Friesland
Das Land der kleinen Meere

Das friesische Wort für See ist "Meere". So kamen die vielen Binnengewässer zu ihren für deutsche Ohren hochtrabend klingenden Namen

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 28.04.2011

YACHT/A.Fritsch Unterwegs in den friesischen Kanälen

"Sneekermeer", "Heegermeer", "Tjeukemeer" – in Friesland segeln Crews von einem der rund 30 mehr oder weniger großen Seen zum nächsten. Verbunden sind sie durch ein dichtes Netz aus Kanälen und Flüssen, in denen man bei jedem Wind und Wetter gut geschützt unterwegs ist. Besonders für kleine Boote und Einsteiger ein ideales Revier.

Hier segeln Crews mitten in der Landschaft, sie werden sozusagen Teil von ihr. Speziell für Seesegler und Revierneulinge ist das eine außergewöhn­liche, ungemein spannende Erfahrung. Die schilf­umsäumte Grasnarbe der topf­ebenen Wiesen ist fast zum Greifen nah. Auf Augenhöhe mit wiederkäuenden Kühen und blökenden Schafen folgen die Boote gewundenen Fluss- oder Kanalläufen.

Einmal in den tollen alten Orten wie Sloten, Sneek oder Heeg angekommen, wähnt man sich beim Stadt­bummel, nicht auf ei­nem Segeltörn. Völlig ungeniert kann man in die Gärten der Anwohner schauen. Im Kon­trast dazu stehen die Binnenseen wie das Snee­ker- oder Heegermeer. Dort wirkt dann al­les gleich viel großzügiger und weiter, als es tatsächlich ist. Mittendrin vielerorts winzige Eilande, künstlich geschaffen, und doch Naturidylle.

Seemännisch gibt es ebenfalls viel Neues zu lernen. Etwa, dass das Echolot praktisch ständig eine Null vor dem Komma zeigt und trotzdem niemand aus der Ruhe gerät. Es ist überall so flach, und der moorige Torf Frieslands verzeiht fast alles. Wer mit der Kielyacht ins Revier will, muss allerdings Abstriche machen: Bis etwa 1,3 Meter Tiefgang erreicht man die meisten Plätze, darüber wird es oft zu flach. Je kürzer der Kiel, desto mehr spannende Ecken gibt es zu erkunden.

Ebenso ungewohnt die vielen engen Begegnungen mit anderen Schiffen. Eine solche Nähe kennt man sonst allenfalls vom Straßenverkehr. Oder auch die Mini-Manöver und Wartekringel beim ungewohnten Stopp vor Brücken und Schleu­sen. Ganz zu schweigen vom surrealen Gefühl, mit der eigenen Yacht über einer vierspurigen Autobahn zu schweben – Aquädukte machen es möglich. Und überall Jollen und Kleinkreuzer, die an Ostsee und Mittelmeer schon fast ausgestorben scheinen.

Impressionen Friesland

57 Bilder

Impressionen Friesland

Wer das Revier in Angriff nimmt, kann ausschließlich binnen segeln. Oder aber die Er­weiterung mit einem Schlag über Harlin­gen in die Wadden­zee und danach ins IJssel­meer wagen. Je nach Windrichtung wird eine solche Runde mal besser mit, mal gegen den Uhrzeigersinn gesegelt. Auf jeden Fall ein perfekter Törn für eine abwechslungsreiche Woche. Hier unser Routenvorschlag sowie Tipps für lohnende Etappenstopps in Friesland.

Wichtige Veranstaltungen

Revierinfos

Charter  Diverse Chartermöglichkeiten von der Polyvalk-Jolle bis hin zur Kielyacht an diversen Stützpunkten, etwa Workum, Stavoren, Lemmer, Sneek u. a.

Häfen & Ankerplätze  Viele Marinas, teils etwas veralteter Standard in Sachen Sanitäranlagen, meist Plätze mit Heckpfählen. Von Juni bis August sind sie ab 14 Uhr ziemlich voll. Wer später kommen will, sollte reservieren (Nummern im Revierhandbuch Almanak). Viele ruhig gelegene Anlegestellen „auf der grünen Wiese“ (sogenannte Marrekrite-Plätze). Das Liegen dort ist pro Platz für drei Tage kostenlos, die Crew sollte aber den obligatorischen Marrekrite-Wimpel kaufen (und setzen), den es für 11 Euro in den Fremdenverkehrsbüros gibt.

   

Brücken & Schleusen  Gebührenpflichtig (zirka 1 bis 2 Euro). Per Angel und Holzschuh wird das „Klompengeld“ kassiert. Die Summe muss passend gezahlt werden. Vor der Brücke drängeln gilt als sehr unfein. Gewöhnungsbedürftig für Revierneulinge ist auch, dass zügig und in dichter Reihe beim Öffnen der Brücke passiert werden sollte; Verzögerungen schätzen die Brückenwärter, die für die Öffnung oft den gesamten Autoverkehr stoppen, nicht. Teils haben die Brückenwärter Mittagsruhe (12 bis 13 Uhr) und Kaffeepause (ca. 16.15 bis 17 Uhr), Öffnungszeiten im Sommer abends meist bis 20 oder 21 Uhr.

Literatur  Unverzichtbares Nachschlagewerk für jeden Törn ist der "Wateralmanak" des ANWB. Das zweibändige Werk listet unter anderem alle Telefonnummern, UKW-Kanäle sowie Öffnungszeiten von Brücken und Schleusen auf. Dazu alle Hafeninfos. Pro Band 19,50 Euro, im Fachhandel erhältlich.

    

 

 

 


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