Reise

Wie riskant ist der Schweden-Törn?

In der neuen YACHT stellen wir die Schärenküste nördlich von Göteborg als Törnrevier vor. Neuerdings jedoch müssen Schwedensegler mit Einschränkungen rechnen

Pascal Schürmann am 18.06.2020
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YACHT/N. Krauss

Es hätte so schön sein können: ein entspannter Sommertörn im weitverzweigten, bestens geschützten und in diesem Sommer – ganz im Gegensatz zur deutschen Ostseeküste – wohl auch ausnahmsweise einmal sehr leeren Revier der westschwedischen Schären. YACHT-Autor Leon Schulz, der sich in diesem faszinierenden Labyrinth der Steine seit 40 Jahren bestens auskennt, hat eigens zwei Dutzend seiner Lieblingsplätze beschrieben und mit zahlreichen Tipps versehen (YACHT 14/2020, ab Mittwoch im Zeitschriftenhandel und als Digitalausgabe erhältlich).

Doch nun hat sich in der Zeit seit Redaktionsschluss die Lage unerwartet geändert. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Schweden, weil dort die Infektionszahlen mit dem Corona-Virus zuletzt stark gestiegen sind. Im Land selbst kann man zwar weiterhin frei reisen, und es besteht beispielsweise auch keine Maskenpflicht. Bei der Rückreise nach Deutschland aber droht die häusliche Isolation.

Mehrere Bundesländer haben seit Beginn dieser Woche Quarantäne-Regelungen unter anderem für Schweden-Rückkehrer erlassen. Wer aus dem Land zurückkommt, muss das Gesundheitsamt informieren und zwei Wochen lang zu Hause bleiben. Es sei denn, man kann einen negativen Corona-Test vorweisen. Diese Ausnahme gilt Stand heute in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Berlin, nicht aber in Brandenburg, Niedersachsen* und Bayern.

Die Ausnahme-Regelung: Sofern Sie nach der Rückreise aus einem Risikogebiet über ein ärztliches Zeugnis (Testungs-Ergebnis) in deutscher oder in englischer Sprache verfügen, welches bestätigt, dass keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Infektion mit dem Coronavirus vorhanden sind, müssen Sie sich nicht in Absonderung begeben. Das ärztliche Zeugnis darf höchstens 48 Stunden vor Einreise in die Bundesrepublik Deutschland vorgenommen worden sein und ist für mindestens 14 Tage nach Einreise aufzubewahren. Die Ausnahme entbindet Sie nicht von der Pflicht, nach Rückreise das zuständige Gesundheitsamt zu informieren. Bitte beachten: Die Ausnahme von der häuslichen Isolation gilt nur, wenn Sie keine Symptome aufweisen, die auf eine Erkrankung mit Covid-19 hinweisen. Treten binnen 14 Tagen nach Einreise Symptome auf, wenden Sie sich unverzüglich an das zuständige Gesundheitsamt. Dieses wird das weitere Vorgehen mit Ihnen abstimmen.

Nicht betroffen von dieser Rückkehrer-Reglung sind hingegen zum Beispiel alle, die in Nordrhein-Westfalen wohnen. Dort wurden die Corona-bedingten Einreisebestimmungen ausgesetzt. Das kann sich allerdings täglich ändern. Wer in den kommenden Wochen nach Schweden segeln möchte, sollte sich also am besten kurzfristig über die aktuell gültige Rückkehrer-Regelung in seinem Bundesland, besser noch beim Gesundheitsamt in seinem Landkreis informieren.

Einen Überblick über die aktuelle Corona-Lage in den verschiedenen Regionen Schwedens gibt es hier. Die Karte samt Daten zeigt die wöchentliche Virus-Verbreitung. Demnach sind besonders die Metropolregionen wie Stockholm betroffen, wo viele Menschen leben. Aber auch an der westschwedischen Küste hat sich das Virus zuletzt überproportional stark ausgebreitet. Was jedoch auch daran liegt, dass neuerdings mehr Tests durchgeführt werden. Vergleichsweise niedrig sind die Fallzahlen hingegen in den dünn besiedelten Gebieten, wie der Höga Kusten (siehe Reisebericht in YACHT 12/2020) im Nordosten Schwedens.

Das schwedische Tourismusbüro hat reagiert und weist infolge der deutschen Rückkehrer-Regelung aktuell darauf hin, dass sich Urlauber in Schweden vor der Rückkehr nach Deutschland testen lassen können, um einer Quarantäne daheim zu entgehen. Solch ein Negativ-Test sei aber kostenpflichtig und nur in schwedischen Privatkliniken möglich, nicht aber bei den Vårdcentralen, den öffentlichen Gesundheitszentren.

In Hamburg weist man zudem darauf hin, dass Testungen auf Covid-19 zwar auch ohne Vorliegen von Symptomen durchgeführt werden können. Es bestehe jedoch keine Pflicht der Ärzte, ohne Vorlage von Symptomen zu testen. Ein Anspruch auf eine "Negativ-Testung" gebe es daher nicht. Und die Kosten müsste zudem der Getestete selbst tragen.

Auch sollte man sich nicht darauf verlassen, vor Gericht gegen die neuen Quarantäneregelungen erfolgreich klagen zu können. Das war einzelnen Reiserückkehrern in den vergangenen Wochen zwar verschiedentlich gelungen – jedoch nur, weil zu diesem Zeitpunkt noch pauschale Regelungen in den Corona-Verfügungen der Bundesländer standen. Diese sind nun aber angepasst worden und könnten jetzt also auch vor Gericht bestehen.

Umgekehrt gilt übrigens, dass schwedische Urlauber ab Ende Juni wieder in zehn europäische Staaten reisen dürfen. Deutschland sowie Schwedens Nachbarn Dänemark, Norwegen und Finnland gehören nicht dazu, dafür aber unter anderem Spanien, Italien und Griechenland, weil diese Länder ihre Grenzen für Reisende aus Schweden geöffnet haben.

*Nachtrag: Am Freitag, den 19. 6. 2020, hat Niedersachsen neue Lockerungen ab Montag, 22.6.2020 verkündet; darunter auch die Möglichkeit, sich mittels eines Negativ-Tests von der Quarantänepflicht nach Rückkehr aus einem Risikogebiet zu befreien.

Pascal Schürmann am 18.06.2020

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