ARC-Blog

Von magischen und Schreckmomenten

Nur langsam geht es gen Süden. Die ein oder andere Überraschung sorgt dafür, dass es an Bord der "Moana" dennoch nicht langweilig wird. Der Blog von Bord

Pascal Schürmann am 28.11.2019
Obst und Gemüse
M. Guhr/magsail.de

Obst- und Gemüsevorräte an Bord der "Moana"

ARC-Blog Nr. 4

"Ich wünschte, ich könnte es aufnehmen, filmen, festhalten – diese Blitze, diese riesigen Leuchtkugeln! Immer wieder schießt phosphorisierendes Plankton unter unseren Hecks hervor und blitzt noch zehn Meter achteraus plötzlich wieder auf. Es ist ein permanentes Unterwasserfeuerwerk. Wunderschön!

Das Passatsegel steht, die Nacht ist ruhig, wir gleiten mit sechs Knoten dahin. Nicht weltbewegend, aber entspannt. Und das ist nach den letzten Tagen und Wochen einfach himmlisch.

Am Himmel die Unendlichkeit. Da ist es wieder, dieses Gefühl, miniklein zu sein unter dem Firmament, wenn da oben Millionen von Sternen zu sehen sind. Auch mein geliebter Orion ist wieder da.

Das Handy gibt schon lange keinen Mucks mehr von sich, der Funk verstummt allmählich, die Landstationen sind außer Reichweite, und die mitsegelnden Schiffe verteilen sich. Nur noch drei Yachten sehe ich auf dem AIS. Um uns herum Stille, Ruhe, Einsamkeit und Zeit zum Durchatmen. Magisch? Ein großes Wort, aber hier auf dem Ozean passt es einfach.

Orangenregen und schillernde Fische

Natürlich gibt es auch die aufregenden Momente an Bord. Als plötzlich mit einem Riesenkrach das am prallsten gefüllte Obstnetz von oben kommt und jede Menge Orangen durchs Cockpit kullern – der Haken, an dem das Ganze hing, hatte sich aufgebogen. Auch die Bananenstaude hing noch dran und krachte auf den Tisch. Was für ein Glück, dass gerade keiner drunter saß!

Wir hatten das Netz schlichtweg überladen. Aber wohin mit dem vielen frischen Obst und Gemüse? In der Bilge gammelt es innerhalb eines Tages. Luft ist wichtig, aber Stauplatz rar. Selbst auf einem Katamaran ist der begrenzt.

Das Ereignis des Tages aber ist unser erster Fisch! Mit Geduld und Spucke fängt Wolfgang einen wunderbar grün-gelb-blau schimmernden Mahimahi. Es ist einer meiner liebsten Fische. Leckeres weißes Fleisch, gut für die Pfanne, und meine wiedererstarkte Crew verputzt das opulente Mahl mit Freuden.

Uns geht es gut, nur der Wind schwächelt mächtig. Wir versuchen, jeden Hauch einzufangen, aber es kostet einiges an Aufmerksamkeit und Segelwechsel. Trotzdem fühlt sich unser Fortschritt unendlich langsam an. Also heißt es weiter Südkurs, bis die Butter schmilzt, und dann rechts ab!"

DIE SKIPPERIN

Mareike Guhr, Segelsportjournalistin, Buchautorin und Weltumseglerin, ist zu ihrer nächsten großen Reise gestartet. In diesem Sommer hat sie mit ihrem Katamaran "Moana" das Mittelmeer durchquert und sich auf den Weg zu den Kanaren gemacht. Von Las Palmas di Gran Canaria aus segelt die Hamburgerin derzeit mit Gästen an Bord im Rahmen der Atlantic Rally for Cruisers (ARC) über ihren "Hausozean", wie sie den Atlantik nennt.

Und das nicht nur zum Vergnügen, sondern auch, um sich um ihr Hilfsprojekt zu kümmern. Mit ihrem Verein "Island Child Care" versorgt Guhr Kinder auf Inseln in Drittweltländern, die am besten mit dem Schiff erreichbar sind.

Mehr Infos zum Törn und zum Boot finden sich auf Guhrs Website.

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Pascal Schürmann am 28.11.2019

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