Sir Robin Knox-Johnston

"Wenn Kap Hoorn passiert ist, kann man es schaffen"

Sir Robin Knox-Johnston siegte beim Golden Globe Race 1968 und inspirierte zahllose Segler. Nun wurde der Brite 80 Jahre alt. Interview mit dem Ausnahmeskipper

Kristina Müller am 20.03.2019
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Es ist das Jahr der runden Zahlen für Sir Robin Knox-Johnston, den Elder Statesman des Hochseesegelns schlechthin: Am 22. April 2019 ist es genau 50 Jahre her, dass der Brite als Sieger der ersten Einhand-Nonstop-Regatta um die Welt in den Hafen von Falmouth einlief. Niemandem zuvor war so ein Törn gelungen.

Am vergangenen Sonntag feierte der passionierte Hochseesegler zudem seinen 80. Geburtstag – für Sir Robin aber kein Grund, kürzer zu treten. Nachdem er noch mit 68 Jahren seine zweite Weltumsegelung beim Velux 5 Ocean Race 2007 allein absolvierte, unterstützt er zurzeit die Wiederauflage des Golden Globe Race von 1968 und hieß etwa dessen Sieger Jean-Luc Van Den Heede, 73, in Les Sables d’Olonne willkommen.

Golden Globe Race 2018 PR Ankunft Jean-Luc Van Den Heede

Ende Januar in Frankreich: Knox-Johnston (r.) feiert mit Jean-Luc Van Den Heede dessen Sieg beim Golden Globe Race 2018/19. Vor 50 Jahren war er der Sieger

Zu diesem Anlass sprach die YACHT mit Sir Robin Knox-Johnston über die Herausforderungen des Golden Globe Race früher und heute; über Einsamkeit, Durchkenterungen und die Frage, ob er selbst 50 Jahre danach noch einmal hätte starten wollen.

YACHT: Sir Robin, was halten Sie von der Neuauflage des Rennens?

Knox-Johnston: Ich finde das toll, weil es bedeutet, dass um die Welt zu segeln nicht den Reichen mit den großen Sponsoren vorbehalten ist. Nur sehr wenige Menschen finden einen Fünf-Millionen-Dollar-Sponsor. Dieses Rennen ist für Menschen, die 50 000 Pfund auftreiben können, wenn sie es nur wollen. Auch das klingt erst einmal viel, ist es aber nicht. Wohnmobile kosten mehr. Also ist das hier etwas, das ganz normale Menschen machen können. Die Boote sind einfache Fahrtenboote, die man in jeder Marina finden kann. Ich glaube, es öffnet Segeln für mehr Menschen, was ich sehr unterstütze. Dazu kommt, dass das reine Abenteuer wieder im Vordergrund steht.

Hatten Sie erwogen, selbst teilzunehmen?

Nein. Ich habe zu viel anderes zu tun. Ich bin zweimal einhand um die Welt gesegelt, das ist genug.

Hat es Sie überrascht, dass es so viele Bewerbungen und Interessenten für das Rennen gab?

Nun, da draußen sind viele Träumer. Die einen machen es dann wirklich, die anderen nicht. Die Anzahl der Teilnehmer wurde später auf 30 limitiert, 17 gingen wirklich an den Start, zum Schluss waren noch fünf im Rennen. Das hat mich nicht überrascht, und ich bin froh darüber. Ich dachte, es würden weniger sein, vielleicht nur drei. Aber wenn man erst einmal Kap Hoorn hinter sich hat, stehen die Chancen gut, es ganz zu schaffen.

Fünf Boote sind weit vor Kap Hoorn durchgekentert und haben dabei das Rigg verloren. Hat Sie diese hohe Anzahl an Mastbrüchen erstaunt?

Ja, fünf! Die Zahl zeigt schon, wie hart dieses Rennen ist. Glücklicherweise kam niemand ums Leben, sonst hätte es wohl einen Aufschrei gegeben.

Am 22. April 1969 beendete Robin Knox-Johnston das Sunday Times Golden Globe Race als erster Nonstop-Weltumsegler überhaupt. Der Film beleuchtet einen Ausnahmesegler und eine Ausnahmeleistung

Sie führen Interviews mit den havarierten Seglern. Warum?

Das Thema interessiert mich sehr. Ich versuche, Informationen von allen Teilnehmern über die Kenterungen zu bekommen. Tomy (Abhilash Tomy aus Indien verlor sein Rigg bei einer Durchkenterung im Indischen Ozean; d. Red.) habe ich vor dem Rennen geraten, dass er Treibanker ausbringen soll. Er hatte ein Schwesterschiff von meinem Boot, und ich habe das damals mit Erfolg gemacht. Aber er hat es offenbar nicht getan. Bei Susie (Goodall; d. Red.) sieht es so aus, als wären die Treibanker gerissen. Sie erzählte mir, dass sie so lange stabil in der See gelegen hätte, solange sie draußen waren. In den anderen drei Fällen sieht es so aus, als seien keine Treibanker oder Trossen ausgebracht worden. Das scheint der gemeinsame Faktor zu sein. Aber ich habe noch nicht alle interviewt. Das möchte ich erst beenden, bevor ich irgendwelche Schlüsse ziehe.

Was machen Sie dann mit den Erkenntnissen?

Ich werde sie veröffentlichen. Das sind Informationen, die jeder Segler haben sollte, zum Beispiel Langfahrer. Es geht dabei nicht um Vorwürfe oder Schuldzuweisungen, sondern darum, warum all das passiert ist und was man daraus lernen kann für das richtige Verhalten im Sturm.

Sie glauben also, dass die Havarien nicht eine Frage des Bootstyps sind, sondern der Handlungen der Segler in den Stürmen.

Ja, ich denke schon.

Ist die Herausforderung, einhand und nonstop ohne moderne Navigationsmittel um die Welt zu segeln, heute die gleiche wie vor 50 Jahren?

In einer Hinsicht ist sie kleiner: Man weiß, dass es möglich ist. Das hilft psychologisch. Ansonsten glaube ich, ist es noch exakt die gleiche. Es ist immer noch eine verdammt harte Herausforderung. Dass es härter ist, als viele der Segler dachten, sieht man ja auch daran, dass zwölf Boote ausgeschieden sind.

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Kristina Müller am 20.03.2019

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