen für Kontrast zum Naturreichtum der Insel. Der ist aber nur wenige Kilometer entfernt, selbst auf Terschelling geht es im Osten, wo weite Dünen und Heidelandschaft das Bild bestimmen, beschaulich zu.

Auf Vlieland und ganz im Osten auf Schiermonnikoog geht es noch deutlich ruhiger zu. Beide sind autofrei und ideal für lange Spaziergänge am Strand. Mit dem Leihfahrrad gehen Crews auf Inselerkundung, haben Ausblicke auf Priele, Sandbänke und trockengefallene Plattbodenschiffe. Schiermonnikoog bleibt meist allerdings nur Yachten mit wenig Tiefgang vorbehalten, da der Hafen weite Teile des Tages trockenfällt.

Nicht alle Crews trauen sich den längeren Törn im Watt zu, aber für eine Stippvisite kann es auch während eines IJsselmeer- oder Friesland-Törns reichen. Wer in Harlingen ausschleust, kann auf dem Weg zur Schleuse in Kornwerderzand wenigstens Watt-Luft schnuppern. Dasselbe gilt für Crews, die von Den Oever vielleicht den kurzen Schlag nach Oudeschild auf Texel machen.

Wichtige Veranstaltungen

Revierinfos

Charter  Wer in die Waddenzee will, chartert auf dem Festland. Ideal ist als Absprung natürlich das nördliche IJsselmeer, also Workum, Stavoren, Lemmer, Medemblik oder Enkhuizen. Empfehlenswert ist es, sich um ein Schiff mit möglichst wenig Tiefgang zu bemühen, um die Zeitfenster für das Passieren von Wattenhochs oder Fahrwassern mit wenig Tiefe bei Niedrigwasser möglichst groß zu halten. Wer sich traut, mietet ein historisches Plattbodenschiff (gibt es auch in Längen um die zehn Meter) und kann so auch trockenfallen.

Navigation & Seemannschaft  Auf der Nordsee und rund um die Inseln bis zu 2,5 Meter Tidenhub. Strom auf der Nordsee bis zu 2 Knoten, in den Wattfahrwassern bis zu 4 Knoten. Wer hier segeln will, sollte sich mit Stromnavigation beschäftigt haben. Wichtig ist aber: Es gibt einfache Routen, die durch tiefe Fahrwasser führen und in Häfen enden, die nicht komplett trockenfallen, und stufenweise schwierigere. Für Anfänger empfehlen sich daher die Routen Den Oever–Oudeschild auf Texel, Kornwerderzand–Oudeschild oder etwa Harlingen–Vlieland.

Wind & Wetter  Vom Atlantischen Orkantief bis zur sonnigen Ostwindlage, alles ist möglich. Meist herrscht jedoch das wechselhafte Wetter mit Winden aus dem dritten und vierten Quadranten vor. Der Küstensaum und die Inseln verzeichnen die meisten Sonnenstunden der Niederlande (ca. 1600 pro Jahr), ab Juli nehmen aber auch dort die Regentage zu. Wetterberichte hängen in jedem Hafenbüro aus.

Häfen & Ankerplätze  Die Nordseeinseln haben jeweils eine große Marina. An den Küsten gibt es mit IJmuiden, Den Helder und Harlingen einige Hafenstädte, die angelaufen werden können. Liegeplatzpreise zwischen 10 und 22 Euro für eine 34-Fuß-Yacht, meist zzgl. Strom und Duschen, die über einen aufladbaren Schlüssel abgerech- net werden. Wer mit einer geeigneten Yacht unterwegs ist, kann im Watt trockenfallen. Ausgewiesene Ankerplätze gibt es so gut wie keine, man liegt fast immer in einem Hafen.

Literatur & Seekarten  Revierführer „Holland“ (28 Euro) für IJssel- und Markermeer. „Nordseeküste“ (29,90 Euro) für Inseln und Außenküste (beide Jan Werner, Delius Klasing Verlag). Amtliche Sportbootkarten, Serie 1810 bis 1812 (jeweils 25,90 Euro). Erhältlich im nautischen Buchhandel und unter www.delius-klasing.de/shop .


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