Feuer
Traurige Schadensbilanz in Haltern

Eine Brandkatastrophe vernichtete Bootshaus und Ausbildungsflotte zweier Segelvereine. Die Versicherungssumme reicht nicht für den Ersatz

  • Lasse Johannsen
 • Publiziert am 31.01.2014

SC Haltern/Monika Sterzel Wo einst das historische Bootshaus stand, ist nur noch Schutt und Asche zu sehen

Die Mitglieder der betroffenen Vereine, des Segelclub Prinzensteg und des Segelclub Haltern am See , stehen immer noch unter Schock. In der Vorweihnachtszeit war das gemeinsame Bootshaus vollständig von den Flammen eines Großbrandes aufgezehrt worden. Nun kommt die traurige Gewissheit: Die Versicherungssumme wird nicht reichen, den Jugendlichen ihre Ausbildungsflotte zu ersetzen. Die Clubs sind auf Spenden angewiesen und planen schon erste Benefizveranstaltungen .

Hier der Bericht von der Tragödie: Das Feuer, das es zu löschen galt, leuchtete weit über den See. Nicht nur, dass das 1937 gebaute, jetzt brennende Bootshaus am Nordufer der Stevertalsperre vollständig aus Holz konstruiert war, in unmittelbarer Nähe stand auch ein überirdischer Gastank. Dessen Überdruckventil hatte ausgelöst, und es schoss eine mehrere Meter hohe Stichflamme in die Höhe. Eine Explosion dieses Tanks hätte zu einer noch viel größeren Katastrophe geführt. Der Tank musste gekühlt werden, ohne die Flamme zu löschen. Daneben musste der Brand des Bootshauses und der auf den Außenflächen liegenden Boote bekämpft werden. Dabei brannte innen wie außen ganz viel Kunststoff, sodass auch noch Gefahr für die Trinkwassertalsperre bestand. Neben dem Bootshaus liegt im Winterschlaf das Fahrgastschiff "Möwe", das in der Saison Hunderte von Touristen über den See fährt. Auch dieses galt es zu schützen. Und dann war das Gebäude noch von alten, hohen Bäumen umgeben. Die Flammen wüteten stundenlang und hinterließen nur noch eine schwarze Masse, wo einst das Bootshaus stand.

Noch vor der Jahreswende wurde das Grundstück von einer Spezialfirma geräumt, um jeglichen Schadstoffeintrag in Boden und Wasser zu verhindern, ebenso wie ein Umfallen der geschädigten Bäume beim nächsten größeren Sturm. Zuvor waren die Brandsachverständigen der Polizei vor Ort. Als Ursache war sehr schnell geklärt, dass ein 61-jähriger Obdachloser sich Zutritt zu den unbewohnten Räumlichkeiten verschafft hatte. Er betrieb dort ein Heizgerät, das offenbar zur Entzündung seiner Decken geführt hatte. Glücklicherweise bemerkte er selbst relativ rasch das Feuer und konnte sich retten, sodass jedenfalls kein Personenschaden zu beklagen ist.

Das Bootshaus aber brannte vollständig nieder. Und mit ihm alle dort gelagerten Boote der Jugendabteilungen des S.C.H. und des SCPs nebst Riggs, Segel und weiterem Zubehör. Viele Paddler am See verloren alles Material: Dutzende von Booten, den persönlichen Inhalt der Spinde, ihren Aufenthaltsraum. Auch die Duschen, die die Segler bei Regatten nutzten, sind in Rauch aufgegangen. Der Segelclub Haltern am See hatte in dem Gebäude seine sogenannte Segelkammer. Darin waren auch die Riggs und Segel der großen Clubboote, das Equipment für Training und Regatten, das Reparaturmaterial für die Steganlage und die Schränke mit den Unterlagen der über 60-jährigen Vereinsgeschichte gelagert.

SC Haltern am See/Monika Sterzel Die Anlage vor dem Brand

Traurige Schadensbilanz

Allein die Segelclubs haben einen Schaden von etwa 100.000 €. Auch wenn die Versicherungen einen erheblichen Teil davon ersetzen, werden darüber hinaus mehrere 10.000 € zu investieren sein, um ähnliches Bootsmaterial wieder zu beschaffen, wie es zur Verfügung stand.

Ob das Bootshaus wieder aufgebaut wird, ist noch nicht entschieden. Es war Teil eines spiegelbildlichen Ensembles. Der eine Teil mit Wohnung und Gaststätte "Kajüte" sowie dem Clubraum des SC Prinzensteg und weiteren Lagerräumen auch für Paddelboote steht noch. Die Gesellschafter der Bootshausgesellschaft Sebbel werden nun zu entscheiden haben, ob sie das historische Ensemble wieder herstellen lassen. Die Paddler und die Segelvereine sind sehr daran interessiert, schon um die seenahen Lagermöglichkeiten wieder zu bekommen.

"Wir arbeiten jetzt intensiv daran, zum Beginn der Segelsaison 2014 der Jugend unseres Clubs wieder Trainingsmöglichkeiten zu bieten" sagt Dr. Michael Frick, Vorsitzender des SC Prinzensteg. Eigentlich hätte der Verein – neben den laufend anstehenden Aufgaben – genug mit der Vorbereitung des 50jährigen Vereinsjubiläums in diesem Jahr zu tun.
Werner Thome, Vorsitzender des S.C. Haltern am See, meint: "Das bereits vor einem Jahr angekündigte Ende meiner 10jährigen Amtszeit hätte ich mir anders gewünscht. Aber jetzt muss die Schadensaufnahme durchgeführt werden und geplant werden, was wieder angeschafft werden soll und kann. Die Umsetzung der Planung wird dann meinen Nachfolger und sein Team sehr beschäftigen. Jede Hilfe, ob praktisch oder finanziell ist sehr willkommen."

Erste Hilfszusagen

Und es gibt auch schon die ersten Hilfszusagen:
Die beiden anderen großen Segelvereine am Halterner Stausee – SC Westfalen und SC Stevertalsperre – boten sofort ihre Hilfe an, den ab April wieder startenden Segelbetrieb durch Bootsmaterial zu unterstützen.
Die Westfalen Big Band, die bereits im Jahre 2010 beim 60jährigen Jubiläum des S.C.Haltern am See ein Konzert gab, wird am Sonntag den 30. März 2014 ab 17 Uhr in der Aula des Schulzentrums an der Holtwicker Straße 3 ein Benefizkonzert geben. Die Besucher erwartet mitreißende Life-Musik vom Feinsten vom Swing über Latin bis zum Pop der 1990er Jahre. Die Musiker spielen ohne Gage, der gesamte Erlös des Konzertes wird für die Wiederausstattung der Jugendabteilungen des S.C.Haltern am See und des SC Prinzensteg verwandt werden.

Mit solcher und hoffentlich weiterer Unterstützung werden beide Segelclubs es schaffen, den Jugendlichen zum Beginn der Saison ein nicht spürbar eingeschränktes Angebot an Bootsausstattung machen zu können, um ihren Sport auf dem herrlichen Revier an der Grenze zwischen dem Ruhrgebiet und dem Münsterland nachzugehen.


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Themen: BrandFeuerHalternUnglück

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