Seglertag 2017
YACHT-Dossier zur Neuwahl des DSV-Präsidenten

Was im Vorfeld geschah und warum der Kampf um die Verbandsspitze so verbissen geführt wird – eine Dokumentation der zurückliegenden Ereignisse

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 27.10.2017
YACHT 23-2017: Bericht über das Duell um den DSV-Vorsitz YACHT 23-2017: Bericht über das Duell um den DSV-Vorsitz YACHT 23-2017: Bericht über das Duell um den DSV-Vorsitz

YACHT YACHT 23-2017: Bericht über das Duell um den DSV-Vorsitz

Die YACHT berichtet in Ausgabe 23/2017, die von heute an bei den Abonnenten ist und ab Mittwoch, 2. November an den Kiosken, ausführlich über den Zweikampf um den Vorsitz des DSV-Präsidiums.

Es ist das erste Mal in der jüngeren Geschichte des Verbandes, dass im Vorfeld des Seglertags ein Duell ausgefochten wird. Während sich in den vergangenen Jahrzehnten stets schon im Vorfeld ein Konsens-Kandidat fand, treten jetzt zwei Kandidaten an:

  • Mona Küppers, Vizepräsidentin für Breitensport und seit dem Rücktritt von Andreas Lochbrunner im Frühjahr zugleich kommissarische DSV-Präsidentin;
  • Oliver Kosanke, Vorsitzender des Mühlenberger Segelclubs und Vize im Hamburgischen Landesverband des DSV.

Der Versuch einer Sondierung zwischen beiden scheiterte, da weder Küppers noch Kosanke ihren Führungsanspruch aufgeben wollten. Beide würden sich im Präsidium eigentlich ideal ergänzen: Kosanke gilt als Fachmann für Finanzen, Küppers könnte den wichtigen Bereich Breitensport voranbringen. Doch als Vizepräsident mag keiner unter dem anderen dienen. Deshalb muss der Seglertag entscheiden, wer künftig die Geschicke des Verbandes lenken soll.

Ursprünglich hatte mit Jürgen Jentsch sogar noch ein Dritter erwogen, um das Spitzenamt zu kandidieren, sich aber gar nicht mehr aufstellen lassen.

Nun lebt das Ehrenamt von der möglichst regen Beteiligung seiner Mitglieder. Von daher sind mehrere Bewerber grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings gilt dies bei Verbänden nur eingeschränkt. Denn ein "Wahlkampf" vor der eigentlichen Entscheidung Ende November in München findet nicht statt; die Kandidaten sind vielen Delegierten persönlich nicht oder kaum bekannt.

Im Fall des DSV kommt noch eine Besonderheit hinzu: Er steckt inmitten eines schon seit langem notwendigen Umbaus, dessen Zentrifugalkräfte erheblich sind. Käme es beim Seglertag zu einem knappen Ergebnis, wäre der neue Präsident oder die neue Präsidentin von Beginn an geschwächt – weshalb etliche interessierte Vereinsvorsitzende den jetzt drohenden Showdown äußerst unglücklich finden.

Denn Spannungen gibt es im Verband genug. Um sie zu verstehen, hilft ein Blick zurück.

Schon zu Beginn des Jahres traten erhebliche Konflikte im derzeit noch amtierenden DSV-Präsidium zutage. Die Vorleute des Verbandes reagierten zunehmend empfindlicher, je mehr der begonnene Restrukturierungsprozess stockte und je schneller die Kosten aus dem Ruder liefen.

Die Entwicklungen, die von außen betrachtet auch mit einiger zeitlicher Distanz noch erschreckend wirken, mündeten in Andreas Lochbrunners vorzeitigem Abschied aus dem Amt. Er ging jedoch nicht freiwillig, seinem Rücktritt war ein regelrechtes Komplott der Vizepräsidenten vorausgegangen.

Die YACHT hat die Vorgänge in Ausgabe 9-2017 dokumentiert. Unter dem nachfolgenden Link können Sie die Geschehnisse des Winters noch einmal nachlesen:

Artikel zu den Hintergründen von Andi Lochbrunners Rücktritt aus YACHT 9-2017

Der Bericht, der auf internen Dokumenten und ausführlichen Interviews mit der Verbandsführung beruhte, blieb nicht ohne Ressonanzen. In einem eilig verfassten Schreiben an die Vereine und den Deutschen Olympischen Sportbund versuchte Mona Küppers, die vermeintlichen "Fehlinformationen" der YACHT richtig zu stellen. Hier der Original-Wortlaut.

Die angeblich "falschen Schlussfolgerungen" vermochte die Darstellung des DSV jedoch nicht zu widerlegen. Im Gegenteil: Präsidium und Geschäftsstelle verstrickten sich nur weiter in ihren eigenen Aussagen, wie YACHT online in einer Stellungnahme belegte.

Eines der Streitthemen war zu diesem Zeitpunkt unter anderem die finanzielle Situation des Verbandes – auch heute noch eine der zentralen Baustellen. Vize Dietmar Reeh, der schon länger für Unwuchten in der DS-Führung sorgt, hatte in einer Korrespondenz zu einer Präsidiumssitzung selbst von einer "Krise" gesprochen, "in der wir uns aktuell bereits befinden". Reeh folgerte darin wörtlich, dass die "liquiden Mittel des Verbandes nicht reichen", um den in Gang gesetzten Veränderungsprozess zu decken.

Tatsächlich stand im Februar zu befürchten, dass der DSV mindestens 1,2 Mio. Euro an Fremdmitteln aufnehmen müsse, um seinen Verpflichtungen und Investitionsplänen in diesem Jahr nachkommen zu können. Deshalb ließ sich das Präsidium im Frühjahr auf einer Sitzung des Seglerrates einen Finanzierungsrahmen in gleicher Höhe bewilligen – auch dies ein Novum in der Verbandsgeschichte. Hier der Bericht von YACHT online vor der Sitzung  und nach der Zustimmung zum Millionen-Darlehen, der intensive Diskussionen vorausgegangen waren.

Inzwischen hat das Präsidium den Finanzbedarf deutlich reduziert – einerseits durch Sparmaßnahmen, andererseits durch Verschiebung von Investitionen. So werden nach augenblicklicher Lage der Dinge nur etwa 0,6 statt der beantragten 1,2 Mio. Euro an Schulden entstehen – ein Großteil davon für ursprünglich nicht budgetierte Kosten für Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Abfindungen.

Wie die beiden Kandidaten um das Präsidentenamt die Lage beurteilen, welche Schwerpunkte sie setzen wollen und was sie auszeichnet, lesen Sie in der neuen Ausgabe der YACHT – ab 2. November im Handel oder direkt hier online bestellen .

Es steht aber nicht nur der Vorsitz zur Wahl. Auch andere Positionen werden neu besetzt. So kandidieren Dietmar Reeh (Recht) und Udo Scheer (Finanzen) nicht wieder; mt ihrem Abgang machen sie den Weg frei für einen weitreichenden personellen Neuanfang. Ferner müssen die Delegierten des Seglertages auch über die Zukunft von Torsten Haverland (Leistungssegeln) neu abstimmen. Hier alle Kandidaten auf einen Blick.


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Themen: Deutscher Segler-VerbandDSVDSV-PräsidentDSV-PräsidiumSeglertag München 2017

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