Forschung
Unbemannt über den großen Teich

Roboter-Boot nimmt Kurs auf die Karibik / Erstes offizielles Rennen der Micro-Segler – mit einem Teilnehmer

  • Pascal Schürmann
 • Publiziert am 15.09.2010

Department of Computer Science, Aberystwyth University "Pinta", das erste Robotersegelboot, das über den Atlantik will, wird zur Startlinie geschleppt

Wissenschaftler der britischen Universität von Aberystwyth haben ein computergesteuertes Segelboot auf Langfahrt geschickt. Der Start erfolgte an der Westküste Irlands, Ziel ist die Karibik. Die Chancen der drei Meter langen „Pinta“, den dreimonatigen Törn erfolgreich zu absolvieren, sind jedoch gering.

Vergangenen Samstag um 13.45 Uhr GMT war es so weit. Computerspezialist und Segelenthusiast Dr. Mark Neal und sein Team schickten die "Pinta", so der Name des unbemannten Boots, auf ihren Weg über den Atlantik. Nach einigen anfänglichen Kreuzkursen hat sie den ersten Wegepunkt des offiziellen Rennparcours passiert und befindet sich derzeit rund 40 Seemeilen vor der westirischen Küste.

Offiziell nimmt "Pinta" an der Microtransat Challenge teil. Dabei handelt es sich um ein Rennen über den Atlantik von Ost nach West, an dem ausschließlich 100 Prozent autonome Segelboote teilnehmen dürfen. Absicht der Veranstalter ist es, mittels des Rennens die Entwicklung solch autonomer Yachten weltweit voranzutreiben.

Bis zum Starttag hatte es allerdings nur das Aberystwyth-Team geschafft, ein konkurrenzfähiges Boot fertigzustellen. Ein zweites Team aus Frankreich musste seine Teilnahme kurzfristig absagen, hofft aber, in einigen Wochen nachziehen zu können.

Eine erste Bewährungsprobe hat die "Pinta" bereits bestanden. Zu Beginn der Woche musste sie zwischenzeitlich mit knapp 30 Knoten Wind kämpfen. Doch das war wohl nur ein Vorgeschmack auf das, was in Kürze auf das Boot zukommt.

Department of Computer Science, Aberystwyth University "Pinta" wird zu Wasser gelassen

„Vorhergesagt sind für die kommenden Tage bis zu 40 Knoten Wind", berichtet "Pinta"-Initiator Neal. Zwar sei diese sehr wohl gerüstet, auch der einen oder anderen Kenterung standzuhalten. "Einer dauerhaften Extrembelastung wird die empfindliche Technik an Bord aber kaum gewachsen sein", so Neal. Auch wenn diese so gut es eben ging gegen eindringendes Wasser abgeschottet sei.

Das Boot, eine 2,95 Meter lange und 1,20 Meter breite Kieljolle mit Bermudarigg vom Typ Topper Taz, ist ausgestattet mit einem Bordcomputer, in dem die Rennstrecke gespeichert ist, ferner Windsensoren und einem GPS. Den Strom dafür liefern 16 12-Volt-Batterien, die mithilfe von Solarzellen permanent nachgeladen werden. Über ein Satellitentelefon übermittelt das Boot täglich seine aktuelle Position ans Landteam.

Zum Trimmen ist eine elektrische Winsch an Bord, gesteuert wird mithilfe eines Pinnenpilots. Pinta verdrängt rund 150 Kilogramm, 25 Kilogramm hängen als Ballast am knapp einen Meter tiefgehenden Kiel.

Ob die ausreichen, das Boot selbst nach mehreren Kenterungen immer wieder aufzurichten, bezweifelt selbst Dr. Neal. "Falls wir "Pinta" in ein paar Tagen verlieren, wovon ich ausgehe, können wir uns immerhin rühmen, Urheber des ersten autonomen Segelschiffswracks der Welt zu sein." So etwas nennt man dann wohl britischen Humor.

Google/Microtransat.org "Pintas" Kurs seit dem Start vor der Küste Irlands. Die letzte Position stammt vom 14. September. Blau markiert ist der erste Wegepunkt

Solange "Pinta" noch segelt, kann jedermann ihre tagesaktuelle Position im Internet mitverfolgen unter www.microtransat.org/tracking .


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