Seite 1: Orkanwarnung
So machen Sie Ihr Boot sturmfest

Nord- und Ostsee steht erneut ein Orkan bevor. Was Eigner, die ihre Boote im Wasser oder Freilager haben, jetzt tun sollten – Lehren aus vergangenen Stürmen

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 16.02.2022
Sturmopfer. Als 2017 ein Sturmtief über die Ostsee zog, hielt die Rollgenau dieser Yacht dem Starkwind nicht stand Sturmopfer. Als 2017 ein Sturmtief über die Ostsee zog, hielt die Rollgenau dieser Yacht dem Starkwind nicht stand Sturmopfer. Als 2017 ein Sturmtief über die Ostsee zog, hielt die Rollgenau dieser Yacht dem Starkwind nicht stand

YACHT/J. Rieker Sturmopfer. Als 2017 ein Sturmtief über die Ostsee zog, hielt die Rollgenau dieser Yacht dem Starkwind nicht stand

Ein zehn Meter langer Selbstbau-Fahrtenkat liegt umgedreht mit dem Deck auf dem Boden. Eine benachbarte Sirius ist mit dem Bug voran vom Trailer gerutscht. Daneben weitere von den Lagerböcken oder Trailern gewehte Yachten. Im Herbst 2013, am Tag nach Orkan "Christian", sieht das Freilager des Schleihafens Kopperby aus, als ob eine riesige Bowlingkugel durch die Bootsreihen gerollt wäre. Das ein oder andere Sturmopfer dürfte ein Totalschaden, die Blessuren an vielen anderen Schiffen beträchtlich sein.

Von den norddeutschen Küstenregionen hatte es Schleswig-Holstein an diesem 28. Oktober vor neun Jahren am schlimmsten getroffen. In der Spitze waren Windgeschwindigkeiten von 180 km/h gemessen worden. Unzählige Schäden an Hafenanlagen und Yachten wurden auch aus Flensburg, aus Kiel, aus Lübeck gemeldet. Auf den Nordseeinseln, insbesondere auf Helgoland, tobte der Sturm noch stärker, mit bis zu 191 km/h!

Für die kommenden Tage steht der deutschen Küste nun erneut ein Orkan bevor, wie wir gestern auf YACHT online berichtet haben.

Bootseigner, die ihre Schiffe im Wasser gelassen oder aber in ein Freilager an Land gebracht haben, sollten alarmiert sein – und im Zweifel schnellstens noch einmal nach dem Rechten sehen. Heißt konkret, die Festmacher prüfen und im Zweifel verstärken, die Planen doppelt und dreifach verzurren, lose Ausrüstung vom Deck räumen und eventuell das Schiff an einen anderen Liegeplatz mit größerer Wassertiefe verlegen.

Denn: Orkan "Christian" hatte vielen Eignern damals schmerzlich klar gemacht, dass der starke Wind nicht die einzige Gefahr ist – jedenfalls für die Boote, die noch im Wasser sind. Infolge des Sturms sank der Wasserstand zwischen Flensburg und Rügen 2013 drastisch, um bis zu 1,2 Meter. Allerorten drohten Boote, die noch an den Stegen lagen, sich in ihren Festmachern aufzuhängen. „Wir mussten die Leinen ständig nachjustieren“, berichtete Thedje Anker vom Winterlager- und Servicebetrieb Anker-Yachting in Kappeln. Das Problem: „Viele Eigner vertäuen die Yachten auf Slip und belegen beide Enden an Bord“, so Anker. Da komme man nur mit viel Turnerei aufs Boot.

Gefährlicher Badewanneneffekt

Ein solcher "Badewanneneffekt droht auch jetzt wieder. Heißt, erst weicht das Wasser, dann kommt es mit Macht zurück. Damals glühten anschließend die Telefonleitungen der Yachtversicherer, kaum dass der Sturm abgezogen war. Binnen 48 Stunden registrierte man etwa beim größten deutschen Bootsversicherungsvermittler Pantaenius über 100 Schadensmeldungen. Die, die keine Versicherung fürs Boot abgeschlossen hatten, mussten die Schäden aus eigener Tasche berappen.

Hauptsächlich seien Schiffe betroffen gewesen, die bereits an Land im Freilager standen. Insbesondere seien Persenninge und Sprayhoods weggeflogen und zerrissen, Bäume auf Boote gestürzt, und in einem Fall sei eine Segelyacht im Hafen gesunken, bilanzierte Pantaenius seinerzeit kurz nach dem Sturm.

So groß der Schrecken für viele Eigner nach einem solchen Unglück auch sein mag, viele Schäden lassen sich beheben. „Selbst Schiffe, die vom Lagerbock gefallen sind, müssen kein Totalschaden sein“, sagte Andreas Medicus von der Hamburger Yachtversicherung Schomacker im Nachgang zu Orkan "Christian". Er schränkte aber auch ein: „Der Reparaturaufwand wird in solchen Fällen oft hoch sein.“

Wie hoch im Einzelfall genau, dies festzustellen ist meist Aufgabe von Gutachtern und Sachverständigen. Einer von ihnen ist Uwe Baykowski. Er berichtete, dass insbesondere Schiffe, die mit stehendem Mast an Land aufgestellt worden seien, am meisten gefährdet waren.

Winddruck lässt Boote aus dem Bock kippen

„Der Winddruck im Rigg wird im Sturm so groß, dass sich die Boote regelrecht aufschaukeln und sich dann aus dem Lagerbock herausdrehen“, erklärte der Experte gegenüber der YACHT. Über kurz oder lang kippe das ganze Boot um. „Dabei kommt es vor, dass die Seitenstützen des Bocks nicht brechen oder verbiegen, sondern sich durch den Rumpf ins Bootsinnere bohren.“

Baykowski riet damls schon dringend, den Mast im Winter zu legen und separat zu lagern. Liege er längs auf dem Boot und sei dann eine Plane zeltartig darüber gespannt, biete man dem Wind unnötig viel Angriffsfläche.

Boote im Winterlager richtig und sicher abplanen

Aus den Niederlanden ist zudem bekannt, dass Schiffe in Freilagern stets mit dem Bug nach Südwest ausgerichtet werden. „Daran sollten sich auch hiesige Freilagerbetreiber halten. Wenn es im Winter stürmt, dann meist aus Südwest“, so Baykowski.

Ferner müssten Eigner und Lagerbetriebe darauf achten, dass die Lagerböcke groß genug seien. „Ist ein Bock zu schmal, stimmt der Abstützwinkel nicht, und der seitliche Halt geht verloren“, erklärt der Sachverständige. „Außerdem die Abstützplatten am Rumpf nicht mit Holzkeilen fixieren, sondern mit dicken Gummiauflagen versehen. Die sind deutlich rutschfester.“

Um lange Boote vorm Umkippen zu bewahren, ruhig zusätzlich zum Bock auch Stützen vorn und hinten montieren. „Alles, was hilft, eine seitliche Drehung des Rumpfs zu verhindern, ist gut“, so Baykowski. Schiffe, die auf Trailern an Land stehenbleiben, sollten stets mit dem Untersatz verzurrt sein. „Ein leichtes Boot ist rasch vom Trailer geweht. Es samt Trailer zu kippen, dafür ist hingegen deutlich mehr Winddruck nötig.“

Glück im Unglück haben zumindest all die vom Sturm betroffenen Yachteigner, die eine Boots­kasko abgeschlossen haben. Sie können davon ausgehen, dass ihre Versicherung für die Schäden aufkommt. Wer nicht versichert ist oder lediglich einen Bootshaftpflichtvertrag unterschrieben hat, bleibt dagegen auf den Reparaturkosten sitzen.

Und das selbst dann, wenn gar nicht der Sturm unmittelbar, sondern zum Beispiel eine andere, umgestürzte Yacht Schäden am eigenen Schiff verursacht hat. Denn die gegnerische Haftpflicht muss in einem solchen Fall nicht zahlen, wie viele irrtümlich glauben.

„Nach dem Grundsatz der Verschuldens­haftung muss ein Bootseigner oder dessen Versicherung nur für Schäden aufkommen, die durch sein eigenes schuldhaftes Verhalten herbeigeführt wurden“, erklärte Thomas Gibson von Firmenich Yachtversicherungen. Das heißt: Kann der Geschädigte nicht beweisen, dass das aufs eigene Schiff gekippte Nachbarboot unsachgemäß aufgepallt war, geht er leer aus.

Auf der sicheren Seite ist man also nur mit einer Kaskopolice – egal, ob das Boot den Winter im Wasser, im Freilager an Land oder in der Halle verbringt. Aber auch dann darf man nicht daheim die Hände in den Schoß legen, wenn ein Orkan heraufzieht. Eigner haben dafür zu sorgen, dass ihr Boot ausreichend gesichert ist. Tun sie das nicht, gefährden sie unter Umständen ihren Versicherungsschutz .

Auf der folgenden Seite: Die 3 Gebote für ein sturmfestes Boot im Winter

  • 1
    Orkanwarnung
    So machen Sie Ihr Boot sturmfest
  • 2
    So sichern Sie Ihre Yacht
    3 Gebote für ein sturmfestes Boot im Winter

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