Falado von Rhodos

Untersuchungsbericht veröffentlicht

Die BSU attestiert den Betreibern, dass nur durch Glück niemand ums Leben kam. Der Verein macht mit dem nächsten Oldie weiter

Lasse Johannsen am 17.12.2014
Das letzte Foto der "Falado"

Das letzte Foto der "Falado"

Am 9. August 2013 sank die Brigantine "Falado von Rhodos" an der Südwestküste Islands (den Bericht aus der YACHT können Sie als PDF hier kostenlos herunterladen). Nur durch Glück kam keines der Besatzungsmitglieder – unter ihnen Kinder und Jugendliche – ums Leben. So der deutliche Wortlaut der Zusammenfassung des Untersuchungsberichts 265/13 der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung auf Seite 36.

Lesart der Betreiber

Ganz anders klingt die Pressemitteilung des gemeinnützigen Betreibervereins:

"Nun liegt der Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) vor. Er stellt zusammenfassend fest, dass alle relevanten Vorschriften eingehalten wurden und sich eine eindeutige Unfallursache nicht feststellen lässt."

Wortlaut des Berichts

Tatsächlich haben sich die Verfasser der BSU große Mühe gegeben, keine Fragen offen zu lassen:

"Das Schiff war zum Unfallzeitpunkt nicht mehr seetüchtig und am Ende der Nutzungsdauer. Es ist anzunehmen, dass es in allen Bereichen des Schiffsrumpfes zu Wassereinbrüchen gekommen ist und dass diese Menge Wasser nicht mehr durch Pumpen außenbords befördert werden konnte."

Die Ursachen sind nach der Experten-Einschätzung nicht eben mysteriöser Natur, sondern sie lassen sich selbst nach dem Untergang recht konkret benennen. Denn es lag den Untersuchern ein Gutachten aus dem Jahr 1999 vor, in dem der Sachverständige Uwe Baykowski im Auftrag der Betreiber der Brigantine unter anderem die Unterdimensionierung der Schiffsverbände festgestellt und umfangreiche bootsbauerische Maßnahmen empfohlen hatte. Ohne die, so sein abschließendes Urteil vor 15 Jahren, sei das Schiff nur noch mit größter Vorsicht zu segeln. "Es ist zu vermeiden, das Schiff anhaltend größeren Belastungen auszusetzen", so der Bootsbaumeister und Erbauer der Kieler Hansekogge damals.

Vermeidbarer Untergang

Seither sind Hunderte Jugendgruppen mit dem roten Charakterschiff auf Hochseereisen unterwegs gewesen. Dabei, so die BSU, hätte der Unfall vermieden werden können, "wenn das warnende Schreiben der Werft Stapelfeldt und kritische Stimmen von Fachleuten innerhalb des betreibenden Vereins beachtet worden wären und das Gutachten des Sachverständigen konsequent in allen Punkten umgesetzt worden wäre."

Weiter wie bisher

Der Betreiberverein, der bündisch organisierten Jugendgruppen das Mannschaftssegeln auf einem traditionellen Schiff ermöglichen will, hat bereits eine Nachfolgerin für die "Falado von Rhodos" gefunden:

"Nach langer und intensiver Suche hat der Verein nun ein neues Schiff gefunden, die 'Whydah of Bristol'. Sie ist ein im Jahr 2000 in England erbauter Gaffelschoner mit Stahlrumpf, Holzdeck und zwei Holzmasten. Ein Schiff, das – selbst im Hafen liegend – Charme und Abenteuercharakter hat und sofort die Sehnsucht nach Wind und Wellen weckt."

Für die Zukunft wird abschließend angekündigt, dass Lehren aus der Katastrophe gezogen werden.

Lasse Johannsen am 17.12.2014

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