GFK-Klassiker

Wo das Alter Yachten adelt

In Maasholm trafen sich Eigner und Crews von 65 Kunststoff-Oldimern zu den Modern Classics. Die vielen Perlen machten es der Jury schwer

Lasse Johannsen am 08.09.2014
Musto Open Race

Musto Open Race

Die seit neun Jahren am ersten Septemberwochenende in Kappeln und Maasholm stattfindende Veranstaltung war so gut besucht wie nie zuvor. Begünstigt vom perfekten Spätsommerwetter, hatten sich viele Eigner von GFK-Klassikern – sie müssen älter als 25 Jahre sein –  zur Teilnahme entschlossen. Schon Tage vor der Veranstaltung trafen die ersten Yachten ein, am Freitagnachmittag war das Becken des Yachtzentrums Kappeln bereits voll, und es wurde der erste Fachvortrag zum Thema Reparatur von Gelcoatschäden angeboten. Der laue Abend am Schleiufer bei Gulasch und Freibier wurde für manche Crews lang.

Motorenworkshop am Samstag Morgen

Motorenworkshop am Samstagmorgen

Am Samstag standen nach dem gemeinsamen Frühstück zwei weitere Workshops auf dem Programm. Reinhard Schmidt von Kiesow Bootsmotoren führte in seiner Werkstatt ein Trouble-Shooting am "lebenden Objekt" durch, und Ulli Dohrmann, Seldén-Spezialist von Ancker-Yachting, stand Rede und Antwort zum Thema Rigg.

Auf dem Wasser

Abschleppen unter Segeln

Abschleppen unter Segeln

Nachdem die Teilnehmeryachten ausgelaufen waren, führte der Seenotrettungskreuzer sie im Geschwader nach Maasholm, wo das Musto Open Race gestartet wurde. First Ship Home dieser Spaß-Regatta, die ohne Berechnung durchgeführt wird, wurde die International 806 "Sophie" von Philipp Einfeldt. Als Letzter ging der von Thomas Leptihn selbstgebaute Mini-Kutter "Lütt Bries" über die Linie, um sich auf den Parcours der Open Rallye zu begeben. Diese seemännische Geschicklichkeitsübung besteht aus drei Stationen. In diesem Jahr galt es, eine Puppe aus dem Wasser zu retten, ein Geschenk zu übernehmen und ein Manöver zu fahren – abschleppen unter Segeln.

An Land hatten die Teilnehmer schließlich noch ein Rätsel rund ums Thema GFK-Klassiker zu lösen.

Auf dem Prüfstand

Jury im Fachgespräch

Jury im Fachgespräch

Während damit alle Eigner beschäftigt waren, machten sich die Jury-Mitglieder dran, sämtliche Yachten unter die Lupe zu nehmen. Herauszufinden war, wer den Titel "Ostseeperle" am meisten verdient hat. Die Jury war von allerlei Experten besetzt. Blauwassersegler Bobby Schenk hatte die weite Anreise aus seiner bayerischen Heimat angetreten, um sich über all die Schiffe zu bewegen, die ihn an die Anfänge seiner Zeit auf dem Wasser erinnerten. So war ein Fähnrich 34 mit von der Partie, ein Schwesterschiff der "Thalassa", mit der Schenk und seine Frau Karla ab 1968 vier Jahre lang die Welt umsegelten.

Als weiteres Jury-Mitglied schritt Michael "Mike" Naujok zur Begutachtung. Der langjährige Testchef der YACHT hatte viele der Yachten einst zur Markteinführung auf Herz und Nieren geprüft. Manch Eigner bekam wertvolle Tipps vom Fachmann. Daneben konnte auch mit Kalle Dehler ein Branchen-Insider gewonnen werden, der den frühen GFK-Yachtbau seit Kindesbeinen aus nächster Nähe miterlebt und mitgestaltet hatte.

Schließlich vertrat Martin Horstbrink, Vorsitzender des Vereins GFK-Klassiker e.V., die Gründer der Veranstaltung. Horstbrink hatte vor neun Jahren gemeinsam mit Dirk Kroll zum ersten Treffen nach Maasholm geladen, und die beiden haben das Konzept erdacht, nach dem das Treffen immer noch abläuft.  

Auf dem Treppchen

Gewinner der Ostseeperle

Michael Kraske, Eigner der Senorita Helmsman "Kairos", nimmt strahlend die "Ostseeperle" von YACHT-Chefredakteur Jochen Rieker (l.) und Blauwassersegler Bobby Schenk entgegen

Am Abend erfolgte die Prämierung – nach Spanferkel und unter dem Trommelfeuer sturzbachartiger Regenfälle auf das Dach des Fetzeltes. Die "Perle der Ostsee", ein ewiger Wanderpreis, ging an die Lady Helmsman "Kairos" von Michael Kraske. Er hatte das Schiff völlig heruntergekommen übernommen und in acht Monate währender Eigenarbeit in ein Schmuckstück verwandelt.

Weil in diesem Jahr derart viele Anwärter auf die "Ostseeperle" zugegen waren, wurden weitere fünf Yachten vergeben, die in der engeren Wahl und nahezu punktgleich mit der Gewinnerin waren:

"Undine", eine Nymphe 2, Eigner Thomas Jaborsky.
"Kolibri", eine Avance 24, Eigner Mario Möller.
"Sunrise", eine S&S 34, Eigner Winfried Klaws.
"Hol die Ran", ein Delphin, Eigner Peter Hellwig.
"Aurora", eine Bandholm 33, Eigner Jan Knecht.

Gleich dreimal musste an diesem Abend Teilnehmerin Beate Keil von der Contest 25 "My Own" auf die Bühne klettern. Dass sie gemeinsam mit Gesine Strohmeier von der Bianca 27 "Louise Janani" während der Regatta eine Teilnehmeryacht freischleppen half, die festgekommen war, war der Jury für beide einen Sonderpreis für gute Seemannschaft wert. Beate Keil hatte aber auch den dritten Platz bei der seemännischen Geschicklichkeitsrallye belegt und das "Schneewittchen" gewonnen – der Preis für den GFK-Klassiker mit dem größten Potenzial zum Schmuckstück. Erster Sieger in Sachen Geschicklichkeit wurde Eike Thissen mit "Toy Box" vor Karsten Dreyer mit "Kaipuu".

Einen ausführlichen Rückblick auf die Veranstaltung finden Sie in YACHT 22, die am 22. Oktober erscheint. Die Liste mit den Gesamtergebnissen der Wettfahrt finden Sie auf der Homepage des Veranstalters.

Fotostrecke: Modern Classics 2014

Lasse Johannsen am 08.09.2014

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