Fundstück

Unbemannte Atlantiküberquerer

Schüler aus den USA schickten selbstgebaute Modellsegelboote auf große Fahrt. Nach 442-tägiger Odyssee schaffte es eines bis nach Europa

Michael Rinck am 13.03.2014
Crimson Tide

Die "Crimson Tide", kurz nachdem sie ein Fischer aus dem Englischen Kanal gezogen hat

Ein Fischer von Guernsey staunte nicht schlecht, als er im Englischen Kanal auf ungewöhnliches Treibgut stieß. Bei näherer Betrachtung entpuppte sich das nämlich als ein nur fünf Fuß großes Miniatursegelboot. Wo es herkam, ließ sich rasch feststellen: An Bord war nicht nur eine Erklärung über die Herkunft sowie den Sinn und Zweck des Projekts in drei Sprachen aufgedruckt – die Absender, Schüler aus Morristown im Bundesstaat New Jersey an der US-Ostküste, hatten auch ein Klassenfoto von sich aufs Deck geklebt.

Die "Crimson Tide", so der Name des Minibootes, war von den Schülern unbemannt auf die Reise geschickt worden. Da es zudem über keinerlei Steuerung verfügte, war es Wellen und Stürmen mehr oder weniger hilflos ausgesetzt – monatelang. Harte Wetterbedingungen werden es wohl auch gewesen sein, die der Nussschale irgendwann den Mast gekostet haben. Sie kam jedenfalls gänzlich ohne Rigg in Europa an, dafür war der Rumpf übersät mit Algen, Seepocken und Muscheln.

Trotz der ein Jahr und drei Monate langen Odyssey über den Atlantik war die "Crimson Tide" zu keiner Zeit verschollen. Per GPS-Tracker konnte die Fahrt des eher primitiv besegelten Hochseezwergs verfolgt werden. Der legte am Ende sage und schreibe 3000 Seemeilen zurück.

Route der "Crimson Tide"

Der Zickzack-Kurs der "Crimson Tide" (rote Linie). die beiden anderen Linien sind die Kurse zweier weiterer unbemannter Segelboote

Die "Crimson Tide" ist nur eines von mehreren Miniatursegelbooten, die derzeit auf dem Atlantik umherirren. Das Ganze ist eine Art Schulwettbewerb. Die Idee dazu hatte der US-Amerikaner Dick Baldwin, der auf seiner Website Educational Passages von 28 unbemannten Booten berichtet, die seit 2008 von Schülern selbst gebaut und dann zu Wasser gelassen wurden.

Schon einmal landete eines der Vehikel an der europäischen Küste. Es wurde von den Schülern der Old Town Elementary School von Cape Hatteras aus gestartet und schaffte es bis an die irische Küste. Dort hängt es jetzt in einem Pub. Wahrscheinlich der Ort, wo man auch nach einer Atlantiküberquerung auf einem richtigen Boot zuerst hingehen würde.

Michael Rinck am 13.03.2014

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