1000 Meilen Race

Wie viel Sicherheit darf es denn sein?

Moderne Rettungstechnik kann viel. Doch wie viel braucht man für zweimal 500 Seemeilen, im Mittelmeer, im Oktober? Und was kostet es? Ein paar Überlegungen

Andreas Fritsch am 21.09.2018
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YACHT/Klaus Andrews

Die Vorbereitung des YACHT-Leser-Teams ist besonders in Sachen Sicherheit aufwändig. Der Veranstalter Pitter Yachting setzt hohe Auflagen durch zwei geforderte World-Sailing-Sicherheitszertifikate, zwei Crewmitglieder mit mindestens achtstündigem Erste-Hilfe-Kurs und einem zu benennenden Sicherheitsbeauftragten, der die Crew über Notrollen etc. informiert und einweist. Das Thema ist bereits erfüllt. Check.

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Sicherheits-Anbieter für The Race

Der Wunsch der Pitter-Truppe, den Event so sicher zu machen, dass man sich im Falle von Katastrophen-Wetter oder Unfällen sich keine Vorwürfe machen muss, ist deutlich zu spüren. Und das ist auch richtig so. In das Bild passt auch, dass Pitter nun noch zwei weitere Services anbietet, die ziemlich bemerkenswert sind. Zum einen können die Crews ein Medi-Kit des Anbieters Skipper-Card (Link zum Angebot hier) ordern, das alle wichtigen Medikamente und Materialien umfasst, die ein Laie an Bord noch nutzen kann, wie Blutdruckmesser, Stethoskop, diverse Schmerzmittel, Näh-Utensilien. So soll nicht fachkundigen Crews erspart werden, eine eigene Bordapotheke zusammenstellen zu müssen, die über das spärliche Erste-Hilfe-Kästchen von Charterbooten hinausgeht.

Kombiniert wird dies mit einem Angebot der Firma Satellite Telecom (Website hier), die auf Wunsch ein Satellitentelefon samt Datenhub für die Dauer des Rennens verleiht. Damit kann im Notfall rasch Hilfe gerufen werden, auch außerhalb der Funk- und Handyabdeckung, die auf dem Weg zwischen der kroatischen und der italienischen Küste sowie später etwa auf Höhe von Otranto hinüber nach Korfu zeitweise verlassen wird. Zudem kann im medizinischen Notfall von Skipper Card eine ärztliche Beratung in Anspruch genommen werden, die live an Bord erfolgt. Natürlich kann das Satelliten-Telefon auch für Gespräche oder den Empfang von Wettervorhersagen genutzt werden.

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Sicherheits-Anbieter für The Race

 

Die Mutter aller Ängste: MOB bei Nacht

Doch die wichtigste Frage stellt sich die Crew beim gemütlichen Vor-Start-Treffen in der alten Mühle selbst, Teilnehmer Jan spricht sie aus: Was können und wollen wir tun für den Fall eines MOB an Bord? Die einfachsten Überlegungen sind selbstverständlich: Rettungswesten werden getragen. Bei schwerem Wetter und nachts immer mit Lifebelt. Und dann steht der Segler-Alptraum im Raum: Was tun, wenn einer nachts über Bord geht und ihn die Crew aus den Augen verliert?  

Für mich als Skipper ist klar: Ich trage hier Verantwortung für sechs Menschen, die Familien oder Partner haben, aber deren Können bei richtig grobem Wetter, Stress, Schlafentzug, möglicher Seekrankheit oder schlicht und einfach Angst ich nicht wirklich abschätzen kann. Beim Training war das Wetter geradezu lieblich, zwar haben einige Nacht- und zum Teil auch etwas Langstrecken-Erfahrung im Fahrten-Modus. Aber noch niemand außer mir ist 500 Seemeilen nonstop im Regatta-Modus gefahren. Da ist es eigentlich selbstverständlich, dass man es auf jeden Fall vermeidet, sich hinterher womöglich Vorwürfe zu machen, weil man an der falschen Stelle gespart hat. 

Die Qual der Wahl ...

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So hell leuchtet eine LED-Handfackel nachts beim YACHT-Test auf der Ostsee 

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Das MOB1 von Ocean Signal

Auch deshalb sichten wir das verfügbare Sicherheitsequipment auf dem Markt: Personal Epirb satellitengestützt oder AIS oder DSC oder alles zusammen? Klassische Signalstifte oder moderne LED-Fackeln? Preise sowie das generelle Für und Wider werden abgewogen. Denn die Pitter-Schiffe haben ein Manko: Sie haben keinen AIS-Empfänger an Bord. Das heißt, die Möglichkeit, Personal-AIS-Epirbs zu nutzen, die beim Über-Bord-Gehen laufend die aktuelle Position des Verunglückten auf den eigenen Plotter bringen, auch bei Versatz durch Wind und Strom, fällt leider aus.

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LED-Fackel 

Satelliten-Epirbs haben da den Vorteil, dass sie sofort die gesamte Rettungskette auslösen; aber sie helfen der eigenen Crew nicht beim Auffinden des MOB. So entschließen wir uns für die Alternative einer kombinierten Boje mit DSC-Funk und AIS-Alarm, die so kompakt ist, dass sie an das Mundstück der Rettungsweste geklippt wird; so vergisst man nicht, sie am Mann zu tragen. Die YACHT-Kollegen hatten damit beim letzten Test auf der Ostsee gute Erfahrungen gemacht. Das Signal war auf dem AIS auch in fünf Meilen Entfernung noch zu sehen, und der DSC-Notruf ging auch zuverlässig raus. Heißt: Die gesamte Berufschifffahrt und alle Yachten, die AIS haben, können den MOB anlaufen. Und wir können an Bord unserer Bavaria 45 "Luna Mare" wenigstens über das DSC-Funkgerät eine GPS-Position sehen und darauf Kurs absetzen, falls der Sichtkontakt abreißt. Wir entscheiden uns für die MOB1 von Ocean Signal, mit knapp 300 Euro und sehr kompaktem Packmaß ein guter Kompromiss.

Aber die Gefahr, von der eigenen Crew aus dem Blick verloren zu werden und nicht per AIS zielgenau angesteuert werden zu können (dafür aber von den professionellen Rettern und anderen Yachten), lässt uns keine Ruhe. Da passt es, dass YACHT-Kollege Michael Rinck kürzlich das erste mal Hand LED-Fackeln getestet hat und schwer beeindruckt war: "Die Teile sieht man wirklich sehr, sehr weit. Wir haben sie zwar bei ruhigem Wetter nachts auf der Ostsee getestet, aber wenn du sie am ausgestreckten Arm nach oben hältst, haben wir sie fast zwei Meilen weit gesehen." Sie sind zwar nicht so hell wie ein Pyro-Stift, der natürlich auch durch die Steighöhe die Reichweite erhöht, aber dafür habe man stundenlang ein optisches Signal und müsse sich nicht auf wenige Schuss verlassen. Daher beschließt die Crew: Eine persönliche LED-Fackel wird ebenfalls angeschafft. Wer Preise vergleicht und Angebote nutzt, landet bei zirka 400 Euro für seine persönliche Sicherheit – angesichts der Tatsache, dass viele Smartphones das Dreifache kosten, sicher eine machbare Investition. Zudem kann man das Equipment womöglich nach dem Törn ja auch wieder verkaufen.

Damit ist für uns das Thema Sicherheit abgeschlossen: Manöver sind geklärt, Ausrüstung der Yacht und jedes Einzelnen sind besprochen, das Equipment ist bestellt.  

1000 Miles

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Andreas Fritsch am 21.09.2018

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