Blauwasser
Von Flauten und Haien

Longue-Route-Segler Georg Schimmelpfennig hat die Kanaren erreicht. Zuvor hatte ein ausgedehntes Schwachwindgebiet seine Geduld auf die Probe gestellt

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 19.09.2018
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YACHT/Stefan Schorr Von Flauten und Haien

Derzeit befindet sich der Düsseldorfer Einhandskipper zwischen Gomera und El Hierro. Die Düse zwischen den Inseln bringt seine "Hekla" wieder gut voran, nachdem er Anfang der Woche noch in einer Flaute festgesteckt hatte. Hier Schimmelpfennigs aktueller Bericht von Bord:

Hier hat entweder einer den Wind einfach mal so abgeschaltet oder die Doldrums nach Norden verschoben. Schon seit drei Tagen flappende Segel und nervende Blöcke. Versuche mich mittels Beschäftigungstherapie abzulenken: Duschen auf dem Vorschiff, Schiffsreinigung innen, Überprüfen von Schrauben und Muttern. Auch das Servoruder der Windfahne knöpfe ich mir vor und befreie die Anlage von beginnendem Bewuchs. All das hält mich davon ab, zu sehr ins Grübeln zu geraten.

Ich fange nämlich an, auf meine Vorräte zu schauen. Wenn ich daran denke, dass ich ja auch noch durch die richtigen Doldrums muss, könnten die irgendwann vielleicht doch mal knapp werden. Auch meinen Dieselvorrat muss ich im Auge behalten. Moment verbrauche ich Kraftstoff, um die Batterien zu laden. Junge, Junge, wenn das mal gut geht ...

Nicht nur der Wind, auch die Tierwelt macht sich rar. Lediglich einen kleinen vertrockneten Tintenfisch hatte ich eines morgens an Deck gefunden. Keine Ahnung, wie der da hingekommen ist. Vielleicht hat ihn eine Möwe als Beutestück nicht halten können. Kleinere Seemöwen sind zurzeit meine einzigen Begleiter. In den Tagen zuvor waren wenigsten ein paar Delphine vorbeigekommen.

Und dann war da, glaube ich, auch eine Haiflosse, die superschnell an "Hekla" vorbeischoss – ungefähr eine Viertelstunde, nachdem ich vor Madeira mein erstes Bad im Atlantik genommen hatte. Das lasse ich von jetzt an lieber sein. Ich habe gehört, dass die Tiere von sehr weit Blut riechen können. Und ein paar Macken an Händen und Armen von der Decksarbeit habe ich ja eigentlich immer.

Momentan versuche ich also, so gut wie möglich Weg nach Süd zu machen, um dann zwischen den Kanaren durchzugehen. Zwischen den Inseln gibt es ja meist eine Düse, die ich nutzen will.


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