Trans-Ocean

Zwei Ausnahme-Segler räumen TO-Preise ab

Der Hochseeseglerverein Trans-Ocean ist kein gewöhnlicher Club. Das wurde am Wochenende beim Festabend deutlich – nicht zuletzt durch die Wahl der Preisträger

Jochen Rieker am 05.11.2019
Trans-Ocean-Preisträger Joanna Pajkowska und Morten Brandt-Rasmussen
YACHT/J. Rieker

Trans-Ocean-Preisträger Joanna Pajkowska und Morten Brandt-Rasmussen

"Es gibt wohl keinen Ort in Cuxhaven, an dem mehr Seemeilen versammelt sind als genau hier", hatte Bert Frisch zu Beginn seiner Laudatio gesagt. Das war stark untertrieben. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gibt es im ganzen Land keinen Clubabend, an dem befahrenere Mitglieder das Saisonende feiern.

Allein acht (!) Crews, die unter dem Stander des Vereins Trans-Ocean segeln, wurden am Sonnabend in den Hapag-Hallen mit dem Weltumseglerpreis geehrt. Das an sich war schon herausragend – und sorgte für ein ebenso langes wie launiges Programm.

Auch der Trans-Ocean-Preis, die höchste Auszeichung, wurde für eine Weltumsegelung verliehen. Und was für eine! Die beeindruckende Trophäe, die von einem stilisierten Globus gekrönt ist, ging an die polnische Einhandseglerin Joanna Pajkowska. Sie war 2018 in Plymouth gestartet, hatte alle großen Kaps von West nach Ost passiert und war am 28. Mai nach nur 216 Tagen ohne Zwischenstopp zurück. Eine absolute Ausnahmeleistung. 

Die ebenso zierliche wie energische 59-Jährige hatte sich für die Fahrt, die sie in ihrer Heimat zu einer Heldin weit über den Segelsport hinaus machte, das Boot von Uwe Röttgering ausgeliehen – die 40-Fuß-Aluminium-Yacht "FanFan", mit der dieser Anfang der 2000er-Jahre selbst schon die Erde solo umrundet hatte.

Pajkowska lässt sich jedoch nicht auf die eine große Tat reduzieren. Sie hat schon mehr als 200.000 Seemeilen im Kielwasser, viele in harten Revieren, die meisten einhand oder mit kleiner Crew. Ihr Mann, der sie zum Festabend nach Cuxhaven begleitete, sagt von sich selbst: "Ich bin nur Mitsegler. Ich würde nie so extreme Törns machen wie meine Frau."

Weil der Verein sich nicht nur als Zentrum des Langfahrtsegelns, sondern stets auch als Förderer des Hochseesports versteht, fiel die Wahl des Preisträgers für den Ocean-Award völlig verdient auf Morten Brandt-Rasmussen. Der Däne hat vor sieben Jahren das Silverrudder erfunden, das Solo-Rennen rund Fünen, das sich binnen Kurzem zur größten Einhandregatta der Welt entwickelte – mit inzwischen mehr als 400 gemeldeten Yachten. Vor drei Jahren konzipierte er mit dem Vegvisir Race eine weitere Veranstaltung, diesmal für Ein- und Zweihand-Crews, die sich extrem erfolgreich entwickelt, nach den Teilnehmerzahlen sogar noch dynamischer als das Silverrudder.

Die Jury begründete die Wahl für den Ocean-Award mit der "Breitenwirkung, die von den Rennen ausgeht". Brandt-Rasmussen habe Hunderte Fahrtensegler "dazu animiert, einmal in den Regattamodus zu wechseln" und allein oder zu zweit Langstrecke zu segeln. Bei der Verleihung nannte Brandt-Rasmussen den Jedermann-Charakter der Regatten als wichtigen Erfolgsfaktor. "Wir haben versucht, so viele Barrieren wie möglich abzubauen: etwa Messbriefe oder Regelkenntnisse." Tief beeindruckt zeigte er sich vom Wirken des TO und von dem Festabend an sich: "Es ist toll zu erleben, wie viel Anerkennung und Anregung Hochseesegler hier bekommen!"

Tatsächlich schloss sich in Cuxhaven ein Kreis. Zwei weitere Preisträger, Sabine und Udo Schallenberg, die für die erfolgreiche Teilnahme am Azores-and-Back-Rennen (Azab) geehrt wurden, haben beim Silverrudder Feuer für Langstreckenregatten mit kleiner Crew gefangen. Wolfgang Quix, der Grandseigneur des deutschen Hochseesports, hat dabei als Mentor auch keine kleine Rolle gespielt. Der 82-Jährige, 1977 erster deutscher Teilnehmer beim Mini-Transat, erhielt in Cuxhaven übrigens die Ehrenmitgliedschaft.

Und dann gibt es noch einen Wachwechsel zu vermelden. Martin Birkhoff verlässt die Brücke des Vereins, den er über fünf Jahre mit viel Umsicht aus kabbeliger See in ruhigeres Wasser geführt hat. Er will mit seiner Frau Anke noch einmal los: "Erst mal nach Westen, und dann werden wir sehen, wo es uns hintreibt." An seiner Stelle wird künftig Peter Wiedekamm Trans-Ocean vorstehen. 

Jochen Rieker am 05.11.2019

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