Aktion

Zollrazzia im Norden

Über 800 Sportboote kontrolliert / gewaltiger Aufwand, minimales Ergebnis

Pascal Schürmann am 27.08.2009

Am vergangenen Wochenende erhielten Yachteigner entlang der gesamten deutschen Nordseeküste sowie in den Häfen entlang der Elbe überraschend Besuch vom Zoll. Sage und schreibe 240 Beamte waren zwei Tage lang im Einsatz, um Schiffspapiere zu überprüfen und nach Schmuggelgut zu suchen. Verstöße wurden so gut wie keine festgestellt.

Die Aktion erfolgte im Rahmen eines Sondereinsatzes aller Hauptzollämter im Bezirk der Bundesfinanzdirektion Nord. Die „verdachtsunabhängige Kontrolle“ galt dem Reise- und Sportbootverkehr sowie den in der Region ansässigen Dienstleistungsbetrieben.

Während sich die Beamten in 120 Hafenkneipen und -restaurants auf die Suche nach Schwarzarbeitern machten und auf Fährschiffen von und nach Helgoland sowie zu anderen Nordseeinseln 1.450 Passagiere auf Verstöße gegen den zollfreien Warenverkehr kontrollierten, mussten die Skipper von 821 Sportbooten belegen, dass sie tatsächlich rechtmäßiger Eigentümer ihres Schiffs sind und auch die Mehrwertsteuer dafür korrekt entrichtet worden ist.

Das Ergebnis, zumindest was die Segler und Motorbootfahrer betraf, fiel mager aus: Lediglich 32 Eigner hatten die erforderlichen Schiffspapiere nicht an Bord. Sie müssen nun den Eigentumsnachweis nachträglich erbringen. Und nur in einem einzigen Fall stießen die Zöllner auf rot markierten Diesel im Tank. Ob dieser jedoch unrechtmäßig nach Deutschland eingeführt worden war, konnte die Zollbehörde noch nicht beantworten.

Während sich so mancher Segler fragte, was der ganze Aufwand, der schließlich auch nicht ganz billig gewesen sein dürfe, eigentlich sollte, zeigten sich die Verantwortlichen zufrieden — wenn auch aus unerwartetem Grund. Einsatzleiter Martin Burlon vom Hauptzollamt Hamburg-Hafen: „Es zeigt sich, dass wir in der neuen Struktur gut aufgestellt sind und wir durch die Bündelung der Kräfte in der Lage sind, auch in großer Fläche wirkungsvoll vollumfängliche Kontrollmaßnahmen durchzuführen.“

Zollboot im Einsatz

Was das heißt, erklärte auf Nachfrage der YACHT Arnes Petrick, Pressesprecher der Bundesfinanzdirektion Nord. Die Aktion sei nicht etwa deshalb durchgeführt worden, weil man Sportbootfahrer generell der Steuerhinterziehung oder der Schmuggelei verdächtige. Vielmehr habe man zum einen einmal „Flagge zeigen“ wollen. Petrick: „Wir wollten deutlich machen, dass wir da sind.“ Außerdem habe man nach einigen tiefgreifenden internen Umstrukturierungen die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Kontrollkräften der Hauptzollämter Hamburgs stärken wollen.

Ob sich angesichts der Erkenntnis vom Wochenende, dass so gut wie kein Sportbootfahrer gegen geltende Bestimmungen verstoßen hat, künftige Großrazzien diesen Ausmaßes damit ein für allemal erledigt haben, mochte Petrick nicht bestätigen. Einsatzleiter Burlon kündigte gar weitere derartige Einsätze an. Denn schließlich sei ja auch die Resonanz seitens der Kontrollierten „durchweg positiv“ gewesen.

Die Betroffenen sehen das freilich anders. Seit dem Wochenende wird auch im YACHT-online-Forum heftig über den Sinn oder Unsinn der Aktion debattiert. Vor allem herrscht nach wie vor große Unsicherheit, welche Nachweise genügen, um das Eigentum am Schiff glaubhaft machen zu können und wie man die abgeführte Mehrwertsteuer belegen kann.

Informationen zum letztgenannten Punkt finden sich hier.

Ein umfangreiches Merkblatt vom Zoll eigens für Sportbootfahrer gibt es hier.

Pascal Schürmann am 27.08.2009

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