Refit-Blog, Woche 107

Weiße Weihnachten für unsere Dehlya

Wie das Wetter an Heiligabend wird, wissen wir natürlich noch nicht. Aber die Dehlya 25 wird Weiß tragen, das steht fest. Noch glänzt sie allerdings nicht

Jochen Rieker am 05.12.2018
Refit-Dehlya bei JadeYachting
JadeYachting

Sascha Eden von Jade Yachting laminiert nach dem Spachteln der Rumpfseiten die Salonbänke an

Vor einer gefühlten Ewigkeit, genau gesagt Anfang dieses nun schon rapide zu Ende gehenden Jahres, hatten wir den Zustand unserer Refit-Kandidatin bereits mit einem Begriff aus der Medizin umschrieben. Er gilt, zumindest für ein paar Tage, auch jetzt noch: Die Dehlya befindet sich aller Mühen und weit mehr als tausend Mannstunden zum Trotz nach wie vor im Stadium der Erstverschlimmerung. 

Kein Lichtlein leuchtet von der Kajütdecke, keine Lackfläche reflektiert das Licht. Und die Rumpfseiten sehen von innen aus, als wäre das Boot vorgestern von einem Hafenschlepper gerammt, eilig überlaminiert und gespachtelt  worden. Schlimmer noch: Die Bootsbauer von Jade Yachting haben auch noch alles, was nicht fest verklebt war, ausgebaut und aus der Halle geschafft. Streng genommen kann man – wieder mal – von einem bestenfalls halbfertigen Kasko sprechen, der da in der Havermonikenstraße steht. 

Geglättet. Rumpf und Innenschale

Geglättet: An der Deckenverkleidung mussten die Übergänge gespachtelt werden, am Rumpf Unebenheiten und Fugen. Der Stringer wird mit einer Leiste verblendet

Was also ist geschehen? Und wie, um Himmels Willen, soll das bis zum nächsten, dem bisher prunkvollsten Auftritt auf der boot Düsseldorf je schick ausschauen?

Ganz einfach, sagen Hendrik Kohrs, Christian Fahl, Max Engelke und Sascha Eden. Von jetzt an könne sie nur noch besser und hübscher werden. Und dass die Talsohle schon weit durchschritten sei, auch wenn es nicht leicht zu glauben sein mag.

Das sind die Baustellen, die die vier von Wilhelmshaven bereits ganz oder weitgehend geschlossen haben:

  • An Deck haben sie die Löcher für die Genuaschienen gebohrt. Die Schienen werden nicht durchgebolzt, wie üblich, weil wir dann Löcher in der Innenschale hätten schließen müssen. Stattdessen kleben die findigen Bootsbauer spezielle Komposit-Buchsen ein, in die sie – ähnlich wie in einlaminierte Aluplatten – Gewinde schneiden können. Vorteil: Es kann keine Kontaktkorrosion geben. Wie das geht, und auch sonst den neuesten Stand der Dehlya, zeigt Lars Bolle in YACHT 3-2019 – dem Heft, das Mitte Januar erscheint, kurz vor der boot.
  • In der Kajüte haben die Jade-Jungs am vorderen, bisher spitz zulaufenden Kojenende eine Blende eingepasst. Die lässt das Boot breiter und aufgeräumter wirken und soll obendrein von oben per LED-Leiste beleuchtet, also akzentuiert werden, was bei Dunkelheit auch die Tiefe des Innenraums betont. Klingt etwas verschwurbelt, aber erfahrene Top-Designer haben uns versichert, dass das so sei. Lassen wir uns mal überraschen!
  • Ein mittlerer Albtraum war bislang der Spalt, der zwischen den seitlichen Enden der Deckenverkleidung und den Rumpfwänden gähnte. Der war weiland von Schapps verdeckt, die wir aus mehreren Gründen nicht mehr haben wollten (gefühlte Raumtiefe, visuelle Ruhe – so was halt). Ursprünglich war der Plan, den Spalt samt Rumpfwand mit nach oben verzurrtem Segeltuch zu verkleiden. Doch offenbar war der Plan zu kühn, denn wir haben keinen Segelmacher gefunden, der dafür brannte. Statt dessen werden wir die Außenhaut anders bespannen. Wie, das behalten wir noch zwei, drei Wochen für uns. Jedenfalls mussten die Jungs von Jade deshalb die Lücke zwischen Innenschale und Rumpf schließen. Das übernimmt jetzt ein passgenau zugeschnittenes und gefrästes Stück Holz, in dessen Nut verdeckt LED-Leisten verlaufen. Auch den bis ins Vorschiff ragenden Stringer verblenden sie mit einer Leiste zwecks Streckung der Linien und Brechung der Flächen. Nun ist aber gut mit dem Stylisten-Speak, Ehrenwort!
  • Und dann waren da noch andere Nuten, die störten: Jene, in denen bisher die Flügelschotten verklebt waren, wurden mit durch Micro-Balloons angedicktem West-System-Epoxid gespachtelt, ebenso die Übergänge zwischen Sitzbänken und Rumpf, die jetzt obendrein per Laminat angebunden sind. 
  • Während wir dies schreiben, kleben die Bootsbauer bereits Leerrohre für die gesamte Elektro-Installation ein und ziehen Kabel. Leider stellte sich dabei heraus, dass der werftseitig vorgesehene Kanal für die Mastverkabelung in der Decken-Innenschale blockiert ist. Also Loch rein, Kabel rein, Überlaminieren, Spachteln, Schleifen, Nochmalspachteln, Nochmalschleifen – und weiter geht's. Der übliche "Das-kann-doch-jetzt-nicht-wahr-sein-Wahnsinn" eines Total-Refits. Motto: Irgendwas ist ja immer.
  • Die demontierten Einbauten (ergo müssten wir dann wohl von "Ausbauten" sprechen) warten derweil außerhalb der Dehlya auf Schliff, Füller und Lack. Das geht in der Lackierkammer dank Absaugung und erhöhter Arbeitsfläche weit leichter von der Hand als auf zweieinhalb Quadratmeter unter Deck, noch dazu in gebückter Haltung. Außerdem knien sich Meister, Gesellen und Stift dann nicht dauernd im Weg, was bei einem 25-Fuß-Kreuzer sonst unweigerlich der Fall wäre.

Man kann also durchaus sagen, dass einiges vorangegangen ist in den vergangenen Wochen. Aber fertig oder auch nur nahezu fertig sind wir noch nicht. Das alles nämlich folgt noch bis zur Premiere auf der boot Düsseldorf:

  • Die manuelle Bedienung für unsere Kielhydraulik muss montiert werden.
  • Die Bilgenbereiche brauchen Topcoat, Backskisten und Ankerkasten ebenso.
  • Die Möbelmodule brauchen Farbe – überwiegend sehr helle, weshalb Weihnachten für unsere Dehlya weiß werden wird, völlig unabhängig vom Wetter.
  • Die Instrumente brauchen die richtigen Ausschnitte an und unter Deck.
  • Die Kabel brauchen Ordnung, Strom und Verteilerschienen.
  • Die Lampen und Lichtleisten müssen an die richtigen Stellen.
  • Die Rumpfwände brauchen ein neues Kleid (auch in Weiß).
  • Und ganz bestimmt gibt es noch so sieben, acht gar nicht so kleine Kleinigkeiten, die uns gerade entfallen sind oder – schlimmer noch – an die niemand gedacht hat.

Ein Glück, dass Hendrik und Christian notfalls auch zwischen den Feiertagen an der Dehlya arbeiten werden. Haben sie jedenfalls versprochen. Denn eins steht fest: Ab 19. Januar, 10 Uhr, ist Showtime in Düsseldorf. Da muss unsere Lady innen und außen wieder strahlen!

          

Jochen Rieker am 05.12.2018

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online