Kriminalität

Yachtverkäufer im Visier von Verbrechern

Die Masche ist bekannt, aber ihre Spielarten variieren: Wer ein Boot inseriert, bekommt aktuell verstärkt wieder Anfragen von Betrügern

Uwe Janßen am 03.06.2019
Betrug
YACHT

Dieser gefälschte US-Pass wird derzeit von angeblichen Kaufinteressenten verwendet 

Mit der wachsenden Verbreitung von Internet und E-Mails haben im Digitalen über die Jahre auch kriminelle Aktivitäten zugenommen. So berichtet die YACHT schon etwa seit der Jahrtausendwende immer wieder über sogenannte „Rip Deals“. Das sind Betrugsmaschen, die nicht nur, aber eben auch auf Bootsbesitzer abzielen. Derzeit ist nach Erkenntnissen der Redaktion diesbezüglich wieder eine erhöhte Aktivität erkennbar. Martin Dotti, 38, wundert das nicht. „Das ist in jedem Frühjahr so, weil zu der Zeit besonders viele Yachten veräußert werden sollen“, sagt der Gründer und Mitinhaber des Gebrauchtboot-Portals boat24.com, mit dem die YACHT kooperiert.

Die Methode der Verbrecher ist im Grunde relativ schnell beschrieben. Es geht zunächst immer darum, Vertrauen zum Verkäufer eines wertvollen Objekts aufzubauen, in diesem Fall einer Yacht. So reagieren die vermeintlichen Interessenten meistens per E-Mails, die massenhaft blitzschnell verbreitet sind, auf alle möglichen Inserate, ob klassisch gedruckt oder auf Börsen im Internet. Oder sie nehmen persönlichen Kontakt über eine im Inserat angegebene Telefonnummer auf. 

Segelyachten im Kleinanzeigenteil einer Zeitschrift

Hier suchen Täter ihre Opfer: Segelyachten im Kleinanzeigenteil 

Die verschickten Anschreiben sind oft floskel- und rechtschreibfehlerhaft, sodass da mit klarem Verstand betrachtet bereits das Misstrauen des Empfängers geweckt sein müsste. Dotti sagt, die Betrüger wählten absichtlich eine solch holperige Sprache, um die Kritischen von den Gutgläubigen zu trennen. „Sie geben sich extra keine Mühe. Wer so naiv ist, sich auf halbseidene Anfragen einzulassen, wird auch leichter zu verführen sein, wenn es ernst wird.“ 

Zunächst geht es den Kriminellen also darum, das Vertrauen eines Opfers zu erschleichen. Wenn dann ein Verkäufer auf die krude formulierte Interessensbekundung reagiert, beginnt ein Austausch zwischen beiden – der erste Schritt ist gemacht. 

Die Methode funktioniert generell wie bei den bekannten Massen-E-Mails, in denen völlig fremde Absender dem Empfänger viel Geld versprechen, wenn er bei Investitionen vermittelt, stellvertretend einen Lottogewinn einlöst oder auf sonst eine Weise in widrigen Lebensumständen behilflich ist. Bei dem, was anschließend geschieht, variieren dann die Spielarten, auch im Fall der Bootshandel-Betrüger. Aber schlussendlich läuft stets alles darauf hinaus, dass der Verkäufer (!) Geld ins Ausland bewegen soll.     

Das favorisierte Verfahren funktionierte anfangs zumeist mit Bargeld, dessen Zahlung aus unterschiedlichen vorgeschobenen Gründen (Provision, Schwarzgeld-Umtausch, Anwaltshonorar etc.) vor oder bei Abschluss des vermeintlichen Geschäfts zur Bedingung für den Kauf gemacht wurde. Experten schätzten die so verursachte Schadenshöhe vor Jahren schon über eine Milliarde Euro per annum. Die YACHT hatte sich in der Phase, als die Masche in Mode kam, für eine Reportage zum Schein einmal auf die Anbahnung eines solchen Deals in Italien eingelassen (Heft 9/2003) und das Thema auch in der Folge wiederholt aufgegriffen (z. B. in YACHT 21/2012). 

Die Methode ist auch bei kleiner Fallzahl lukrativ

Die Übergabe von Bargeld hat indes einen erheblichen Nachteil für die Halunken: Es muss zu einer persönlichen Begegnung zwischen Opfer und Täter kommen. Deswegen sind sie mittlerweile vermehrt dazu übergegangen, ihre Opfer zu einem bargeldlosen Transfer zu überreden. Es mag für Außenstehende schwer glaublich klingen, dass darauf jemand hereinfällt, aber es müssen bei der Menge der verschickten Mails auch nicht viele sein: Selbst bei einem riesigen Streuverlust, wenn also nur eine verschwindende Minderheit mitspielt, ist die Methode lukrativ.    

Derzeit erlebt, was den Gebrauchtboothandel betrifft, offenkundig ein Verfahren eine Renaissance, bei der die vermeintliche Seriosität des Kaufinteressenten durch die Zusendung eines Interesse heuchelnden, standardisierten Fragenkataloges (ähnlich wie schon 2014 im YACHT-Forum diskutiert) und einer Pass-Datei im PDF-Format belegen soll. Grundsätzlich lassen sich selbst von skeptischen Fachleuten an derartigen „Dokumenten“ häufig keine Fälschungsmerkmale erkennen – allerdings will das überhaupt nichts heißen. Denn als Identitätsnachweis taugt eine solche Datei nicht.

Betrug

Angebote auf der Internet-Plattform boat24.com

Sie kann beispielsweise in Teilen gefälscht sein, was in dieser digitalen Form auch mit geübtem Auge nicht erkennbar wäre, sie kann einen gestohlenen Ausweis darstellen oder mit unverdächtigen Namen und Angaben frei am Computer zusammengebaut sein. Auch dies wäre im PDF-Format nicht ersichtlich. Trotzdem suggeriert eine solche Datei mit Foto und persönlichen Angaben offenbar bei manchen Menschen, die ihr Boot verkaufen wollen, so etwas wie eine Honorigkeit des Absenders – und die Möglichkeit, ihn im Zweifel je leicht identifizieren zu können.

Bei mehreren der YACHT bekannten aktuellen Fällen im Zusammenhang mit Verkaufsangeboten für ganz unterschiedliche Boote gibt sich der vermeintliche Interessent mit einem solchen „Dokument“ als US-Amerikaner aus. Nach Auskunft der Polizei, der die YACHT die derzeit kursierende Datei zur Prüfung vorgelegt hat, ist der dabei verwendete „Pass“ für Experten leicht erkennbar gefälscht.

Bootshandel

Martin Dotti

In jedem Fall empfiehlt es sich, seltsam erscheinenden Reaktionen auf Gebrauchtboot-Inserate mit einem gesunden Misstrauen zu begegnen.

Zu dem Thema und zu seinen Präventionsmaßnahmen lesen Sie ein Interview mit Online-Plattform-Betreiber Martin Dotti in YACHT 14/2019. Das Heft ist ab dem 26. Juni im Handel.



Lassen Sie sich als Gebrauchtbootverkäufer nicht auf Geschäfte ein, die aus folgenden Gründen verdächtig erscheinen:

• Der Interessent meldet sich aus dem Ausland und kann keine überprüfbare Adresse angeben.
• Der Interessent verhandelt nicht über den Preis oder bietet gar mehr, als Sie fordern.
• Der Interessent schert sich nicht um Details der Yacht, er will sie weder sehen noch segeln.
• Der Interessent tischt wenig plausible Geschichten über seine Lebensumstände und das unbedingte Kaufinteresse an der Yacht auf.
• Der Interessent verlangt unübliche Zahlungsweisen (Bargeld, Vorab-Überweisungen, Devisenumtausch etc.).

Geschädigte sollten sich mit dem Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität der Polizei in Konstanz in Verbindung setzen, Telefon: 07531 / 5902 - 301; E-Mail: kbk@polizei.bwl.de.

Uwe Janßen am 03.06.2019

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