Nordwestpassage

Yvan Bourgnons "Durchsegelung" wird offiziell aberkannt

Der Name des Schweizer Abenteurers ist aus der Liste derjenigen gestrichen, die die Nordwestpassage bewältigt haben. 2018 werden wohl keine neuen hinzukommen

Uwe Janßen am 16.08.2018
Nordwestpassage
P. Guyot

Sein Törn war in mancher Hinsicht wie so viele seiner Abenteuer zuvor: wild, verwegen, eigentlich unmöglich – der Schweizer Extremsegler Yvan Bourgnon hat im vergangenen Jahr die Nordwestpassage in einem 6,30 Meter kurzen, offenen Sportkatamaran durchsegelt. Behauptet er. Tatsächlich aber ging es dabei wohl nicht mit rechten Dingen zu. Sein Name wurde nun aus der offiziellen Liste der Passagen-Durchsegler gestrichen.

Gleich nach seiner unglaublichen Reise hatte die YACHT Bourgnon mit den Gerüchten konfrontiert, die damals schon die Runde machten: Sein Törn sei nur mit unerlaubter Hilfe von außen zustande gekommen (Heft 23/2017). Bourgnon wies die Vorhaltungen strikt zurück; nur einmal habe er sich aus einer Bucht herausziehen lassen. Das aber entspricht offenbar nicht der Wahrheit. Die „Zweifel an der Redlichkeit des Schweizers“ („Neue Zürcher Zeitung“) werden nun bestätigt.

Schwere Vorwürfe der TO-Preisträgerin 

Die Trans-Ocean-Preisträgerin Susanne Huber-Curphey hatte in einem im vorigen Winter veröffentlichten Bericht über ihre zeitgleich absolvierte Reise durch die Nordwestpassage bereits geschrieben, dass Bourgnons Sportkat knapp 100 Seemeilen weit geschleppt worden sei. Damit sind die Kriterien für eine „Durchsegelung“ des legendären Seewegs bereits nicht erfüllt. Zudem habe er sich in Weld Harbour bei schlechtem Wetter sechs Tage auf einer niederländischen Yacht aufgehalten und sei dort beköstigt worden. Auch das hatte Bourgnon der YACHT gegenüber dementiert. 

Yvan Bourgnon

Bourgnon 2017 in der Nordwestpassage

Huber-Curphey, die dieser Tage auf ihrer Einhand-Nonstop-Weltumsegelung im Südatlantik unterwegs ist, berichtete zudem von weiterer Unterstützung des Abenteurers durch andere Segler. Sie selbst habe Burgnon eine Ankerkette überlassen. Sein holländischer Gastgeber habe ihn außerdem mit Kleidung und einem Schlafsack versorgt – und Bourgnon soll alle Beteiligten aufgefordert haben, diese Hilfestellung geheim zu halten.  

Das Scott Polar Research Institute an der Universität Cambridge listet seit Anbeginn alle Durchqerungen der Nordwestpassage auf, aber in dieser Causa gab es ein erhebliches Hin und Her, schließlich stand Aussage gegen Aussage. Im Zweifel für den Abenteurer? Jedenfalls wurde Bourgnon zunächst als vollwertiger Durchsegler in der Liste geführt, im Oktober dann „vorübergehend“ gestrichen und später mit dem Zusatz wieder aufgenommen, er habe Schlepp- und andere externe Hilfen in Anspruch genommen. 

Das allerdings ist nur eine halbseidene Lösung, denn unter den Umständen gilt die Passage normalerweise als nicht bewältigt. So wurden die Verantwortlichen in Cambridge mit Protesten aus der Seglerschaft überzogen, bis sie sich nun entschlossen, Bourgnons Namen endgültig zu tilgen. 

Kritische Eislage in der Passage – Glück im Unglück für Norbert Sedlacek

Zu den 286 Einträgen auf der aktuellen Liste (hier im Internet einzusehen) wird in diesem Jahr wohl kein neuer hinzukommen. Der Revierpapst und Segler-Berater Victor Wejer berichtet: „Das Eis ist überall, es gibt keine Lücke. Und die Saison geht langsam dem Ende entgegen, es beginnt schon wieder zu frieren, neues Eis hat sich bereits gebildet. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist eine Durchsegelung der Nordwestpassage in diesem Jahr nicht mehr möglich.“

Das mag ein schwacher Trost sein für Norbert Sedlacek. Dessen ambitionierter Törn auf einer Vulkanfaseryacht rund Amerika und die Antarktis endete mit technischen Problemen am 1. August auf dem Atlantik bei der Anfahrt zur Nordwestpassage – nach derzeitigem Stand der Dinge wäre er spätestens dort zu Ende gewesen.

Uwe Janßen am 16.08.2018

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