Rund England, Podcast Teil 18

Isle of Man: Strömungslehre für Fortgeschrittene

Michael Hölzen ist auf dem Weg nach Schottland und belegt dabei einen Intensivkurs in Sachen Gezeiten und Strömung. Teil 18 des Podcasts "Die Bootschaft"

Lars Bolle am 17.07.2019

Was zieht mit zehn Knoten an einem vorbei, während man selbst gerade 2,5 Knoten durchs Wasser macht, und ist rot-schwarz angepinselt? Richtig, eine Einzelgefahrentonne mitten in der Zufahrt nach Strangford.

Sechs Stunden lang fließen hier bei Flut unfassbare Mengen Wasser in einen riesigen Binnensee, danach fließen sie sechs Stunden lang eben auch wieder raus, und mittendrin sind wir. Mit unserer Nussschale. Kein Wunder, dass hier ein Sorado für Gezeitenkraftwerke ist.

Wir haben viel gelernt in Sachen Strömung, aber immer wieder gibt es auch Momente, wo wir dann doch noch auf dem Schlauch stehen.

Die Isle of Man lernen wir erst mal von ihrer schroffen Seite kennen. Die Südspitze müssen wir umrunden, um zu unserer anvisierten Ankerbucht vor Castletown zu gelangen, aber wir haben die Rechnung ohne Chicken Rock gemacht. Wir werden zwischen Leuchtturm und Inselspitze mit fünf Knoten Stömung gegenan empfangen, trotz Druck im Segel stehen wir.

Castletown zeigt sich von seiner sehr charmanten Seite, eigentlich wollen wir an der trockenfallenden Hafenmole nur Wasser bunkern , aber ein Volksfest ist in vollem Gange, ein Badewannenrennen mitten im Hafenbecken, very british. Einmal mehr beweisen die Engländer ihren unschlagbar schönen, schrägen Humor, jeder Wettkampfteilnehmer, der während des Rennens sinkt, wird mit einem anerkennenden Applaus bedacht.

Wir bringen unser Boot zurück in die Ankerbucht und fahren mit dem Dingi in die Stadt. Als wir später wieder zum Boot zurückfahren wollen, ist das Hafenbecken komplett leer, kein Wasser weit und breit. Wir müssen das Dingi 400 Meter über Algenteppiche, Steine und Schlick bis zum Wasser schleppen, an einer glitschigen Molenmauer entlang.

Am nächsten Tag taucht unser französischer Freund und Begleiter Geoffroy unser Boot von unten ab, liefert ein HD-Video vom Unterwasserschiff, und wir können erkennen, dass nur das Antifouling bei der Grundberührung an einer Osttonne in Mitleidenschaft gezogen worden ist, kein wirkliches Problem.

Podcast Hölzen Bootschaft

Podcast-Autor Michael Hölzen

Übrigens: Micha Hölzen meint, ein ganz neues Ankerbojensystem erfunden zu haben: die adaptive Ankerboje. Na ja, sehen Sie selbst...

Auf nach Schottland – Strömungslehre für Fortgeschrittene: Der 18. Teil des Bootschaft-Segel-Podcasts von Michael Hölzen. Einfach auf die Playtaste mit dem Pfeil klicken, und los geht’s. Oder die Audiodatei über das Auswahlmenü rechts im Player herunterladen, um sie später anhören zu können. 

Bootschaft Teil 18

Und hier geht es direkt auf die „Bootschaft"-Seite von Michael Hölzen mit der Möglichkeit, seinen Podcast dort oder direkt bei iTunes zu abonnieren.

Zum Hintergrund: 

Seit 15 Jahren ist der Berliner Micha Hölzen leidenschaftlicher Segler. Auf dem Wannsee fing alles an, die erste Kenterung, aber auch der erste Ausflug auf eigenem Bug mit gerade erworbenem Binnenschein – „unbezahlbar“, wie er sagt. Danach habe ihn das Segeln mit all seinen Facetten nie wieder losgelassen, Schritt für Schritt erweiterte er seinen Horizont.

In diesem Sommer möchte er mit seinem Freund Laurenz Schlüter einen ganz besonderen Törn segeln, von dem sie schon lange geträumt haben: rund England. Die beiden Männer sind Freiberufler und können sich für den Törn eine dreimonatige Auszeit nehmen. 

Das Problem: Hölzen und Schlüter besitzen kein eigenes Boot. Und sie wollen auch keins. Chartern, leihen oder irgendwo mitsegeln kommt für sie aber auch nicht in Frage. Was also tun?

Kurzerhand fassen Hölzen und Schlüter einen Entschluss: Sie werden Bootseigner auf Zeit. Sprich, nur für die Dauer des Törns. Heißt konkret, kurz vor Beginn des Törns schaffen sie sich eine Yacht an, die sie unmittelbar danach sofort wieder verkaufen wollen.

Ob das funktioniert, ohne am Ende mit einem großen Loch im Geldbeutel dazustehen?

„Fast alle Segelfreunde haben mit dem Kopf geschüttelt, als sie von dem Plan hörten“, sagt Hölzen. Und auch diverse Bootshändler, bei denen er vorstellig wurde, winkten ab. Beirren lassen hat er sich davon nicht.

Inzwischen sind Hölzen und Schlüter Eigner einer gebrauchten First 30 von Beneteau. Schon in wenigen Wochen wollen sie zum großen Törn aufbrechen.

Als hauptberuflicher Radiojournalist berichtet Micha Hölzen regelmäßig über die Reise in einem eigenen von ihm produzierten Podcast namens „Bootschaft“. 

Podcasts lassen sich prima auf dem Weg zur Arbeit, während der Fahrt zum Schiff oder abends beziehungsweise am Wochenende daheim auf dem Sofa hören. Oder auch an einem verregneten Hafentag in der Bootskajüte.

Lars Bolle am 17.07.2019

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