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Übernahme von Bavaria steht fest

Größter deutscher Yachtbauer wird künftig von internationalen Investmentfonds gesteuert - Erschließung neuer Märkte geplant

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 27.06.2007

YACHT/K. Andrews In fremde Hände: Bavaria gehört ab 1. August einer Investorengruppe

Ein Konsortium von Investoren, das von der der Münchner Bain Capital beraten wird, übernimmt wesentliche Anteile an der weltweit zweitgrößten Sportbootwerft in Giebelstadt. Der bisherige Geschäftsführer und Firmengründer Winfried Herrmann gibt seine aktive Rolle in der Unternehmensführung auf.

Wie Bain Capital heute in einer Erklärung mitteilte, tritt die Übernahme zum 1. August in Kraft. Damit bestätigte die Unternehmensberatung Berichte der YACHT von einem bevorstehenden Verkauf der im internationalen Vergleich effizientesten und bis zuletzt hoch profitablen Serienwerft (Heft 3/07 und 11/07).

Über die Höhe der Kaufsumme und die künftige Verteilung der Gesellschafteranteile gibt es offiziell keine Informationen. Bain Capital hatte im Bieterverfahren nach YACHT-Informationen Bereitschaft bekundet, über 1,2 Milliarden Euro für Bavaria zu bezahlen — eine der größten Akquisitionen im weltweiten Wassersport-Geschäft.

Branchenkenner gehen davon aus, dass es sich bei der Transaktion um einen strukturierten Deal handelt. Dabei wird zunächst nur ein Teil des Unternehmens übereignet — meist eine Sperrminorität oder, im Falle Bavarias wahrscheinlicher, eine knappe Mehrheit der Anteile; erst innerhalb eines fest vereinbarten Zeitraums (üblicher Weise ein bis fünf Jahre) geht Schritt für Schritt die gesamte Firma auf die neuen Eigentümer über.

Fest steht, dass die bisherigen Mitgesellschafter Elfriede Herrmann, die Frau des Firmengründers, und die Josef Meltl Beteiligungs GmbH Anteile abgegeben haben. Meltl ist einer der größten Bavaria-Händler, unterhält in Bayern eine hochmoderne Ausstellungshalle und beliefert auch den Mittelmeerraum mit Yachten. Er war in den 80er-Jahren bei der Werft eingestiegen, als das Unternehmen kurzzeitig Finanzierungsbedarf hatte.

Ziel der neuen Eigentümer ist neben einer weiteren Stärkung des Standortes Giebelstadt die Vergrößerung des internationalen Händlernetzes und die Erschließung neuer Auslandsmärkte. Ob dazu auch das auf günstige Fahrtenyachten und Motorboote konzentrierte Modellangebot erweitert wird, bleibt abzuwarten. Derzeit läuft mit der Bavaria 31 und 34 bei den Segelbooten die Kompletterneuerung der Cruiser-Serie an.

Das bisherige Managementteam um den stellvertretenden Geschäftsführer Rudolf Müller und Vertriebsleiter Mike Reuer wird in den nächsten Monaten verstärkt.

Firmengründer Winfried Herrmann scheidet mit der Übernahme aus der aktiven Geschäftsführung aus und wird zukünftig im Beirat des Unternehmens die weitere Entwicklung des Unternehmens begleiten. Die Yachtagentur Josef Meltl wird ihre langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Werft als einer der führenden Vertriebshändler von Bavaria-Yachten auch in Zukunft fortsetzen.

Mit den von Bain Capital beratenen Fonds beteiligt sich einer der renommiertesten internationalen Private Equity Investoren mit langjähriger Erfahrung im internationalen Sport- und Freizeitmarkt an Bavaria. Neben früheren Investments in Firmen wie Jack Wolfskin ist Bain seit mehreren Jahren an der Bombardier Recreational Products, einem der weltweit größten Hersteller von Jetskis, Sportbooten und Außenbordmotoren beteiligt.

Die Bavaria Yachtbau GmbH fertigte im zurückliegenden Geschäftsjahr, das am 31. Juli 2006 endete, mit 620 Mitarbeitern rund 3.500 Yachten und erwirtschaftete einen Umsatz von ca. 271 Mio. €.

Bei der Transaktion wurde die Familie Herrmann von Network Corporate Finance und die Yachtagentur Josef Meltl Beteiligungs GmbH von Ermgassen & Co beraten. Der Abschluss der Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zuständigen Kartellbehörden.


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Themen: Bain CapitalBavariaBoris HerrmannMeltlÜbernahmeVerkaufWerft

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