Weltumsegelung

Viermal "nonstop extrem"

Zwei Teenies, ein Schweizer im Serienboot, ein Italiener im Mini – sie alle segeln gerade nonstop um die Welt

Johannes Erdmann am 09.02.2010

Alessandro di Benedetto auf seinem umgebauten Mini

Nachdem die 16-jährige Jessica Watson bereits einen Großteil der Strecke geschafft hat, startete jetzt die etwas jüngere Abby Sunderland in ihrem Kielwasser. Doch die beiden Mädchen sind nicht allein dort draußen.

Seit 25. Oktober 2009 ist auch der Schweizer Andreas von Allmen mit seiner Segelyacht "Insomnia" unterwegs, um allein und nonstop die Welt zu umsegeln. Er ist mittlerweile 50 Jahre alt und von einem Altersrekord weit entfernt — aber er segelt ein Boot, das eigentlich eher für Chartertörns im Mittelmeer konzipiert ist, als für das Südpolarmeer. Mit seiner Jeanneau Sun Fast 3200 startete er von Port Camargue in Frankreich und befindet sich mittlerweile auf dem Rückweg nach Hause. Die Reise scheint von Allmen einiges abzuverlangen, wie aus den regelmäßigen Telefonaten, die in Auszügen auf seiner Website veröffentlicht werden, zu erkennen ist.

Am Weihnachtstag vermeldete man dort beispielsweise: "Seit seinem letzten Lebenszeichen vom 16. Januar herrscht Sturm — und dieser hat es wieder einmal in sich. Das Wetter beschreibt er nicht mehr so ausführlich wie gewohnt. Die Wellen seien enorm. Er habe Schnee im Cockpit und es sei bitterkalt. Seine Stimme tönt anders als sonst. Er ist völlig erschöpft. Die letzte Woche sei reines Überleben gewesen. Er werde sich wohl noch in zwanzig Jahren nicht davon erholt haben. Klares Denken und entsprechendes Handeln mache ihm Mühe. Manchmal wisse er nicht mehr recht, wie er was tun solle. Tiefschlaf kennt Res schon seit langem nicht mehr. Unruhiger Dämmerschlaf ist seine einzige Energiequelle."

Jessica Watson bei den Hausaufgaben

Jessica Watson ist mittlerweile weit in den Südatlantik vorgedrungen und steht etwa 1.500 Seemeilen von Kapstadt entfernt. In ihren letzten Blogeinträgen berichtete sie, dass die See zurzeit "ein bisschen holperig" ist, sie sich aber dennoch zu Schularbeiten zwingt. Über den sonstigen Bordalltag schreibt sie: "Nachdem ich nun schon ein paar größere Stürme erlebt haben, ist der Umgang mit 40 Knoten Wind langsam zur Routine geworden — genau, wie Kreuzen, Halsen und Reffen fast schon reflexartig funktioniert. Aber ich bin noch vorsichtiger geworden. Denn nur die Sicherheit, dass alles zweifach geprüft wurde, lässt mich ruhig schlafen."

Doch trotz der Routine gibt es auch Überraschungen: "Als ich heute die Pantry wieder neu aus den Vorräten im Vorschiff befüllen wollte, entdeckte ich, dass mir langsam die Pringles ausgehen. Nur noch eine einzige Rolle ist an Bord! Auch die Tomatensauce und Dosenfrüchte werden knapp. Zum Glück stolperte ich aber über einen versteckten Bestand von Nutella."

Ihre Kontrahentin Abby Sunderland musste kurz nach dem Start bereits nach wenigen Tagen auf See den ersten "technischen Stopp" — eine Wortschöpfung der Nonstopsegler — einlegen. Bereits nach einer Woche auf See stellte Sunderland fest, dass die zwei Windgeneratoren und Solarpanele nicht für die Versorgung aller Verbraucher an Bord ausreichen würden und lief Cabo San Lucas in Mexico an. Auf ihrer Website erklärte sie die Gründe: "Ich habe nicht genug Diesel mit, um die fehlenden Stromkapazitäten durch die Lichtmaschinen des Diesels auszugleichen. Also werde ich in Cabo noch ein oder zwei Batterien und mehr Diesel an Bord nehmen. Auch der Windmesser funktioniert nicht mehr."

Am vergangenen Dienstag Nachmittag (Ortszeit) erreichte sie die mexikanische Hafenstadt und machte sich mit ihrem Team sogleich an die nötigen Arbeiten. Darüber hinaus wurde eine Leckage am Wasserballasttank in der Kajüte beseitigt und zusätzliche Radar-Alarmsysteme installliert, die Sunderland im Falle eines nahenden Schiffes wecken sollen. Mit den zwei zusätzlichen Batterien ist die Bank nun auf ein Volumen von 885 Ah vergrößert und der Dieselvorrat um 70 Gallonen (260 Liter) auf fast 500 Liter aufgestockt.

Abby Sunderland verlässt Cabo San Lucas

Am vergangenen Samstag ging Sunderland mit ihrer — ehemals als schnelles und leichtes Regattaboot konstruierten Open 40 "Wild Eyes" — schwer beladen von Cabo San Lucas in See. Zunächst wird sie ihr Kurs nun nach Süden Richtung Kap Hoorn führen.

Fernab allen Troubels segelt der Italiener Alessandro di Benedetto mit seinem umgebauten und vollständig eingedeckten Mini um die Welt und hat nach Verlassen von Les Sables d’Olonne im vergangenen Oktober nun mittlerweile das Seegebiet südlich von Australien erreicht. In der vergangenen Woche machten sich viele Leser seiner täglichen, kurzen Statusmeldungen große Sorgen, weil er seit 24. Januar keine Meldung mehr gesendet hatte. Gestern Abend erschien dann auf der Website die erleichternde Meldung, dass das kleine Boot beständig auf Kurs ist und mit 5,7 Knoten Richtung Neuseeland segelt. Bemerkenswert, was der Mann mit dem nur spärlich ausgebauten Boot in den Wellen des Südpolarmeeres leistet, obwohl es vor seiner Abfahrt niemand für möglich gehalten hätte, das solch eine Reise möglich ist.

Weitere Informationen:
Jessica Watson
Abby Sunderland's Blog
Andreas von Allmen
Alessandro di Benedetto

Johannes Erdmann am 09.02.2010

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


    ANZEIGE

    Weitere News und Angebote

Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online