Golden Globe Race
Überschlag im Sturm – Susie Goodall verliert Mast im Pazifik

Die junge Teilnehmerin der Einhandregatta um die Welt havarierte 2000 Seemeilen westlich von Kap Hoorn. Retter können ihre Position in zwei Tagen erreichen

  • Kristina Müller
 • Publiziert am 05.12.2018
Die junge Britin im Interview bei ihrem Medienstopp vor Hobart/Tasmanien Die junge Britin im Interview bei ihrem Medienstopp vor Hobart/Tasmanien Die junge Britin im Interview bei ihrem Medienstopp vor Hobart/Tasmanien

Christophe Favreau/PPL/GGR Die junge Britin im Interview bei ihrem Medienstopp vor Hobart/Tasmanien

Nun hat es die jüngste Teilnehmerin der ohnehin schon stark dezimierten Golden-Globe-Flotte um die Welt getroffen: Die britische Skipperin Susie Goodall überschlug sich mit ihrer Rustler 36 heute im südlichen Pazifischen Ozean in einem schweren Sturm, rund 2000 Seemeilen westlich von Kap Hoorn. Sie verlor dabei den Mast und die Spinnakerbäume zur Errichtung eines Notriggs.

Nach Informationen der Veranstalter der Weltumsegelung auf Zeit erhielt Falmouth Coastguard um 11:00 UTC erstmals das Notsignal ihrer Yacht. Sie verständigte die Rennleitung in Les Sables d’Olonne, die wiederum die für diesen Sektor des Südpazifiks zuständige chilenische Such- und Rettungskräfte alarmierte.

GGR/Tracker Die Position von Goodalls "DHL Starlight" im Sturm, als die Havarie passierte

Die 29-jährige Susie Goodall aus Falmouth (Porträt in YACHT 14/2018) lag zu dem Zeitpunkt auf dem vierten Platz und kämpfte an Bord ihrer Rustler 36 "DHL Starlight" gegen 60 Knoten Wind und massive Seen.

Kontakt zu Goodall hergestellt
In ihrer letzten Textnachricht an die Regattaleitung vor der Havarie schrieb sie:

"Ich frage mich, was ich hier draußen eigentlich zu suchen habe."

Die darauffolgende Nachricht lautete dann schon:

"Mast verloren. Rumpf OK. Notrigg ist Totalverlust. Position: 45' 27,787 S, 122' 23,537 W."

Goodall gab an, bis zum Überschlag die Bedingungen unter Kontrolle gehabt zu haben. Doch dann funktionierte die Windsteueranlage nicht mehr, sie brachte achtern einen Treibanker aus und barg das Großsegel.

Susie Goodall beim obligatorischen Ankerstopp der Weltumsegelung Ende Oktober

Verletzt, aber einsatzfähig
Die Rennleitung erreichte Goodall schließlich über das Notfall-Satellitentelefon. Die Einhandseglerin sagte, dass sie zunächst glaubte, der Rumpf habe Schaden genommen, da Wasser im Schiff stand, aber der Rumpf sei in Ordnung. Doch durch das Deck dringt Wasser ein, sie lenzt regelmäßig. Sie selbst wurde bei der Kenterung über den Bug verletzt: "Bei dem Überschlag wurde ich durch die Kajüte geschleudert und war eine Weile außer Gefecht."

Sie habe Schnitte, Kratzer, blaue Flecken und einen Schlag auf den Kopf bekommen. Die Ärzte des MSOS, des 24-Stunden-Telecenters des Golden Globe Race, überwachen nun ihre Symptome und geben medizinischen Rat.

Schiffe zur Rettung alarmiert
Der Wind ging nach dem Überschlag auf 45 Knoten runter, die Bedingungen sollen sich bessern, da der Sturm weiter gen Osten zieht. Der am nächsten stehende Teilnehmer des Golden Globe Race ist der Este Uku Randmaa, 400 Meilen vor Goodall. Würde er umdrehen, würde er in den Sturm, der Goodalls Yacht traf, aber direkt hineinsegeln.

Christophe Favreau/PPL/GGR Die Rustler 36 vor der Havarie

Für Istvan Kopar, 780 Meilen westlich der "DHL Starlight", ist es weitaus sicherer, seinen Kurs mit dem Wind fortzusetzen und die Havaristin zu erreichen. In sechs Tagen schätzt er, könne er da sein. Dann ist aber hoffentlich bereits Hilfe vor Ort. Die chilenischen Behörden kontaktierten ein Schiff 480 Kilometer südwestlich von Goodalls Position und baten um Unterstützung. In etwa zwei Tagen könnte es ihre Position erreichen.

Der Veranstalter des Rennens Don McIntyre sagte: "Wir überwachen die Situation sorgfältig, sprechen stündlich mit Susie und arbeiten mit den chilenischen Such- und Rettungsbehörden zusammen, um die besten Maßnahmen zu ergreifen. Wir haben auch ihre Familie informiert und halten sie auf dem Laufenden."

Hintergrund der Retro-Regatta

Zum 50. Jubiläum des Sunday Times Golden Globe Race von 1968/69, des ersten Einhand-Nonstop-Rennens um die Welt, segeln 2018 Skipper aus 13 Ländern um den Globus. Das Besondere: Sie tun dies auf Yachten, die vor 1988 konstruiert wurden, und mit Navigations- und Kommunikationsausrüstungen von einst, das heißt mit Sextant und Papierseekarte. Zur Standortübermittlung ist ein Satellitentelefon an Bord. Start war am 1. Juli 2018, nach neun bis zehn Monaten auf See wird die Flotte zurückerwartet. Parallel dazu segeln weitere Einhandskipper im Rahmen der "Longue Route" um die Welt – einer losen Flottille ohne Regattamodus, im Gedenken an die französische Segellegende Bernard Moitessier. 

Tim Bishop Die Route des Golden Globe Race 2018


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