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Vorsicht an der Schleibrücke Kappeln

Unfälle häufen sich durch Gegenverkehr

  • YACHT Online
 • Publiziert am 14.08.2002

H.-G. Kiesel YACHT Die neue Schleibrücke bei Kappeln

"Die Brücke öffnete pünktlich um 11.45 Uhr. Die Lichtzeichenanlage sprang auf ein Weiß über zwei Grün. Ich fuhr in die neue Brücke mit den anderen Sportbooten mit langsamer Geschwindigkeit, zirka zwei Knoten, auf der äußerst rechten Fahrwasserseite ein. Wir fuhren hintereinander.

Auf dem Weg in die alte Brückenöffnung, unmittelbar vor der alten Brücke, konnte ich die 'Schlei Prinzess' erkennen … In diesem Moment kam eine Segelyacht von achtern mit schneller Geschwindigkeit auf und versuchte, mich an meiner Backbord-Seite zu überholen. Als dem Schiffsführer klar wurde, dass das zu eng wurde, lief er in mein Heck und drückte mein Schiff gegen die Abweiser. Wir prallten beide zurück, und die andere Segelyacht kollidierte mit der ‚Schlei Prinzess&apos. Nach der Kollision prallte sie erneut auf mein Schiff, etwas mittschiffs.

An meinem Schiff entstand erheblicher Sachschaden, die genaue Höhe ist noch nicht bekannt. Meine Freundin hat sich durch den Aufprall erhebliche Verletzungen am rechten Knöchel und am rechten Oberschenkel zugezogen.“

Lutz Markmann aus Hamburg hat den Vorfall zur Anzeige gebracht und berichtet von mehreren Kollisionen, die im Bereich der neuen Schleibrücke schon geschehen sind. Die Wasserschutzpolizei Maasholm bestätigt, dass es dort öfters Unfälle gibt. Das Problem: Das Fahrwasser macht durch die Brückenpfeiler der neuen und der noch stehenden alten Brücke einen Knick. Somit ist das Fahrwasser bei der Einfahrt nicht einzusehen. Die Wasserschutzpolizei Maasholm rät:

— äußerst rechts steuern

— nicht überholen

— mäßig langsam fahren

und weist auf die örtlichen Regelungen hin:

— die Berufsschifffahrt hat Vorfahrt

— Sportboote untereinander richten sich nach dem Strom.

Wer mit dem Strom fährt, hat Vorfahrt. Bei Stromstillstand hat derjenige Vorfahrt, in dessen Richtung der Strom zuletzt setzte.

Eine fragwürdige Regelung. Die Strömungen in der Schlei sind keiner Tide unterworfen und somit nicht kalkulierbar. Sie werden durch Wind verursacht. Der Strom kann auch gegen den Wind fließen, wenn beispielsweise starker Ostwind das Wasser in die Schlei gedrückt hat und es wieder zurückschwappt. Natürlich lässt sich die Stromrichtung beispielsweise an Tonnen oder durch Differenzen zwischen der GPS-Geschwindigkeit und der Geschwindigkeit durch das Wasser nachweisen. Aber wie soll man bei Stromstillstand wissen, wie der Strom zuletzt gesetzt hat?

Das Hauptproblem aber liegt im nicht einsehbaren Gegenverkehr. Hier gab es schon verschiedene Bemühungen, eine Einbahn-Regelung zu erwirken, die aber bisher nicht umgesetzt wurde. Lutz Markmann jedenfalls erwägt auch eine Anzeige gegen das zuständige Amt.

Die alte Drehbrücke soll gegen Ende des Jahres abgerissen werden, wodurch die Problematik abgestellt und die engste Stelle der Passage von 22 auf rund 30 Meter vergrößert wird.


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Themen: KappelnKollisionSchleiSchleibrückeUnfall

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