Havarie
Yacht-Unfall in Rimini: Fehlersuche dauert an

Mittlerweile ist das Wrack der havarierten Yacht von der Hafenmole geborgen – die Ursache für den fatalen Maschinenausfall ist noch unklar

  • Kristina Müller
 • Publiziert am 25.04.2017
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TR24 .

Eine Woche nach dem schweren Yachtunfall an der italienischen Adriaküste hat ein Kran das Schiff von der Hafenmole von Rimini geborgen, der genaue Hergang der Havarie ist aber noch unklar. Ermittlungen konzentrieren sich laut italienischen Medienberichten auf die Ursache für den Maschinenausfall, der die Bavaria am vergangenen Dienstag bei der Ansteuerung der Marina Rimini manövrierunfähig werden ließ. Sie war daraufhin in der Brandung vor der Hafeneinfahrt gekentert und von den Wellen auf die Mole gedrückt worden. Vier der sechs italienischen Crewmitglieder an Bord sind dabei ums Leben gekommen.

Rätsel um Maschinenausfall

Die italienische Küstenwache geht offensichtlich davon aus, dass der Motor erst unmittelbar vor Erreichen der Mole ausgefallen ist. Mutmaßungen gehen dahin, dass der Diesel in den Tanks der zwölf Jahre alten Yacht verunreinigt war oder dass Wasser im Tank war.

Bei der Abfahrt sei die Yacht in einem perfekten Zustand gewesen, sagte Carlo Calvelli, einer der beiden Überlebenden, im Interview mit der  italienischen Zeitung"Il Resto del Carlino". Schiffseigner Alessandro Fabbri, der auf dem Unglückstörn auch Skipper gewesen sein soll, starb bei der Havarie.

Offensichtlich hatte sich der 67-jährige Arzt aus Italien trotz der schlechten Wettervorhersage für das Auslaufen zur Überführung von Ravenna nach Sizilien entschieden. Bora aus Nordost mit bis zu 40 Knoten Windgeschwindigkeit veranlasste die Crew jedoch zur Ansteuerung von Rimini, rund 30 Seemeilen südlich von Ravenna.

Fatale Entscheidung

Der Wellenbrecher, der der Marina Rimini vorgelagert ist – eine L-förmige Steinmole – macht die Ansteuerung bei starkem auflandigem Nordost-Wind und einhergehendem Seegang allerdings sehr anspruchsvoll: Wind und Wellen drücken in Richtung Marina und Mole und lassen eine gefährliche Legerwall-Situation entstehen, insbesondere für manövrierunfähige Yachten.

Im Interview sagte Calvelli, dass die Wellen bei der Ansteuerung genau von achtern kamen und zirka drei Meter hoch waren. Die Maschine sei genau in dem Moment ausgefallen, in dem sie die schwierige Brandungszone der Mole passieren wollten. Die Versuche, sie wieder zu starten, missglückten. Wäre es früher passiert, hätte die Crew noch Zeit gehabt, ein Segel zu setzen, so Calvelli. Wäre es nur eine Minute später passiert, hätten sie die schwierige Stelle passiert gehabt. So aber wurde die Yacht auf die Steine geschleudert. Der Segler sagt, es sei wie in einem "Rennwagen ohne Bremse" gewesen und dass er bei dem Aufprall von Bord gespült worden sei.

Calvellis Schilderung steht dabei im Widerspruch zu anderen Medienberichten, die besagen, dass die beiden Überlebenden unter Deck gewesen seien. Auch wird berichtet, dass eine Welle in die Yacht eingestiegen sei, woraufhin der Motor ausgefallen sein soll.

Video der Yacht-Bergung in Rimini

Was genau sich in den Minuten vor der Kollision ereignet hat, wird möglicherweise erst die genaue Unfalluntersuchung ergeben. Fest steht jedoch schon jetzt, dass es sich um einen der schlimmsten Yachtunfälle handelt, der bisher in Italien passiert ist.


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Themen: HavarieRiminiSeenot

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