DSV-Seglertag
Zu Gast bei dem Berliner Bähr

In der Hauptstadt trafen sich über 400 Vereinsdelegierte, um sich über das Verbandsgeschehen zu informieren und zu "networken"

  • Lasse Johannsen
 • Publiziert am 28.11.2011

DSV/U. Schreiber DSV-Präsident Rolf Bähr am Rednerpult

Brisantes stand nicht auf der Tagesordnung. Entsprechend ausgelassen war die Stimmung. In gespannte Gesichter schauten aber die Redner der programmatischen Begrüßungsansprachen. Neben dem DSV-Präsidenten Rolf Bähr war das am Freitag vor allem der für die Sportschifffahrt zuständige Staatssekretär des Bundesministeriums für Verkehr- ,Bau und Stadtentwicklung, Prof. Klaus-Dieter Scheuerle.

Scheuerle nahm zur aktuellen Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Stellung. Die bereits erfolgten, massiven Mittelkürzungen machten eine Priorisierung der Bundeswasserstraßen hinsichtlich ihrer zukünftigen Finanzierung nötig.

Die in diesem Zusammenhang diskutierte Bootsvignette halte er persönlich für den falschen Weg. Der Staatssekretär erklärte, dass bis Ende 2011 die tatsächliche Kategorisierung der einzelnen Wasserstraßen veröffentlicht werde und dann mehr Klarheit über das Thema herrsche. Er betonte aber auch, dass "der Bund es nicht allein schaffen wird, die Kosten zu tragen".

DSV-Präsident Bähr forderte die Politik auf zu verhindern, dass infolge der Reform einzelne Wassersportreviere aufgegeben werden müssen. "Deutschland ist ein Land des Wassersports. Wir sollten unsere Wasserstraßen als Wert und als Chance für unser Land und die regionalen Wirtschaftsräume sehen", sagte Bähr. Die Sicherstellung der Infrastruktur sei eine verfassungsrechtlich gebotene Staatsaufgabe, maritimer Wegezoll erinnere eher an das Mittelalter.

Auch für die von Scheuerle angekündigte Diskussion über eine Liberalisierung der Führerscheinpflicht in Deutschland kündigte der Präsident an, klar für den Erhalt der bestehenden Regel Stellung zu beziehen. "Der Sportbootführerschein in seiner bestehenden Form hat bereits weitere Reglementierungen verhindert", so Bähr. Auch im Straßenverkehr habe sich die Führerscheinpflicht als Garant für die Sicherheit bewährt. Auch ohne eine Absenkung der Führerscheinpflicht könne der Wassertourismus in Deutschland gestärkt werden, der DSV wolle gern daran mitwirken.

Die Arbeitstagung der Delegierten am Samstag lief routiniert ab. Neben den Berichten des Präsidiums und einigen formalen Anträgen nahm das Thema Nachwuchsförderung breiten Raum ein. Insgesamt konnten 41 Vereine für ihre Ausbildungsarbeit ausgezeichnet werden.

Außerdem wählten bzw. bestätigten die Delegierten der knapp 1400 DSV-Vereine die folgenden Amtsträger:
* DSV-Vizepräsident für spezielle Segeldisziplinen: Manfred Lenz (57), Windsurfingclub Dreiländersee (Wiederwahl)
* DSV-Jugendobmann: Timo Haß (37), Münchener Ruder- und Segelverein "Bayern" von 1910 (Bestätigung nach Wahl beim Jugendseglertreffen 2011)
* DSV-Kassenprüfer: Oliver Kosanke (Mühlenberger Segelclub), Mathias Perret (Bayerischer Yacht-Club) und Wolfgang Rabensdorf (Tegeler Segel-Club)

Mit großem Beifall verabschiedet wurden der bisherige DSV-Jugendobmann Wolfgang Wagner sowie Peter Becker, der 36 Jahre lang als Kassenprüfer des DSV wirkte.

Auf Initiative des DSV-Präsidiums und des Seglerrates verabschiedete der Deutsche Seglertag 2011 mit großer Mehrheit eine Erklärung zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Damit will der organisierte Segelsport "dafür Sorge tragen, dass insbesondere Kinder und Jugendliche präventiv vor sexualisierter Gewalt geschützt werden, und Personen, die sexualisierte Gewalt angewendet haben, von Tätigkeiten im Vereins-Segelsport ausgeschlossen sind". Die Delegierten schlossen sich mit dieser Erklärung einem entsprechenden Appell des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an.

Einigkeit herrschte auch bei den Finanzen. Die Jahresrechnungen 2009/2010 wurden einstimmig genehmigt und die Haushaltspläne für die Jahre 2012/ 2013 ebenfalls ohne Gegenstimmen oder Enthaltungen angenommen.

Den nächsten Deutschen Seglertag veranstaltet der Deutsche Segler-Verband mit Unterstützung des Segler-Verbandes Mecklenburg-Vorpommern vom 29. November bis zum 1. Dezember 2013 in Rostock-Warnemünde.

Zum Schluss der Tagung berichtete der Geschäftsführer der Sailing Team Germany GmbH Oliver Schwall aus seiner laufenden Arbeit. Insgesamt erhielt die GmbH im Jahr 2011 Geld- und Sachleistungen im Wert von 3,2 Millionen Euro, die zum Teil in den Ausbau der Infrastruktur des Trainingsstandorts Kiel flossen und zum Teil direkt an die Mitglieder der deutschen Segelnationalmannschaft weitergeleitet wurden.

Die deutsche Segelequipe bereitet sich zurzeit vor Perth/Australien auf ihren großen Einsatz vor. Ab 3. Dezember kämpfen die 37 Sportlerinnen und Sportler des DSV-Kaders dort bei den gemeinsamen Weltmeisterschaften aller Olympischen Klassen um eine Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in England. Zur Motivation der Seglerinnen und Segler schlossen sich die Delegierten spontan zu einem gemeinsamen Fotogruß an die Mannschaften in Australien zusammen.


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: AusbildungBahrBerlinDSVFührerscheinpflichtMitgliedsvereineReformRolf BährSeglertagSportbootführerschein

Anzeige