Bavaria Yachtbau

"Wieder Wasser unterm Kiel"

In letzter Sekunde ist Bavaria kürzlich vor dem endgültigen Aus gerettet worden. Nun soll das Unternehmen zurück zu alter Stärke geführt werden. Aber wie?

Pascal Schürmann am 17.10.2018
Bavaria Werftgelände 2011
YACHT/M. Amme

Marktanteile zurückgewinnen und Produktionskosten senken, das sind die vorrangigen Ziele, die sich die neuen Eigentümer der im April in die Insolvenz gegangenen Bavaria-Werft in Giebelstadt gesetzt haben. Leicht zu erreichen werden sie nicht sein.

Nach monatelanger, äußerst schwieriger Investorensuche (die YACHT hatte mehrfach berichtet) war vor wenigen Wochen die Übernahme des Giebelstädter Bootsbauers durch die Berliner Restrukturierungsexperten CMP – Capital Management-Partners – bekanntgegeben worden. Die stellten nun, nachdem das Kartellamt den Kauf abgesegnet hat, ihre Pläne für die Zukunft des unterfränkischen Unternehmens vor. Am Firmensitz in der Bavariastraße 1 standen allen voran Kai Brandes, Geschäftsführender Gesellschafter von CMP, und Dr. Ralph Kudla, Partner von CMP, Rede und Antwort.

Neustart Bavaria

Symbolischer Neustart bei Bavaria. Auf Knopfdruck wurde das erste Boot unter neuer Werftführung aus der Form geholt (im Hintergrund). Von links nach rechts am Drücker:
Dr. Tobias Brinkmann, der die Bavaria-Geschäftsführung für die Dauer des Insolvenzverfahrens übernommen und den Verkaufsprozess geleitet hatte (Kanzlei Brinkmann & Partner);
Dr. Ralph Kudla, Partner beim neuen Eigentümer CMP, der die bestehende Bavaria-Geschäftsführung für die nächsten Jahre ergänzt und die Restrukturierung der Werft in Gang bringen soll;
Kai Brandes, geschäftsführender Gesellschafter des neuen Eigentümers CMP;
Erik Appel, seit Ende 2017 als COO in der Bavaria-Geschäftsführung;
Christian Hartmann, Betriebsratsvorsitzender bei Bavaria Yachtbau
 

Kudla, 45, ergänzt seit Anfang Oktober die Chefetage von Bavaria Yachtbau und steht damit den bisherigen drei Geschäftsführern in den nächsten voraussichtlich ein bis zwei Jahren zur Seite. Bis dahin soll er die Weichen gestellt haben, um das Unternehmen zurück in die Erfolgsspur zu bringen. Die drängendste Aufgabe, die es in Angriff zu nehmen gelte, so Kudla, sei die Bereinigung der Produktpalette.

Gegenwärtig umfasst das Bavaria-Programm 26 verschiedene Modelle, künftig werde es nur noch zehn bis zwölf geben. Am Anteil Segel- zu Motoryachten von gegenwärtig etwa 60 zu 40 Prozent soll sich dabei nichts ändern.

Schon bekanntgeworden war, dass man auf die in Kroatien gebaute C65 verzichtet. Per se wird der Produktionsstandort an der Adria aufgegeben, bis vor kurzem dort noch gebaute Motorboote werden künftig wieder in Giebelstadt gefertigt. Die Entwicklung und der Bau von Elektro- und Hybrid-Motoryachten wird zudem komplett eingestellt.

Hinhören, was der Markt will

Auch das Segelyacht-Programm kommt auf den Prüfstand. Welche der jüngeren Entwicklungen ein Update erhalten und welche der alten Modelle wann aus dem Markt gehen, diese Entscheidung fälle man in den kommenden vier bis sechs Monaten, so Kudla. "Dabei werden wir vor allem wieder stärker hinhören, was der Markt will." Zu diesem Zweck soll ein Händlerbeirat ins Leben gerufen werden, der die Werft bei der Gestaltung der künftigen Produktpalette berät.

"Die sich daraus ergebenden ersten echten Neuvorstellungen werden wir frühestens auf der übernächsten boot in Düsseldorf vorstellen", ergänzte der für die Produktion zuständige Geschäftsführer Erik Appel, der im Dezember 2017 ins Unternehmen gekommen war. Dabei werde man mit Bedacht vorgehen, "maximal zwei bis drei Neuentwicklungen pro Jahr" seien zunächst das Ziel.

Klar ist jetzt schon, dass die C57 fortan das größte Segelschiff sein wird, das Bavaria anbietet.

Die kleinere C50 ist zudem infolge von Produktionsschwierigkeiten aus der Fertigung genommen worden, um sie erst einmal "fertig zu entwickeln", wie es hieß. Dies sei inzwischen erfolgt, und das Schiff gehe ab November wieder in die Serienfertigung. Die gewonnenen Erkenntnisse dieses Re-Engineerings würden nun nicht nur auf das Flaggschiff, sondern auch auf die eben erst neu vorgestellte C45 übertragen.

CMP-Chef Brandes bekräftigte die Neuausrichtung ins mittlere und untere Größen- und auch Preissegment. Statt Luxusyachten wolle man etwa im Motorbootbereich verstärkt auch auf kleine Boote mit Außenborder setzen. Fürs Segelyacht-Programm solle sich der Durchschnittspreis bei 250.000 bis 300.000 Euro einpendeln, "vielleicht auch darunter", so Brandes. Dabei müsse der Fokus wieder auf die alte Stärke Bavarias gerichtet werden: das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Qualitätsversprechen muss eingehalten werden

Damit gehe nicht einher, dass man automatisch der günstigste Anbieter sein will. "Wichtiger ist, dass Bavaria wieder ein Qualitätsversprechen abgibt, das auch eingehalten wird", betont Brandes.
   
An der von der Insolvenz nicht betroffenen Katamaranproduktion in Frankreich will Bavaria unverändert festhalten. Jedoch werden die Zweirumpfer ab sofort wieder unter ihrem alten Namen "Nautitech" auf den Markt gebracht.

Die Produktion der Einrumpfer in Giebelstadt war zuletzt ins Stocken geraten, neue Modelle seien an den Produktionsmöglichkeiten und -kapazitäten der Werft vorbei entwickelt worden. Lieferschwierigkeiten, Qualitätsprobleme und steigende Kosten seien die Folge gewesen. "All das wollen wir künftig verhindern, indem wir das in der Vergangenheit ausgelagerte Engineering wieder in die Werft zurückholen", sagte Geschäftsführer Appel. Das Knowhow dafür sei vorhanden, man habe es zuletzt bloß nicht genutzt.

Überhaupt will die Werft wieder verstärkt auf die eigenen Mitarbeiter bauen. Die Quote der Leiharbeiter, die in Spitzenzeiten auf bis zu 50 Prozent geklettert war, soll künftig maximal noch zehn Prozent betragen. Dass die Stammbelegschaft von den neuen Eigentümern komplett übernommen wird, war bereits während der Kaufverhandlungen zugesichert worden. Je nachdem, wie gut die Produktion nun wieder anlaufe, soll sie binnen eines halben Jahres noch um bis zu 50 Mitarbeiter aufgestockt werden. Das entspricht in etwa der Zahl derjenigen Angestellten aus Verwaltung und Produktion, die in den zurückliegenden Monaten angesichts der unsicheren Situation abgewandert waren.

Sie zurückzuholen oder neue zu rekrutieren dürfte indes nicht einfach sein. Die Region um Giebelstadt und dem nahen Würzburg ist von prosperierenden Unternehmen geprägt, Arbeitslosigkeit so gut wie nicht existent, Fachkräfte können sich ihren Arbeitgeber quasi aussuchen. Dennoch gibt sich Appel zuversichtlich: "Bavaria ist nach wie vor ein attraktiver Arbeitgeber und hat in der Region Gewicht." Dies zeige nicht zuletzt die hohe Zahl all jener Angestellten, die der Werft in den zurückliegenden Monaten die Treue gehalten hätten.

Bald wieder 400 bis 500 Schiffe pro Jahr

Sie machen es auch möglich, dass die Produktion in den kommenden Wochen wieder voll anlaufen kann, die mit Beginn der Insolvenz verhängte Kurzarbeit ende am 31. Oktober. Ab November sollen dann wieder 400 bis 500 Boote pro Jahr die Werft verlassen.

Nicht nur in Mitarbeiter, auch in die Produktion will CMP in nächster Zeit massiv investieren. Und zwar in Höhe eine zweistelligen Millionenbetrags, der in etwa noch einmal dem bezahlten Kaufpreis entspreche. Der dürfte zwischen 10 und 20 Millionen Euro betragen haben. "Damit hat Bavaria wieder genügend Wasser unterm Kiel und kann wieder Fahrt aufnehmen", zeigte sich Kai Brandes zuversichtlich.

Nach den Ertragserwartungen gefragt, gestand Kudla jedoch ein, dass man im nun erst mit dem Neustart begonnenen und damit verkürzten Geschäftsjahr, das Ende Juli 2019 endet, mit einem Verlust rechne. Für das darauffolgende, dann erste volle Geschäftsjahr (1. 8. 2019 bis 31. 7. 2020) gehe man hingegen von einer schwarzen Null aus. "Insgesamt wird es sicher zwei bis drei Jahre dauern, bis die Restrukturierung greift", so Kudla.

Sobald dies der Fall sei, werde er aus der Geschäftsführung ausscheiden. Bis sich CMP wieder von Bavaria trennt und die Werft zum Verkauf anbietet, wird es aber wohl noch einige Jahre länger dauern. Kai Brandes: "Wir haben keine Eile. Unser Planungshorizont beträgt sechs bis sieben Jahre. Aber selbst, wenn es zehn Jahre oder mehr werden, ist das nicht schlimm." Richtig sei aber auch, dass man das Unternehmen irgendwann wieder gewinnbringend veräußern wolle. An wen, sei völlig offen. 


Wer sind die neuen Eigentümer?

CMP, mit Sitz am Kurfüstendamm in Berlin, berät institutionelle Großanleger bei der Beteiligung an mittelständischen Unternehmen in Deutschland, die sich, wie es in der Selbstdarstellung heißt, "in Sonder- und Umbruchsituationen" befinden und die einen Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro Umsatz im Jahr erwirtschaften – Bavaria hatte zuletzt noch einen Umsatz von knapp über 100 Millionen Euro erzielt. Die betroffenen Firmen würden mit Eigenkapital und operativem Knowhow unterstützt, um ihre Krise überwinden und gestärkt auf Wachstumskurs gehen zu können.

Zu diesem Zweck legt CMP sogenannte Private Equity Fonds auf, in die internationale Großanleger wie zum Beispiel Versicherungskonzerne oder Pensionsfonds investieren und aus denen Firmenübernahmen wie die von Bavaria finanziert werden. Ziel ist es, die Unternehmen nach ein paar Jahren so fit gemacht zu haben, dass sie erfolgreich am Markt bestehen und mit Gewinn an neue Investoren verkauft werden können.

"Wir packen mit an"

Im Unterschied zu den bisherigen Eignern von Bavaria – erst Bain Capital und dann Anchorage Capital und Oaktree Capital –, die die Unternehmensleitung in Giebelstadt regelmäßig und mit häufig wechselnden externen Geschäftsführern besetzten, schickt CMP eigene Leute in die übernommenen Firmen. "Wir sind stets Teil des Unternehmens; wir sind jemand, der mitanpackt", betont Kai Brandes, Geschäftsführender Gesellschafter von CMP.

Im Falle von Bavaria ergänzt fortan der ursprünglich aus Düsseldorf stammende Dr. Ralph Kudla für ein bis zwei Jahre die Geschäftsführung. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Restrukturierungs-Management und hat vor Bavaria schon andere Firmen zurück auf Kurs gebracht. Erfahrung in der Bootsbranche hat er allerdings nicht.

Ein Indiz, wenn auch keine Garantie, dass es Bavaria unter der Führung von CMP besser ergehen könnte als unter den vorhergehenden Finanzinvestoren, ist die bisherige Erfolgsbilanz der Berliner. Seit der Gründung im Jahr 2000 sei man eigenen Angaben zufolge bei insgesamt 20 Firmen eingestiegen und habe diese "positv entwickelt", wie es heißt. Momentan sei man in acht Unternehmen engagiert, zwölf habe man in den zurückliegenden eineinhalb Jahrzehnten erfolgreich veräußert.

Pascal Schürmann am 17.10.2018

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