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WARNUNG: Abzocke mit Führerschein-Umschreibungen

Segelschulbetreiber greift bei Anträgen ordentlich ab

  • Mathias Müller
 • Publiziert vor 16 Jahren

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Segler mit Befähigungszeugnissen aus der DDR werden von der selbsternannten "Einleitungsstelle für Bootsführerschein-Umschreibung" an der Nase herumgeführt. Es geht um Gebühren, die völlig aus der Luft gegriffen sind und die vor allem gar nicht notwendig sind.

Denn entsprechende Anträge auf Umschreibung für Sportbootführerscheine Binnen und See können direkt und kostenfrei beim Deutschen Segler-Verband (DSV) beantragt werden.

Ein Kölner Segler meldete sich heute bei der YACHT, weil er im Gästebuch seiner Homepage ( www.blueplanetsail.de ) folgende Notiz vorfand:

Der Bundesminister für Verkehr teilt mit: "Eine Umschreibung dieser (alten, Anm. d. Red.) Befähigungszeugnisse wird dringend empfohlen bzw. ist zwingend, falls Auslandsreisen mit einem Sportboot geplant sind." Auch die Inhaber eines DDR-Befähigungsnachweises, die nicht ins Ausland fahren oder diesen im Moment nicht aktiv nutzen, sollten von der Umschreibmöglichkeit Gebrauch machen, (...). Antrag auf Bearbeitung im Internet herunterladen...

Es folgt ein Weblink mit pdf-Formular sowie eine 0180-Nummer für Beratungsgespräche. Die YACHT hat nachgehakt und eine Bauernfängerei aufgedeckt.

Beim Versuch, die angegebene Service-Nummer zu nutzen, konnte auch in der angegebenen Zeit kein Kontakt zu der so genannten "Einleitungsstelle" hergestellt werden. Unter der genannten Internet-Domain ließ sich jedoch ein Antrag auf Bearbeitung und Vorprüfung der Unterlagen für die Umschreibung der alten DDR-Führerscheine herunterladen. Das Dokument ist optisch bewusst auf offiziell getrimmt. Darin wird unter anderem eine Bearbeitungsgebühr von 31 Euro verlangt.

Weitere Recherchen ergaben, dass die Domain auf den Namen eines Wolf-Dieter Reichelt, der mit seinem Seewolf-Verlag in Essen sitzt, registriert ist. Unter der genauen Adresse war im Weiteren bei der Auskunft keine Telefonnummer zu bekommen. Weder für den Eignernamen, noch für den Verlag.

Ein Telefonat mit dem DSV bringt dagegen schon mehr Licht in den verschleiernden Nebel der "Einleitungsstelle für Bootsführerschein-Umschreibung". Für den Verband ist Reichelt nämlich ein alter Bekannter. "Schon seit über zehn Jahren zockt Reichelt diejenigen Segler ab, die nicht wissen, dass sie die Anträge auf Umschreibung auch direkt bei uns bekommen können", erklärt Dr. Germar Brockmeyer, beim DSV zuständig für das Führerscheinwesen. Das Verfahren, welches Reichelt dabei anwendet, ist recht simpel:

Unwissende schicken ihm ihre Unterlagen zu, und entrichten die 31 Euro Gebühr (plus sechsmal 55 Cent für Briefmarken). Was die Segler dafür bekommen, ist nichts weiter, als die Ummeldeformulare, die sich Reichelt zuvor vom DSV geholt hat und die er nun den Seglern zuschickt. Die 14 Euro DSV-Gebühr, welche die Segler für den neuen SBF Binnen hinlegen müssen, führen sie direkt an den Verband ab. Im Grunde genommen heißt das: rund 31 Euro für nichts! Beziehungsweise für Herrn Reichelt, der in Essen ansonsten eine Segelschule betreibt.

"Mit juristischen Mitteln ist dem Herrn nicht beizukommen", meint Dr. Brockmeyer vom DSV. Reichelt biete letztlich einen Service. Für diese zweifelhafte Dienstleistung wirbt er im Übrigen nicht nur in diversen Segel-Foren im Internet, sondern auch in Anzeigenblättern der neuen Bundesländer. Unser Tipp: einfach ignorieren!

Für alle Segler mit DDR-Führerscheinen gilt also. 1. Die Papiere sind weiterhin gültig, zumal, wenn man das Bundesgebiet nicht verlässt. 2. Umschreibeanträge können direkt von der Homepage des DSV (unter www.dsv.org, dann: "Führerscheine" - "Anträge" - "Ausstellung aufgrund anerkannter Nachweise") heruntergeladen werden - ohne einem Trittbrettfahrer Geld in den Rachen zu werfen.


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Themen: AbzockeFührerscheinHinweisUmschreibungenwarnung

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