Revier
Unendliche Geschichte am Darß

DSV verurteilt den Stopp der Ausbaggerung des Nothafens / Landesverkehrsministerium und WWF suchen nach Kompromisslösung

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 19.11.2009

Kaum waren die Baggerschiffe da, mussten sie auch schon wieder abziehen. Vergangene Woche sollte nach monatelangem Gezerre endlich die versandete Zufahrtsrinne zum Nothafen Darßer Ort wieder für den Seenotkreuzer passierbar gemacht werden. Doch daraus wurde nichts.

Die Umweltorganisationen BUND und WWF stellten einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht in Greifswald. Ohne die Entscheidung der Richter abzuwarten, lenkte daraufhin das Landesverkehrsministerium Mecklenburg-Vorpommerns ein und ließ die Arbeiten, die man selbst in Auftrag gegeben hatte, stoppen.

Hintergrund ist ein Streit darüber, wo das Baggergut verklappt wird. Das Minsiterium wollte es in die Ostsee schütten lassen, der WWF bezeichnete dies als "Sanklau". Die Umweltschützer sind der Meinung, dass der ausgebaggerte Schlamm vor Ort bleiben muss. Sie wollen damit Teilbereiche des Nothafens am liebsten zuschütten und nur einen Liegeplatz für den Rettungskreuzer lassen. Auf diese Weise will man Fakten schaffen, um die beabsichtigte Renaturierung des Hafens in Gang zu bringen.

Gegenwärtig suchen beide Seiten nach einem Kompromiss. Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) sagte, die Stationierung am Darßer Ort werde keine Dauerlösung sein. Bis zur Fertigstellung eines neuen Hafens in Prerow müsse aber die Seenotrettung vor dem Fischland-Darß gesichert sein.

Unterdessen verurteilen der Deutsche Segler-Verband und der Segler-Verband Mecklenburg-Vorpommern die derzeitige Vorgehensweise des WWFauf das Schärfste. Sie kritisieren vor allem, dass der Nothafen nach der Baggerung zwar wieder vom Seenotrettungskreuzer der DGZRS, nicht jedoch von in Not geratenen Sportbooten angelaufen werden können soll.

Mit dieser Verhaltensweise verlasse der WWF einen mit den Seglerverbänden schon vor zehn Jahren protokollierten Konsens. In dem autorisierten Protokoll von damals heißt es:

"Der WWF anerkennt die Notwendigkeit eines Alternativhafens für den Nothafen Darßer Ort. Dieser kann auch erst geschlossen werden, wenn ein Alternativhafen gebaut und funktionsfähig ist. Erst danach soll der Bereich des Nothafens Darßer Ort renaturalisiert werden."

Die beiden Verbände bekräftigen noch einmal ihren Standpunkt, dass jedes durchführbare Projekt zur Errichtung eines Alternativhafens am Darß wie bereits in der Vergangenheit unterstützt werde. Solange ein funktionsfähiger Alternativhafen nicht vorhanden sei, würden die Verbände jedoch für die Befahrbarkeit des Hafen Darßer Ort eintreten, da "für uns der Schutz von Menschenleben dem Umweltschutz vorgehen muss".

Zugleich fordere man den Minister für Verkehr, Bau und Landesentwicklung auf, den Deutschen Segler-Verband und den Segler-Verband Mecklenburg-Vorpommern als unmittelbar betroffene Interessenvertreter endlich an dem Verfahren zu beteiligen.


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Themen: BaggerungDarßer OrtDSV

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