Havarie

Zig Blauwassersegler in Seenot

Vor der US-Ostküste brachte ein Sturm Dutzende Teilnehmer einer Karibik-Flottille in große Schwierigkeiten. Eine Yacht ging verloren

Pascal Schürmann am 12.11.2013
ARC+ Start 2013

Im Gegensatz zu den Teilnehmern der Salty Dawg Rally startete die ARC+ am Wochenende in Las Palmas de Gran Canaria bei besten Bedingungen

Die vierköpfige Crew der amerikanischen 41-Fuß-Segelyacht "Ahimsa" musste am Freitag von einem Helikopter der US-Küstenwache abgeborgen werden. Zuvor hatte es an Bord nach Angaben der Segler sturmbedingt einen schweren Wassereinbruch gegeben, der mit den Pumpen an Bord nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. 

Es war nur einer von insgesamt fünf offiziellen Notrufen, die am Donnerstag und Freitag bei der Küstenwache eingingen. Allesamt kamen sie von Yachten, die an der Salty Dawg Rally teilnahmen. Die Crews waren tags zuvor von Hampton in Virignia aus Richtung BVIs gestartet – und genau in eine schwere Sturmfront hineingesegelt.

Nyapa vor dem Mastbruch

Die "Nyapa". Im Sturm vor der US-Ostküste verlor sie den Mast, konnte ihren Weg gen Süden aber aus eigener Kraft fortsetzen

Die Küstenwache war mit zwei Suchflugzeugen, einem Helikopter und zwei großen Rettungskreuzern stundenlang im Einsatz, um den rund 200 Meilen vor der Küste in Not geratenen Crews zur Hilfe zu eilen. Außer dem Totalverlust der "Ahimsa" brachen auf zwei weiteren Yachten die Masten, an Bord vieler anderer Boote gab es ebenfalls Schäden und auch verletzte Crewmitglieder. Ein betroffener Segler zog sich offenbar einen Armbruch zu.

Veranstalter schieben Skippern die Verantwortung zu

Warum die Blauwassersegler überhaupt angesichts des schlechten Wetters, das lange vorhergesagt war, starteten, ist unklar. Die Organisatoren der Salty Dawg Rally, Bill und Linda Knowles, lehnen jede Verantwortung ab. Allein die Skipper seien verantwortlich. Sie hätten zu entscheiden, loszusegeln oder nicht. 

Logo SDR

Bill und Linda Knowles

Bill und Linda Knowles, Veranstalter der Salty Dawg Rally

Insgesamt machen in diesem Jahr über 100 Yachten bei der Rally mit. Ein Teil des Feldes startete in New York, der andere in Hampton. Die gemeinsame Flottillenfahrt in die Karibik findet in dieser Form erst zum dritten Mal statt – und zum ersten Mal mit solch einer großen Teilnehmerzahl.

Entstanden ist die Rally, als sich vor drei Jahren eine Gruppe unzufriedener Segler von der vom britischen World Cruising Club (WCC) seit Jahren organisierten Rally namens Caribbean 1500 abgespalten hatte und unter der Bezeichnung Salty Dawg Rally eine Konkurrenzveranstaltung ins Leben rief. Im Gegensatz zum WCC wird bei der Salty Dawg Rally keine Startgebühr erhoben, und es gibt auch nicht wie beim WCC vergleichbar strenge Sicherheitsbestimmungen, was die Ausrüstung der Schiffe angeht. Entsprechend berichteten Augenzeugen, dass viele der teilnehmenden Boote nicht hochseetüchtig seien.

In den USA ist nach den Ereignissen eine Diskussion um die Sicherheit und das Können der "Salty Dawgs" entbrannt. Auch die Organisatoren sehen sich schweren Vorwürfen ausgesetzt, nicht verantwortungsbewusst gehandelt zu haben.

Caribbean 1500 wurde wegen des Sturms vorverlegt

Zumal es der World Cruising Club vorgemacht hatte, wie es richtig geht. Der Start der diesjährigen Caribbean 1500 wurde angesichts des drohenden Schwerwetters vorverlegt – mit dem Ergebnis, dass die Teilnehmer dieser Rally längst weit genug südlich und damit in Sicherheit waren, bevor der Sturm vor der Küste Virginias aufzog. 

Logo Caribbean 1500

Andy Schell

Andy Schell, Leiter der Caribbean 1500

Die Organisatoren der Caribbean 1500 reagierten entsprechend verärgert auf die unliebsamen Konkurrenten. "So etwas will niemand sehen, und es schadet dem Ansehen der gesamten Blauwassergemeinde", nahm Andy Schell für den World Cruising Club Stellung zu den Seenotfällen.

Während die diesjährigen US-Karibik-Flottillen also eher für Kontroversen sorgen, sind die ersten europäischen Atlantiküberquerer, die Teilnehmer der ARC+, am Sonntag von Las Palmas de Gran Canaria aus gestartet und bislang bei besten Bedingungen unterwegs. Das Gros der Crews, die Weihnachten auf der anderen Seite des Großen Teichs unter Palmen verbringen wollen, segelt allerdings erst in den kommenden Tagen los.

Pascal Schürmann am 12.11.2013

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